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Besucher kamen per Sonderfahrt zum Sommerfest ins Verkehrsmuseum nach Schwanheim.

Schwanheim

Mit der historischen Tram zum Sommerfest nach Schwanheim

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Beim Sommerfest des Verkehrsmuseums kommen Erinnerungen hoch. Wie die alten Kunstleder-Sitze der Trams in den 80er Jahren rochen oder wie ruckelig die Strecke damals einem vorkam.

Der Umstieg geht durch die Nase. Bevor sie beim Schwanheimer Verkehrsmuseum angekommen sind, schnuppern Martin Pächer und seine beiden Töchter Mathilda und Sophia an Frankfurter Straßenbahn-Geschichte. Aus Ingelheim am Rhein sind sie per S-Bahn angereist und in Niederrad in eine historische Straßenbahn des Typs L, Baujahr 1956, umgestiegen. Die fährt die Ingelheimer direkt zur Endhaltestelle der heutigen Straßenbahnlinie 12, dem Standort des Verkehrsmuseums. Dort wird am Sonntag Sommerfest gefeiert. Im Wechsel fahren historische und Linienfahrzeuge durch die Wendeschleife und bringen Fahrgäste und Festbesucher. Auch ein Bus, der erstmals 1979 gebaut worden war, pendelt zwischen Verkehrsmuseum und Südbahnhof. „Hier riecht’s“, hatte die sechsjährige Mathilda gleich festgestellt, nachdem das Trio etwas mühsam über die hohen Treppenstufen in die eigentlich ausgediente Straßenbahn gestiegen war. Vater Martin klärt auf: Die Kunstleder-Sitze hätten das ganz eigene Aroma verströmt, das es in heutigen Straßenbahnen nicht mehr gibt. „Das Flair der 80er Jahre“, nennt es der 46-Jährige.

Beim Sommerfest angekommen, haben sich Mathilda und Sophia erst einmal schminken lassen, mit Tiger-Maske und einer Schlange auf dem Arm. Die gut besuchte Hüpfburg findet Mathilda großartig. Ihre neunjährige Schwester hat einige Fotos geschossen, unter anderem in „Halle Ost“.

Dort stehen Feuerwehrfahrzeuge, die zum Löschen auf Schienen in Tunneln fahren können. Sowie Frankfurts ältester U-Bahnzug mit Endstation „Nordweststadt“. 1968 ist er in Betrieb genommen worden, erläutert Matthias Kühl vom Verein „Historische Straßenbahn Frankfurt“. Er betreibt das Museum gemeinsam mit dem städtischen Verkehrsverbund VGF. Sophias Lieblingsmotiv indes ist eine Straßenbahn der Linie 13 in orange-beiger Optik, deren Endhaltepunkt der „Röderbergweg“ gewesen sein muss, wie vorne über der Fahrerkabine zu lesen ist.

Im Verkehrsmuseum erinnern sich viele Besucher an gute alte Zeiten.

Kühl berichtet, dass die Zielgruppe des Festes vor allem Familien mit Kindern seien. Es lassen sich aber auch viele Erwachsene von den Schienenfahrzeugen anziehen. Etwa Andreas Esser und sein Onkel Wolfgang Esser, der den Neffen aus der Nähe von Aachen in Frankfurt besucht. Mit einer historischen Straßenbahn seien sie vom Platz der Republik herüber gefahren. „Für mich als Touristen ist das etwas ganz Besonderes“, sagt der 63-Jährige, der mit allem auf Schienen glücklich zu machen sei. „Etwas ruckeliger“ als mit den aktuellen Modellen habe er die rund halbstündige Fahrt empfunden. Sein 35-jährige Neffe sagt: „Es war erstaunlich angenehm, obwohl es nicht klimatisiert war.“

An der langen Schlange, am Grill- und Kuchenstand vorbei, gibt es in Halle West dutzende weitere Fahrzeuge zu sehen. Carmen Wicker und ihre Enkelin Sofia aus Schwanheim schauen in einen der hölzernen Wagen hinein. „Als ich früher von Griesheim nach Höchst zur Schule gefahren bin, waren alle Bänke aus Holz“, erinnert sich Carmen Wicker. Ihre neunjährige Enkelin denkt kurz nach und sagt: „Ich denke schon, dass das Sitzen früher unangenehm war.“

Vorne am Eingang zählt Rudi Gross vom Verkehrsmuseum die Besucher, die dort auch eine Spende für den Verein da lassen können. Bis zum Mittag hat er schon mehr als 280 Striche gemacht. Mit 1400 Besuchern rechnete er am Ende des Tages.

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