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Die rund 800 Solar-Module auf dem Dach des Bildungs- und Kulturzentrums Bikuz.

Höchst

Höchst: Für Klimawandel aufs Dach

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Eine Initiative installiert eine Solaranlage, die das Bildungs- und Kulturzentrum mit Strom versorgt.

Über eine Alu-Leiter und durch eine schmale Luke führt der Weg auf das Dach des Bildungs- und Kulturzentrums, kurz Bikuz. Alle knapp 20 Teilnehmer des ersten „Höchster Klimaspaziergangs“ wagen sich am Freitagnachmittag hinauf in luftige Höhen. Eingeladen hatte die Frankfurter Landtagsabgeordnete Martina Feldmayer (Grüne).

Auf dem Flachdach angekommen, quasi auf Höhe des vierten Stockwerkes des Gebäudes in der Michael-Stumpf-Straße, das gegenüber des Bahnhofs steht, sind die Höchster Farbwerke zu sehen. Außerdem kann der Blick schweifen bis zur Skyline, zum Feldberg und in den Taunus. Zwischen hunderten Solarzellen steht Volker Klös vom Verein „Sonneninitiative“. Er erläutert der Gruppe, wie die Photovoltaik-Anlage auf das Dach gekommen ist. Vor rund sieben Jahr habe sein Verein die lokale Stromversorgung durch Sonnenenergie installiert.

„Ein Physiklehrer und seine Klasse hat die Idee dazu angestoßen“, berichtet Klös. Während des Unterrichts hätten er und seine Schüler des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums verschiedene Szenarien zur Gewinnung alternativer Energien entwickelt. Das Gymnasium befindet sich neben der Volkshochschule und der Stadtbücherei in dem Gebäude unter dem Dach. Die Sonnenintiative habe daraufhin die Dachfläche, vom Eigentümer, der Stadt, angemietet und die Machbarkeit geprüft. Eine Netzprüfung und Kalkulationen gehörten dazu. Finanziert worden sei die rund 360 000 Euro teure Anlage durch „Bürgerbeteiligung“. „Wir sind eine Eigentümergemeinschaft und jeder Einzelne ein Solarstromproduzent“, so Klös. Innerhalb von zehn Jahren hätten die Anteilseigner ihr eingesetztes Geld zurück.

Klimaspaziergang mit Martina Feldmayer (MdL, Bündnis 90/Die Grünen).

Das Interesse an solchen Beteiligungen sei enorm. Viel schwieriger dagegen sei es für seinen Verein Flächen zu finden, auf denen „Sonnenkraftwerke“ eingerichtet werden könnten. Klös bezeichnet die Einrichtung von Solar-Anlagen als „Kampf um Fläche und Herzen“. Sein Verein bezahle keine horrende Mieten, daher könnten die Eigentümer von Gebäuden wenig Geschäft mit Solarenergie machen und müssten daher mit dem Herz dabei sein.

Eine Teilnehmerin möchte wissen, wie das Gewicht ermittelt werde, das ein Dach tragen könne. Klös sagt, dass ein Modul etwa 20 Kilogramm wiege. Dazu kämen Faktoren wie Schnee, der in der jüngeren Vergangenheit immer weniger geworden sei und schneller wieder verschwinde. Dadurch könnten auch eingeschneite Solarzellen wieder schneller weiter produzieren.

Die etwa 800 Solar-Module, die über fast das gesamte Flachdach verteilt und alle schräg Richtung Himmel gerichtet sind, zeigen nach Süden sowie Osten und Westen. Dass man die Module heute nicht mehr Richtung Süden aufstelle, sei ein „moderner Ansatz“, berichtet Klös. „Zu große Hitze verdirbt den Spaß“, sagt er, weil in den Leitungen durch die große Wärme Widerstände entstehen würden, die eine Speicherung der Sonnenenergie verhinderten. Hell müsse es sein, das sei das Wichtigste. Bis zu einem Drittel der Energie werde demnach im Winter gewonnen. Wäre es in dieser Jahreszeit heller, gebe es noch einen größeren Ertrag. Mit der Anlage werde der Strom für das Bikuz erzeugt. Überschüsse würden in das allgemeine Stromnetz eingespeist werden.

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