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Hilime Arslaner
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Hilime Arslaner

Stadtverordnetenversammlung

Hilime Arslaner: Die erste Bürgerin Frankfurts

  • Georg Leppert
    vonGeorg Leppert
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Hilime Arslaner kam mit fünf Jahren aus der Türkei nach Deutschland. Am Donnerstag lässt sie sich zur Stadtverordnetenvorsteherin wählen.

Zu einer Zeit, als das Virus noch nicht alles beherrschte, hätte man vermuten können, dass Hilime Arslaner im Stadtparlament in ihren 50. Geburtstag hineinfeiert. Denn Sitzungen dauerten vor der Pandemie meistens bis nach Mitternacht, und Arslaner, die designierte Stadtverordnetenvorsteherin, hat am Freitag Geburtstag. Sagt sie zumindest. Im Internet und in ihren Dokumenten heißt es dagegen, sie sei an einem 25. April geboren. Dann wäre der Sonntag ihr Ehrentag. Doch es war in Wahrheit der 23. April, ist sich Arslaner sicher. Schließlich wurde sie in der Türkei geboren, und der 23. April gilt als Gründungsdatum der Türkei, da bringe ihre Mutter gewiss nichts durcheinander. Ihr Großvater hingegen habe wohl etwas verwechselt, als er bei den Behörden die Geburt seiner Enkelin anzeigte.

In jedem Fall hat Hilime Arslaner in diesen Tagen einiges zu feiern. Dass die Politikerin der Grünen zur Stadtverordnetenvorsteherin gewählt wird, gilt als sicher. Traditionell übernimmt die größte Fraktion das Amt. Und auch wenn sich die CDU gerade über die Grünen ärgert, weil die sie aus der Stadtregierung werfen wollen: Arslaner werden höchstwahrscheinlich auch die Christdemokraten wählen.

Das Amt bedeutet ihr viel, das wird schnell klar, wenn man mit der Diplom-Volkswirtin spricht. Erstmals in der Geschichte Frankfurts ist eine Migrantin erste Bürgerin der Stadt. „Das ist ein Signal für eine Stadt, in der 54 Prozent irgendeine Form von Migrationsgeschichte haben“, sagt Arslaner.

Wie immer in Corona-Zeiten trifft sich das Parlament im Casino der Stadtwerke.

Mit fünf Jahren kam sie mit ihrer Familie aus der Türkei nach Frankfurt. Der Bildungsstandard ihrer Eltern sei niedrig gewesen, erzählt Hilime Arslaner, umso mehr habe sie kämpfen müssen. Eine Migrantin, ein Arbeiterkind, und nun an der Spitze der Stadtverordnetenversammlung – diese Geschichte soll anderen Menschen, die wie sie nach Deutschland kamen, Mut machen. Türkische Zeitungen haben schon Interviews mit ihr geführt, und Vereine und Organisationen von Migrantinnen und Migranten haben sich bei ihr gemeldet und gesagt: Toll, dass du diesen Posten bekommst, du bist eine von uns. Hilime Arslaner haben diese Rückmeldungen stolz und glücklich gemacht, daraus macht sie keinen Hehl.

Bisweilen kann Hilime Arslaner sehr energisch, fast aufbrausend sein. Wie etwa einst bei einer Reise in Frankfurts Partnerstadt Eskisehir in der Türkei. Dass sich die Delegation unter Leitung von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) dort auch mit einem Politiker von Erdogans AKP traf, fand Arslaner äußerst unpassend. Sie blieb dem Treffen fern und thematisierte in der Folge mehrfach, dass sie die Zusammenkunft für einen Fehler hielt. Auch in anderen Zusammenhängen wurde Arslaner sehr direkt, wenn das Saalmikrofon angeschaltet war.

Nun, das weiß sie, wird sie sich etwas zurücknehmen müssen. Als Stadtverordnetenvorsteherin ist sie zum einen Repräsentantin der Stadt, zum anderen muss sie die Sitzungen leiten und darauf achten, dass „alle, die demokratisch gewählt wurden“, zu ihrem Recht kommen. Aber das sei keine Schwierigkeit, sagt Arslaner. Seit drei Jahren gehört sie bereits dem Präsidium der Stadtverordnetenversammlung an. In dieser Zeit hat sie viel gelernt und sich schon einmal auf die neue Rolle vorbereiten können – auch wenn nicht unbedingt damit zu rechnen war, dass die Grünen bei der Kommunalwahl stärkste Kraft werden.

Seit 2011 vertritt Arslaner die Grünen in der Stadtverordnetenversammlung. Drei Jahre zuvor hatte sie sich beruflich selbstständig gemacht. Sie arbeitet als Beraterin, in Göttingen hatte sie zuvor eine Ausbildung zur interkulturellen Trainerin absolviert, denn ihre Kurse und Seminare richten sich oft an Migrantinnen und Migranten. Ob sie als Beraterin weiterarbeiten wird, weiß sie noch nicht. Zunächst einmal gelte ihre ganze Konzentration dem neuen Amt.

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