Goldenes Buch

Hitler schickte das erste Blatt

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Das Goldene Buch der Stiftungen stammt aus der Nazi-Zeit.

Die Stadt Frankfurt hat den Text über die Entstehungsgeschichte des Goldenen Buches der Stiftungen auf ihrer Internetseite angepasst. Jahrelang war dort die Zeitangabe 1930 zu lesen. Mittlerweile wird das Buch auf 1936/1937 datiert. Der Frankfurter Historiker Gunter Stemmler beklagt seit geraumer Zeit die falschen Angaben auf der Internetseite der Stadt und hat über die historischen Umstände des Werks auch schon geschrieben.

Nach einem Artikel in der Frankfurter Neuen Presse hat die Stadt Thomas Bauer vom Institut für Stadtgeschichte beauftragt, sich mit den geschichtlichen Hintergründen des Stiftungsbuches zu beschäftigen. Infolge dieser Erkenntnisse änderte die Stadt die Darstellung auf der Internetseite.

Trotz Aktualisierung spart der Text immer noch einige wichtige Details aus. So stammt die Idee des Goldenen Buches der Stiftungen aus dem Jahr 1933. Darin sollten Stiftungen verewigt werden, die aufgrund schwindender Vermögenswerte aufgelöst oder mit anderen Stiftungen zusammengelegt werden mussten. Der damalige Stadtrat Bruno Müller leitete die Stiftungsabteilung und schlug ein „Goldenes Buch der Frankfurter Stiftungen“ vor. In dem Prachtband sollten Stiftungen ab einem Vermögen von 10 000 Reichsmark verzeichnet und die Umstände der Auflösungen festgehalten werden.

1935 kam die Idee auf, zwei Ehrenbücher zu schaffen. Das Goldene Buch entweder für Stifter, „die nach Errichtung des nationalsozialistischen Staates mit namhaften Spenden für die Frankfurter Bürgerschaft hervorgetreten sind“ oder für Stiftungen und Zuwendungen aus dieser Zeit, die für Frankfurter Bürger gegeben wurden. Darüber hinaus sollte es ein „Erinnerungsbuch der Stiftungen“ geben, zum Gedenken an die vor der Machtergreifung 1933 entstandenen und aufgelösten Stiftungen.

Anfang 1936 lag schließlich der mit weißem Schweinsleder überzogene und mit Messingbeschlägen verzierte Einband für das Goldene Buch vor. Der damalige Oberbürgermeister Friedrich Krebs veranlasste, dass die Reihenfolge chronologisch und die Eintragungen handschriftlich erfolgen sollten. Jüdische Stiftungen sollten in dem Buch nicht berücksichtigt werden.

10 000 Reichsmark Spende

Der erste Eintrag wurde sogar von Adolf Hitler persönlich verfasst. Auf Bitten von Oberbürgermeister Krebs schickte der Reichskanzler eine unterzeichnete Buchseite nach Frankfurt, da er 10 000 Reichsmark für ein an der Wörthspitze geplantes Kriegerdenkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten aus Höchst und Nied zur Verfügung gestellt hatte.

So wurden die ersten Seiten des Goldenen Buches von einem Blatt mit Hakenkreuz samt Zeitangabe „Nach dem 30. Januar 1933“ und der Hitler-Spende geprägt. Historiker Thomas Bauer vermutet, dass die ersten Seiten bereits in den ersten Nachkriegsjahren ausgetauscht oder entfernt wurden. Wer die Veränderungen am Goldenen Buch veranlasst hat, konnte Historiker Bauer nicht ermitteln.

Die ursprünglich falsche Angabe der Stadt, das Buch stamme aus dem Jahr 1930, rührt von einer späteren Titelseite her, auf der die Zeitangabe „von 1930 an“ steht. Auch Bruno Müller, der ab 1949 wieder für das Stiftungswesen zuständig war, behauptete 1950, dass schon von 1930 an alle größeren Stiftungen im Goldenen Buch eingetragen worden wären. Historiker Stemmler fragt sich, ob Müller damit von seiner entscheidenden Beteiligung an dem Buch ablenken wollte.

Der Text „Das ,Goldene Buch der Stiftungen‘ und seine Entstehungsgeschichte“ von Thomas Bauer ist auf der Internetseite der Stadt einsehbar.

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