Sonntagsbrunch Motto „So fremd - so nah“, Tahmina Sharaf hat Samosas gemacht.
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Sonntagsbrunch Motto „So fremd - so nah“, Tahmina Sharaf hat Samosas gemacht.

Höchst

Brunch als Brücke

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Mit einem Sonntagsbrunch möchte das „Islamforum Frankfurt“ den interkulturellen Dialog befördern. Gerade in Höchst sei es nötig, Brücken zu bauen.

Salami und Käse stehen auf dem Tisch, daneben Blätterteig-Taschen nach afghanischer Art, österreichischer Wurstsalat sowie ein Dip aus Thunfisch mit Mayonnaise, der häufig in arabischen Ländern zubereitet wird. Brötchen und Croissants liegen in Körben.

Zum „Sonntagsbrunch“ unter dem Motto „So fremd, so nah“, hat das „Islamforum Frankfurt“ in ein Fachwerkhäuschen am Burggraben eingeladen. Rund ein Dutzend große und kleine Gäste sitzen in einem Quadrat aus Tischen in dem hellen Raum zusammen. In der Mitte liegt ein lilafarbener Teppich, auf dem Spielsachen für Kinder ausgebreitet sind. Durch die kleinen Kreuzstockfenster ist das Höchster Schloss zu sehen.

Khaled El Sayed, Vorsitzender des Islamforums, erzählt, dass der Brunch zur Veranstaltungsreihe „Dialog am Schloss“ gehört, bei dem es Leseabende und Diskussionsrunden gebe. Das Islamforum ist ein gemeinnütziger Verein, den El Sayed, seine Töchter und seine Frau vor zwei Jahren gegründet haben, um eine Plattform für interkulturellen Dialog zu schaffen. Aktuell habe der Verein rund 30 Mitglieder.

„Ganz besonders in Höchst ist der Migrantenanteil sehr hoch“, sagt El Sayed. Da sei es wichtig „Fragen zu stellen“ und „Brücken zu bauen“. Der Brunch, den der Verein am Sonntag erstmals öffentlich veranstaltet, soll eine informelle Möglichkeit sein, sich zu begegnen. „Wir wollen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion zusammen bringen. Beim Essen ist man gelöster“, berichtet der 55-Jährige.

Seine Frau, Anita Grün-El Sayed, unterhält sich gerade mit Thomas Strahl, einem der Gäste, über eine Lesung der Ringparabel „Nathan der Weise“, die das Islamforum vor Weihnachten veranstaltet hat und in der es um die drei monotheistischen Religionen Islam, Christen- und Judentum geht. An dem Brunch ist der 51-Jährigen das „Entschleunigen“ wichtig. „Meistens trifft man sich, um irgendwas zu planen.“ Durch eine Mail der Initiative „Bunter Tisch – Höchst Miteinander“ habe Strahl von dem Verein erfahren und sei bei der Lesung vor Weihnachten erstmals da gewesen. Zu dem Brunch hat er Obst und Gemüse mitgebracht. „Als Höchster interessiert mich das Islamforum“, sagt der 41-Jährige. Er finde die „Idee sympathisch, Brücken zu bauen“. Weiter sagt er: „Ich bin noch nicht so ganz dahinter gekommen, welche Richtung des Islams das Forum vertritt.“ Anita Grün-El Sayed sagt: „Wir sind sunnitisch ausgerichtet, aber komplett offen für alles.“

Sunnitischen Glaubens ist auch Familie Rahbaoui. Mutter Nezha und Vater Youness sitzen mit ihren ein- und sechsjährigen Söhnen über Eck an den Tischen. Nezha Rahbaoui schätzt die familiäre Atmosphäre des Brunchs und dass Kinder willkommen seien. „Der Ort ist sowieso schön und auch die Ruhe“, fügt die 37-Jährige hinzu. Youness Rahbaoui berichtet, dass die Familie zuletzt in einem buddhistischen Kloster lebte. Im Buddhismus stehe der Mensch selbst vielmehr als Gott, wie im Islam, im Vordergrund. Für einen Dialog findet der 37-Jährige wichtig, „den Begriff Religion zur Seite zu schieben“. Rahbaoui sagt: „Der Begriff hebt Unterschiede zu sehr hervor.“

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