Drogenkonsumenten sitzen in der Elbestraße.
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Drogenkonsumenten sitzen auf der Elbestraße.

Drogenhilfe

Hilfseinrichtung in Frankfurt: Bundesdrogenbeauftragte besucht Eastside

  • Stefan Simon
    vonStefan Simon
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Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) wünscht sich von der Bundesregierung Änderungen beim Betäubungsmittelgesetz.

Die Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig (CSU) hat sich am Donnerstag über die Herausforderungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Drogenhilfeeinrichtungen während der Corona-Krise informiert. Sie besuchte die Drogenhilfeeinrichtung der Integrativen Drogenhilfe (IDH) „Eastside“ im Ostend. Nach Angaben der IDH die größte niedrigschwellige Drogenhilfeeinrichtung Europas.

Besonders interessierten Ludwig die Beratungsangebote für betroffene Eltern und deren Kinder. Dies sei sehr wichtig, sagte sie im Blick auf das höhere Risiko dieser Kinder, selbst süchtig zu werden. Aber auch nach den Erfahrungen während der Corona-Krise fragte sie. Es sei „natürlich fatal“, wie der Kontakt eingeschränkt gewesen sei.

Für Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) ist es „ein gutes Zeichen“, dass die Drogenbeauftragte nach Frankfurt gekommen ist. Von der Bundesregierung wünsche er sich, dass das Betäubungsmittelgesetz geändert werde. Das Gesetz würde den Handlungsspielraum der Kommunen stark einschränken. Majer meint hier besonders die heroingestützte Behandlung. „Die strengen Ein- und Ausschlusskriterien zur Aufnahme eines Patienten in das Diamorphinvergabeprogramm führen dazu, dass freie Plätze nicht belegt werden können“, sagte er.

Bezogen auf die seit Wochen anhaltende Diskussion rund um das Bahnhofsviertel, kritisierte Majer die Kriminalisierung von Drogensüchtigen, „die nicht kriminell, sondern krank“ seien. „Statt ideologischer Diskussionen wünsche ich mir mehr Spielraum, neue Instrumente in der Drogenpolitik auszuprobieren“, sagte er. Dies könne ein wissenschaftlich begleitetes Modellprojekt zur medizinischen Cannabisvergabe bei Crackkonsumierenden sein, das von der Bundesregierung genehmigt werde, so Majer.

Seit Beginn der Corona-Krise kommt das Frankfurter Bahnhofsviertel nicht zur Ruhe. In den letzten Wochen verhärteten sich die Fronten zwischen Gastronomen, Anwohnern und Sozialarbeiterinnen. mit dpa

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