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Hintertür zum Elfenbeinturm

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Von: Alexander Kraft

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Für Studenten Alltag, für Besucher eine fremde Welt: die TU-Bar im karo5, das Zentrum  und Entree der Darmstädter Uni.
Für Studenten Alltag, für Besucher eine fremde Welt: die TU-Bar im karo5, das Zentrum und Entree der Darmstädter Uni. © Andreas Arnold

Für Studenten ist es Alltag, für Besucher aber eine andere Welt: die Unis. Die Technische Universität Darmstadt lädt daher mit Führungen zu einem Blick hinter die Kulissen ein.

Universitäten haben den Ruf des Unnahbaren. Nicht umsonst wird die akademische Welt gerne mal als „Elfenbeinturm“ bezeichnet. Auch in Darmstadt: Mitten im Zentrum liegt die Technische Universität (TU), mitunter so fremd wie ein gerade gelandetes Ufo. Die dort ein- und ausgehen tun geheimnisvolle Dinge, hinter verschlossenen Türen werden Erfindungen gemacht – und der Normalsterbliche steht davor und kriegt bestenfalls etwas davon mit, wenn, sagen wir mal, ein neues Element auf den Namen Darmstadtium getauft wird. Doch das soll nun anders werden. Die Türen öffnen sich jetzt auch für Besucher.

„Führungen sind in“, weiß Inken Bergenthun von der Stabsstelle Kommunikation und Medien bei der TU. Was Städte oder Kulturinstitute, die Industrie oder auch eine Hochschule wie die Frankfurter Goethe-Uni schon lange machen, gibt es jetzt auch rund um den Karolinenplatz. Mit sachkundiger Begleitung können Besuchergruppen 90 Minuten lang einen Blick hinter die Kulissen wagen. Zwar sind sie nicht dabei, wenn spektakuläre Experimente in den Labors laufen. Doch sie lernen den Alltag einer Uni kennen, die Gebäude von innen, und vor allem: „Wer sind jene Menschen, die hinter all den Erfindungen und Entdeckungen stehen?“

Nadine Näther ist eine von vorerst vier Besucherführerinnen. Ihr Spezialgebiet: Sie hat sich eine umfangreiche Kladde zusammengestellt mit Infos über Dutzende von Berühmtheiten, die alle eins gemein haben: Sie wirkten oder studierten an der TU. Chaim Weizman etwa; der Chemiker wurde der erste Präsident des gerade gegründeten Staates Israel. Oder Bert Rürup, der als Wirtschaftsweiser Einfluss auf die deutsche (Wirtschafts-)Politik nahm. Oder Bernhard Schlink, der weniger in seiner akademischen Rolle als Rechtswissenschaftler bekannt wurde, denn als Autor des Romans „Der Vorleser“ weltweit Beachtung fand. Gewissermaßen im Vorbeigehen erfährt der Besucher auch einiges über die Gebäude der TU, die 1877 als TH begann. Wer war beispielsweise Otto Berndt, nach dem eine Halle benannt ist, die heute als Mensa dient, in den 50er Jahren aber Ort der weit über die Stadt hinaus bekannten „Darmstädter Gespräche“ war. Oder weshalb Erasmus Kittler (1852–1929) wahrhaft als „Lichtgestalt“ der Einrichtung gilt: Ende des 19.?Jahrhunderts stand die Uni vor der Schließung. Doch Kittler, in Darmstadt berufen auf den weltweit ersten Lehrstuhl für Elektrotechnik, lieferte gewissermaßen den Ingenieur-Nachwuchs für die Elektrifizierung des Deutschen Reiches.

„Wir wollen mit den Führungen die TU von verschiedenen Seiten vorstellen“, erläutert Inken Bergenthun. Die Besucher können wählen zwischen thematisch unterschiedlichen Angeboten. Wer etwa mehr über die Architektur erfahren will, steuert ebenso markante Punkte – wie Kantplatz, karo5 oder Hochschulstraße – an wie jene, die wissen wollen, was sich alles hinter den zahlreichen Neubauprojekten (wie der Bibliothek) verbirgt. „Das kann man jeweils gezielt buchen.“ Anlass für das mit einem halben Jahr Vorlauf gestartete Projekt waren „immer mehr Anfragen“, so Bergenthun. Als Reaktion darauf rief die Univerwaltung Studenten und Mitarbeiter auf, die sich einen Job als „Fremdenführer“ vorstellen konnten. Die Nachfrage sei im Übrigen durchaus auch von Ehemaligen der TU gekommen. „Die interessieren sich auch nach Jahren noch für ihre Hochschule.“ Und würden, wie auch der Normalsterbliche, gerne wissen, was sich im Elfenbeinturm tut.

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