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Sergio Benincasa (rechts) bei der Arbeit mit seinem Sohn Marco.  

Höchst

Höchst: Erster Stopp vor der Arbeit - Kaffee trinken beim Italiener

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Sergio Benincasa bringt seit 20 Jahren ein Flair von „La Dolce Vita“ in den Stadtteil. Am Samstag hat er den Geburtstag seines Ladens gefeiert.

Kaffeeduft zieht durch die Halle. Für viele der Pendler, die morgens durch den Bahnhof laufen, ist der kleine Feinkostladen von Sergio Benincasa (54) oftmals die erste Anlaufstelle auf dem Weg zur Arbeit. Im frühmorgendlichen Trubel nehmen sich Benincasa und sein Team Zeit, Kunden mit einem freundlichen „Buongiorno“ zu begrüßen, bevor sie die Siebträger der beiden italienischen Kaffeemaschinen mit Kaffeepulver befüllen.

Langsam fließt das Heißgetränk in Becher und Tassen. Viele Kaffeespezialitäten gehen täglich über die Ladentheke, ein wahrer Verkaufsschlager. Am Samstag hat der Italiener das 20-jährige Bestehen seines kleinen Geschäftes gefeiert, das er Anfang Januar 2000 eröffnete.

Dass er mal in Deutschland sesshaft werden würde, das war, wie Benincasa erzählt, gar nicht so geplant. 1987 sei er im Alter von 22 Jahren aus Kalabrien nach Frankfurt gekommen. „Mein Onkel und mein Bruder waren schon hier“, erzählt der Italiener. „Ich wollte nur für zwei Jahre in Deutschland arbeiten.“

Aus den geplanten zwei Jahren sind mehr als 30 geworden. Und es ist eine berufliche Erfolgsgeschichte. Mit seiner Familie lebt der Italiener heute in Unterliederbach. Frankfurt sei zu seiner Heimat geworden, sagt er.

Fleiß und Leidenschaft

„Ab 1994 habe ich einen Obst- und Gemüsestand auf dem Bahnhofsvorplatz von Höchst gehabt“, erinnert sich Benincasa. Der Laden im Bahnhof sei zu dieser Zeit noch ein Textilgeschäft gewesen. Als der Inhaber nach mehr als 50 Jahre in Rente gegangen sei, habe ihn dieser gefragt, ob er das Geschäft nicht übernehmen möchte. „Er hat mich empfohlen und mir gesagt, dass er mich beobachtet und gesehen hat, wie fleißig ich arbeite.“

Ohne Fleiß und Leidenschaft geht es nicht, sagt Benincasa. Der Tag beginnt für ihn und seine Mitarbeiter bereits um 5 Uhr morgens. Dann laufen sich die italienischen Kaffeemaschinen warm, bevor der Trubel meist eine Stunde später beginnt. Sechs Tage die Woche. Nur am Sonntag ist der Laden geschlossen und es bleibt Zeit, sich auszuruhen.

Obst und Gemüse seien zu Beginn noch Teil des Konzeptes gewesen. Espresso habe es da nur für Stammkunden gegeben – kostenlos. Wie das in Italien so üblich sei. „Kaffee und belegte Brötchen kamen ab 2005 dazu, Obst und Gemüse habe ich herausgenommen.“ Dass sei vor allem der Entwicklung geschuldet gewesen, dass in der Umgebung des Bahnhofes Obst- und Gemüsegeschäfte eröffnet hätten.

Stattdessen gibt es heute italienische Köstlichkeiten wie verschiedene Käsesorten, Salami oder Schinken im Sortiment. Auch Oliven, Olivenöl und Nudeln stehen in den hohen Regalen aus Holz, die an den Wänden befestigt sind. Der Laden ist aber vor allem eines: Ein Treffpunkt für Menschen ganz unterschiedlicher Nationen und Kulturen, die in Höchst und in angrenzenden Stadtteilen leben.

Herzliche Begrüßung

Benincasa kennt sie eigentlich alle und wird von jedem beim Eintritt in den Laden herzlich begrüßt. Im Geschäft selbst sind Tische aufgestellt, für diejenigen, die den Kaffee nicht mitnehmen, sondern in Ruhe genießen möchten. Auf dem Bahnhofsvorplatz, direkt an das Geschäft angrenzend, hat Benincasa weitere Tische und Bänke platziert, die aus Europaletten angefertigt sind. Die Plätze hierauf sind die meiste Zeit des Tages belegt. Hier wird entspannt Kaffee getrunken – meist sind es Männer, die sich dort Treffen, um zu plaudern.

Kaffee ist eine Leidenschaft des Italieners, der die Bohnen mittlerweile selbst röstet. „Ich hatte schon immer den Wunsch, das zu machen und habe mich auf Fachmessen darüber informiert“, erzählt er. Die Kaffeebohnen, die unter anderem aus Uganda, der Elfenbeinküste und Brasilien stammen, bezieht er aus dem italienischen Triest.

Jeden Samstag werden die Bohnen im Geschäft geröstet mit der eigenen Maschine. Fragt man Sergio Benincasa nach seinen Wünschen, so ist im anzumerken, dass er sehr zufrieden ist mit seinem Leben. Sein ältester Sohn Marco (18) hilft bereits mit im Laden.

Ihm gefalle die neue Vorplatzgestaltung, erzählt Benincasa, der zurück an seinen Platz hinter der Theke geht, um die Wünsche seiner Kunden zu erfüllen – Kaffee, Espresso oder Cappuccino sind gefragt.

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