+
Ein Ort der Kreativität, aber jetzt drängt die Musikhochschule auf einen Neubau.

Kulturcampus Bockenheim

Kulturcampus Frankfurt-Bockenheim: „Hochschule in extremer Not“

  • schließen

HFMDK-Präsident Elmar Fulda will mit Neubau nicht auf Stadt Frankfurt warten.

Neun Jahre nach der Präsentation der Idee droht der geplante Kulturcampus auf dem alten Frankfurter Universitätsgelände zu zerfallen. Elmar Fulda, Präsident der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HFMDK), macht im Gespräch mit der FR deutlich, dass er mit dem Neubau nicht warten wird, bis die Stadt Frankfurt irgendwann ein unmittelbar benachbartes „Zentrum der Künste“ entwickelt hat.

Bisher galt die eiserne Formel: Die neue Hochschule und das „Zentrum der Künste“ werden zeitgleich gebaut und baulich miteinander verzahnt. Da aber völlig unklar ist, ob und wann die Stadt Frankfurt das „Zentrum“ errichtet, rückt Fulda jetzt von diesem Miteinander ab.

Im Gespräch mit der FR sagt er: „Die Hochschule ist in extremer Not, weil unsere Raumsituation heute so beengt ist. Ein Viertel unserer Flächen ist zudem zugemietet. Deshalb können wir mit unserem Neubau nicht warten.“ Der Präsident, der seit 1. Oktober 2018 im Amt ist, macht deutlich: „Wir möchten gerne mit der Stadt das Projekt Kulturcampus entwickeln. Aber aus unserer Not ergibt sich eine Zeitschiene, von der wir nicht abrücken können.“

Bereits bei einer Podiumsdiskussion am Dienstagabend zur Zukunft des Kulturcampus hatte Fulda, der selbst nicht teilnehmen konnte, sich per E-Mail zu Wort gemeldet. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) betonte dort Fuldas Wunsch, „die Betriebsabläufe“ der neuen Hochschule und des „Zentrums der Künste“ getrennt zu betrachten.

Lesen Sie auch den Kommentar: Beim Kulturcampus droht Frankfurt eine Blamage

Die Kulturdezernentin konnte auf dem Podium nicht sagen, ob und wann die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen das „Zentrum“ beschließen wird. Sie erklärte lediglich: „Ich kann der Römer-Koalition nur sehr raten, das zu tun.“ Der SPD-Jahresparteitag im April 2019 habe sich zu dem Projekt bekannt. Es soll unter einem Dach in Bockenheim verschiedene Kulturinstitutionen teils von internationaler Geltung bündeln. Dazu zählen das Ensemble Modern, die Dresden Frankfurt Dance Company und die Junge Deutsche Philharmonie. Im städtischen Haushalt ist dieses Vorhaben bisher nicht vorgesehen, auch nicht in der mittelfristigen Finanzplanung. Fachleute gehen von Kosten in Höhe einer größeren zweistelligen Millionensumme aus.

HFMDK-Präsident Fulda nannte es gegenüber der FR „wichtig, dass die Stadt bald grundsätzliche Entscheidungen fällt.“ Spätestens 2020 wollen das Land Hessen und die Stadt Frankfurt für das alte Universitätsgelände eigentlich einen gemeinsamen Architektenwettbewerb ausschreiben.

Das Projekt der neuen Hochschule findet in der internationalen Architekturszene große Aufmerksamkeit, namhafte Büros interessieren sich für den Bau, für den das Land 100 Millionen Euro bereitstellt. Doch ohne den Beschluss der Stadtverordneten, das „Zentrum der Künste“ überhaupt zu bauen, kann es nicht zu einem gemeinsamen Architekturwettbewerb kommen.

Frank Junker, der Geschäftsführer des städtischen Wohnungskonzerns ABG, bot bei der Podiumsdiskussion sogar an, dass die ABG die neue Hochschule und das „Zentrum der Künste“ gemeinsam und zeitgleich errichtet. „Wir bekommen einen solchen Neubau schneller umgesetzt als die öffentliche Hand“, versprach Junker.

Stefan Mumme, der Vorsitzende des Vereins „Forum Kulturcampus“, zeigte sich von Fuldas Wunsch, den Bau von Hochschule und „Zentrum der Künste“ zu trennen, „irritiert“. Darüber müsse man „noch mal sehr ernsthaft streiten“, sagte Mumme auf dem Podium in der Filiale der Frankfurter Sparkasse an der Neuen Mainzer Straße. „Das ist nicht mehr die Idee des Kulturcampus“, urteilte der renommierte Rechtsanwalt, der seit Jahren für die Institutionen des „Zentrums der Künste“ spricht.

Kulturcampus

2010 hatten die damalige Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) und der scheidende hessische Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU) gemeinsam die Idee des Kulturcampus präsentiert.

Schon damals kündigten sie an, dass Kulturinstitutionen von Rang auf den alten Campus der Goethe-Universität umziehen sollten, darunter das Ensemble Modern und das Musik-, Theater- und Tanzlabor Frankfurt, LAB.

Seit 2004 gibt es einen Rahmenplan für den Kulturcampus.

Verwirklicht werden bisher spektakuläre Projekte der Privatwirtschaft, wie etwa ein Luxus-Wohnturm auf dem Areal des früheren AfE-Turms der Uni.

Die versprochenen Sozialwohnungen und Modelle für Genossenschaften lassen ebenso auf sich warten wie das geplante „Zentrum der Künste“ mit den Kultureinrichtungen. (jg)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare