Frankfurt: Denkmalamt legt Fundament der Höchster Synagoge frei
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Das Denkmalamt präsentiert Grabungen auf dem Ettinghausen-Platz in Frankfurt-Höchst. Der OB geht voran.  

Grabungen aus dem 2. Weltkrieg

Frankfurt-Höchst: Von Nazis zerstörte Synagoge freigelegt

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
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Nazis hatten das 1905 errichtete Gebäude in Frankfurt-Höchst zerstört und durch einen Bunker ersetzt. Auf den Grundmauern pflasterten sie eine Freifläche, den heutigen Ettingshausen-Platz.

  • In Frankfurt hat das Denkmalamt das Fundament der Höchster Synagoge freigelegt.
  • Das Gebäude wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von Nazis zerstört.
  • Nun soll dort der Ettingshausen-Platz neu gestaltet werden.

Frankfurt - Wie ein Geschichtsbuch liegt die Grabungsstelle da. Auf jeder Seite ein anderes Jahrhundert. Das Frankfurter Denkmalamt hat am Montag zum Rundgang auf und unter dem Ettinghausen-Platz geladen. Es sind nur wenige Gäste, die Stadtoberen, die Presse, ein Vertreter der jüdischen Gemeinde und eine handvoll Engagierte aus den Bürgerinitiativen. Die haben sich Jahrzehnte lang dafür eingesetzt, dass der Platz in Höchst zu einem echten Ort der Erinnerung wird.

1905 hat die jüdische Gemeinde Höchst dort ihre Synagoge errichtet. 1938 haben die Nazis das Gebäude angezündet. Die Feuerwehr löschte nur die umliegenden Gebäude. Im Anschluss entstand der heute noch zu sehende Luftschutzbunker.

Frankfurt: Synagoge in Höchst freigelegt - Denkmalamtsleiterin vermutet weiteren Fund

Die Nazis haben sich nicht die Mühe gemacht, die Synagoge komplett abzureißen. Haben einfach Pflaster über die Fundamente gelegt. „Was man nicht sieht, ist auch nicht da“, sagt Elke Sichert lakonisch. Für die Ausgrabungsleiterin ist das ein Glück. „Es ist viel weniger zerstört als wir befürchtet hatten.“

Und so tappt die kleine Gruppe andächtig durch die freigelegten Ruinen. Nicht nur die Grundmauern der Synagoge von 1905 sind zu sehen, bei einem Teil vermutet Denkmalamtsleiterin Andrea Hampel, es könne gar ein Rest der Fundamente der noch älteren Synagoge sein, die die jüdische Gemeinde selbst überbaut hatte.

Die Funde sind für die ganze Stadt wichtig, sagt OB Peter Feldmann (SPD). Jüdisches Leben werde wieder sichtbar. Lange hätten die Bürger mit der Stadt um eine Gestaltung des Platzes gerungen. Nun sei ein Anfang gemacht. Auch Uwe Becker (CDU), Kirchendezernent und Antisemitismusbeauftragter der Landesregierung, sieht im Höchster Ettinghausen-Platz einen Ort, der „Frankfurter Identität ausdrückt“.

Frankfurt: Funde bei Grabung in Höchst - Platz soll neu gestaltet werden

So soll das auch bleiben, Planungsdezernent Mike Josef (SPD) betont, dass die Erkenntnisse der Grabung in die künftige Platzgestaltung einfließen werden. Sofern möglich und sinnvoll. Bislang standen Bänke und Bäume dort, auch zwei Viewer, stationäre Ferngläser, durch die Passanten einen Blick auf ein Bild der Synagoge werfen konnten. Wie der neue Platz aussehen soll, soll ein Wettbewerb klären.

Denkmalamtsleiterin Andrea Hampel ist derweil schon ein paar Jahrhunderte weiter geeilt. Auch einen Teil der alten Höchster Stadtmauer hat ihr Team entdeckt. Die ist 1355-1432 errichtet worden. Der Mauerring hatte mehrere Türme und Tore. Am heutigen Ettinghausen-Platz stand der Hirtenturm.

Frankfurt: Grabung in Höchst - Besichtigung der Funde möglich

Nachdem die jüdische Gemeinde das Areal 1798 erwarb, hieß er Badstubenraum. Ein Hinweis, dass darin das rituelle Tauchbad war. Wasser spendete vermutlich der Liederbach, der quert die Grabungsfläche. Früher hat er die Wassergräben der Stadtbefestigung gespeist.

Nach dem Stadtbrand 1178 wurden die Wassergräben teils verfüllt. Den neuen Raum nutzte etwa die Höchster Porzellanmanufaktur, um sich ein bisschen zu vergrößern. Die Chancen stehen gut, dass die Denkmalschützer bei ihren Grabungen eine Abraumhalde der Manufaktur aufstöbern werden.

Die Grabung inspizieren dürfen Neugierige Montag, 11. Mai. Anmeldung unter Telefon 069 / 21 23 61 99 oder Mail denkmalamt@stadt-frankfurt.de. Anmeldeschluss ist Freitag, 8. Mai, 12 Uhr.

Von George Grodensky

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