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Im Sommer 2021 soll der Bolongaropalast in Frankfurt-Höchst fertig restauriert sein.

Frankfurt

Bolongaroschloss soll Kulturpalast werden

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Beim Höchster Stadtgespräch zur Zukunft des Denkmals fordern Vereine einen öffentlichen Träger - und mehr Unterstützung aus dem Stadtzentrum.

Es geht um etwas Großes. Das wurde beim 15. Höchster Stadtgespräch noch einmal klar. Was in den knapp 300 Zimmern des Bolongaropalastes in Zukunft geschehen soll, wurde im Foyer des Neuen Theaters in Frankfurt-Höchst am Sonntag von etwa 40 Gästen kontrovers diskutiert. Der Planungsstand des „Kulturpalastes Höchst“ reicht von konkreten Vorschlägen für die Ausrichtung des Kinoprogramms bis zur vagen Frage danach, unter welcher Trägerschaft das Projekt stehen könnte.

Im Sommer 2021 ist die Restaurierung des Barockpalastes voraussichtlich abgeschlossen – und dann könnte dieser bespielt werden, sagt Henning Brandt, Leiter der Verwaltungsstelle Höchst. Auf drei bunten Querschnitten der Stockwerke zeigt er die aktuelle Planung: Ein großer Gastronomiebereich zur Pflege der „Esskultur“, ein Musiksaal und Büro- und Unterrichtsräume für eine Musikschule. Ein Künstlerbüro, in das in jedem Jahr ein Künstler aus einem anderen Land eingeladen wird, soll eingerichtet werden. „Ein Ort der kulturellen Begegnung“, „Austausch in einem multikulturellen Stadtteil“ oder „gegenseitiges Befruchten von Kulturen“ – Schlagworte, die in vielen Beiträgen auftauchen.

Auch Edgar Weick, Vorsitzender des Kultur- und Museumsvereins Bolongaro, unter dessen Jackett ein T-Shirt mit einer Außenansicht des Palastes hervorblitzt, plant ein kulturell vielfältiges Programm für den Bolongaropalast. „Interkulturelle Räume sind wichtiger denn je.“ Markus Großbach, ebenfalls Vorsitzender des Kultur- und Museumsvereins, ärgert sich, dass seit den Achtziger Jahren fast ausschließlich die Kultur im Stadtzentrum gefördert wurde. „Besonders dezentral im Stadtteil könnte kulturelles Interesse geweckt und gefördert werden.“

Neuigkeiten hat Henning Brandt zum Filmtheater. „Ein Nachfolger des Kinos Valentin wird wahrscheinlich – wie auch das Filmforum – von der Volkshochschule betreut werden.“ Das Kino soll nicht über den Innenhof, sondern über einen Eingang von der Bolongarostraße aus zugänglich sein. „Außerdem soll es im ersten Obergeschoss einen Stützpunkt für Kitas und Jugendzentren geben.“ Dort sollen Kunstprojekte wie „Die blauen Reiter von Höchst“ mit Ausstellungsmöglichkeit angeboten werden.

Fluss von Bedeutung

Den bisherigen Plan für das Museum stellt Helga Krohn vom Bund für Volksbildung vor. Sie möchte die Geschichte Höchsts anhand des Mains zeigen. „Denn ohne den Fluss wäre die Höchster Geschichte eine ganz andere.“ Die Römer, die Zollstation, Höchst als Ort der Industriekultur und der multikulturelle Stadtteil seit dem Zuzug der Gastarbeiter sollen ausgestellt werden.

„Bittere Tropfen in die süße Brühe“ gibt Wolfgang Metternich vom Verein für Geschichts- und Altertumskunde. Die Frage nach der Trägerschaft und der geordneten Finanzierung hindere ihn daran, so optimistische Pläne zu schmieden. Er findet nicht nur, dass Hilmar Hoffmanns Slogan „Kultur für alle“, unter der das Kulturprojekt vorgestellt wird, überstrapaziert wird. Seine Frage, welche Kultur von Höchst, insbesondere im Museum, gezeigt werden soll, löst eine große Diskussion um die Identität des Stadtteils aus.

Breite Zustimmung findet die Forderung von Edgar Weick. „Wir brauchen eine öffentliche Trägerschaft und eine kommunale Verwaltung. Nur so können den Vereinen und Initiativen auch günstige Mieten garantiert werden.“ Viele Ideen folgen auf den Vorschlag aus der Runde, durch mehr öffentlich wirksame Veranstaltungen eine größere Aufmerksamkeit zu generieren. Noch fehle eine Lobby im Frankfurter Stadtzentrum.

Der nächste Termin dieser Art ist die Übergabe der neuen Glocke für den Bolongaropalast, die der Verein Höchster Altstadt der Stadt schenkt. Die Übergabe an Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ist am 21. Dezember um 9.30 Uhr.

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