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Besucher dürfen am Tag der offenen Tür auch einmal auf die Opernbühne. 

Kultur

Hinter den Kulissen des Frankfurter Kulturbetriebs

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Oper und Schauspiel laden zum Blick hinter die Bühne und zu ausgefallenen Mitmachaktionen ein. Beim Theaterfest können die Besucher erleben, was sich jenseits der Bühne abspielt.

Beim Theaterfest gilt nicht, was ein Vater seinen zwei Kindern über den Opernsaal erklärt. „Da, wo man am besten sieht, sind die Plätze am teuersten.“ Der blaue Saal, das Herz der Oper Frankfurt, ist voll besetzt, als Anselm Weber, Geschäftsführer und Intendant des Schauspiels, und eine Vertreterin des kurzfristig erkrankten Opernintendanten Bernd Loebe am vergangenen Sonntagvormittag die Gäste begrüßen. Weder wer auf dem Parkett noch wer auf den Emporen Platz genommen hat, hat Eintritt bezahlt.

Man freue sich, auch andere Menschen zu erreichen und zu zeigen, was sonst nie zu sehen ist, erklären die Veranstalter ihren Tag der offenen Tür. Auf mehreren Etagen des Gebäudeareals am Willy-Brandt-Platz können Gäste des Theaterfestes den Kulturbetrieb hinter den Kulissen erleben, kreative Berufe kennenlernen, sich bei ausgefallenen Workshops ausprobieren, Aufführungen ansehen und anhören. Der Großteil der Räume ist sonst nur den 1100 Mitarbeitern zugänglich. „Der Besucherbereich macht lediglich 20 Prozent aus“, sagt die Opernmitarbeiterin. In ihrem Rücken ein monumentales Wandgemälde, das sich von der Rückseite betrachtet als Stellwand entpuppt.

35 Premieren, 360 000 Zuschauer hätten die Städtischen Bühnen im vergangenen Jahr mit der Schau des „emotionalen gesellschaftlichen Erbes“ angelockt, sagt Weber. Mehrere Kinder im Saal interessiert das offensichtlich wenig. Auch als das schwarz gekleidete Opern- und Museumsorchester mit seinen hölzernen Instrumenten bei gedimmtem Licht die Bühne betritt und einen „Strauß aus Arien“ präsentiert, singen die Kleinsten ihre eigenen Dramen, während hektische Eltern sie aus dem Raum tragen.

Schnee im September – auf der Bühne kein Problem.

Trotz niedrigerem Altersdurchschnitt ist es bei der Technikshow im Schauspielhaus mucksmäuschenstill, bis alles wie immer mit Richard Strauss’ „Also sprach Zarathustra“ beginnt. Eine Stimme begrüßt aus dem Off. Die Überraschung ist groß, als sich der Vorhang hochbewegt und ein vermeintlich Ertappter auf dem Boden hockt und die Ansage live spricht. Der Star der Show heißt aber Brad – nicht Pitt, sondern es ist ein Bühnentechniker. Er weiß all die technischen Geräte zu bedienen und tobt sich eine kurzweilige halbe Stunde daran aus, bis Licht- und Toneffekte, Bühnenhebetechnik und Schwebeinstallationen erschöpft und bis an die Grenzen ausgeschöpft sind.

„Das scheint was für Frauen zu sein“, stellen Ruth Schmidtke (Skorpion) und Friedhilde Scholl (Löwe) vor der „Box“ im Schauspielhaus fest. Wie weitere Geschlechtsgenossinnen stehen sie für die „Künstlerischen Horoskope“ an, bis sie von „Wahrsagerin“ Sarah Grunert in ihr Zelt gelockt werden. Im Anschluss wollen die Sachsenhäuserinnen unbedingt zur „One-Minute-Show“, die sie vom vergangenen Jahr kennen. Immer 60 Sekunden zeigen Ensemblemitglieder ein spontanes Schauspiel. „Das ist ein sehr lustiges Format, das wollen wir nicht verpassen.“ Auch von den Stücken der letzten Saison schwärmen sie. „Brand“ von Henrik Ibsen unter Regie von Roger Vontobel haben sich die Abonnentinnen für die anstehende Saison schon vorgemerkt. Was sicher in ihren Sternen steht: Genießen Sie einen Abend mit Freunden bei anregender Abendunterhaltung.

Im Aufzug der Oper treffen der Moderator des „Arienquiz“ und Matthieu aus Paris aufeinander. Der junge Franzose ist großer Opernliebhaber, im Laufe des Nachmittags möchte er die Herausforderung annehmen und bekannte Arien erraten. Moderator und potenzieller Teilnehmer tauschen nette Worte, aber keine Informationen. In Etage 5 angekommen, ist Matthieu (Lieblingsoper: Mozarts „Così fan tutte“) auf der Suche nach dem Chorsaal, wo eine Duett-Gesangsstunde begonnen hat. Auch zur angebotenen Opernkaraoke möchte er im Laufe des Mittags gehen. „Ob ich aktiv teilnehme, weiß ich noch nicht. Aber zuhören auf jeden Fall.“ Er nehme selbst Gesangsunterricht. „Hier an der Oper arbeiten zu können wäre ein Traum.“

Manuela (8) freut sich auf die Führung „Blick hinter die Kulissen“.

Wenn backstage zur Bühne wird, weichen Mitarbeiter für ihre Pausen an einen anderen Ort aus. Auf einer Biergarnitur an der Neuen Mainzer Straße sitzen die „Schauspieler im Studiojahr“, Julia Pitsch (heute: Baby) und Simon Schwan (heute: Bargast aus dem Ruhrpott), mit weiteren Kollegen zusammen. Beide haben mit Schauspiel in Jugendclub und Schultheater angefangen und vor drei Jahren ein Studium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst begonnen. Beim Theaterfest stellen sie auf der Kammerspielbühne Klischees dar. „Eine typische Schauspielübung für das erste Studienjahr. Man lernt die Übertreibung.“

Bei ihnen sitzt Martin Hain, gelernter Gas-Wasser-Installateur, seit 20 Jahren Schauspieltechniker. „Ich arbeite mit Holz, Stoff, Metall. Die Arbeit ist so viel abwechslungsreicher“, begründet er seine Entscheidung. „Im Alltag muss es oft schnell gehen“, erzählt er. „Während der Spielzeit bauen wir oft abends nach der Vorstellung ab und für eine Probe am nächsten Tag auf. Am nächsten Nachmittag dann für die Vorstellung wieder um.“ Zurzeit stellt er mit seinen Kollegen am Tisch (eigentlich Schreiner und Kapitän) die Bühne für Gerhart Hauptmanns „Ratten“ fertig, die am 6. September unter Regie von Felicitas Brucker Premiere feiern. „Ein riiiesen Ding!“, sind sie sich einig. „Eine Drehscheibe, 16 Meter Durchmesser, alles in Weiß gehalten, mit Plexiglas und LED.“ Dann muss er rein, um 15.30 Uhr muss die Bühne „Saisonvorstellung“ wieder zur „Technikshow“-Bühne umgebaut sein.

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