Nach nächtlichem Feiern: der Opernplatz am vergangenen Samstagmorgen gegen 7.30 Uhr.
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Nach nächtlichem Feiern: der Opernplatz am vergangenen Samstagmorgen gegen 7.30 Uhr.

Müll

Hilferuf für mehr Sauberkeit in Frankfurt

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Die Dezernenten für Umwelt und Ordnung flehen die Bürger um mehr Rücksicht an. OB Feldmann reaktiviert den Saubermann Peter Postleb.

Es war eine veritable Wutrede, die Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) am Mittwoch im Römer hielt. „Mir stinkts“, begann Heilig und weiter: „Ich wollte Umweltdezernentin sein und keine Mülldezernentin.“ Derzeit sei sie aber vor allem Letzteres. Die Wut der Dezernentin richtet sich gegen feierwütige Bürgerinnen und Bürger, die Plätze und Straßen derzeit rücksichtslos vermüllen würden. Die Corona-Krise habe die Wegwerfmentalität der Menschen noch verschlimmert. „Das stellt alles in den Schatten, was ich je erlebt habe“, legte Heilig nach und forderte Frankfurterinnen und Frankfurter auf, ihre Stadt mit Respekt zu behandeln. Der Appell richtete sich dabei vor allem an diejenigen, die sich über den Müll im Bahnhofsviertel beschweren, um dann auf Opernplatz, Luisenplatz oder Friedberger Platz selbst ihre Weinflaschen und Pizzakartons einfach stehen zu lassen.

Die Stadt Frankfurt gibt jährlich 52,7 Millionen Euro für die Straßenreinigung aus, doch die Müllmänner der FES kommen mit dem Saubermachen nicht hinterher. Der Müll hat laut Heilig während der Corona-Pandemie um rund ein Drittel zugenommen, Verpackungsmüll sogar um die Hälfte. Um Einhalt zu gebieten, hat Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) gerade die Strafen für Müllsünder erhöht. Frank, der Heilig nach ihrer Rede beipflichtete, wertet das als wichtiges Signal, räumte aber gleich ein: „Ich fürchte, das wichtige Signal wird nicht ausreichen.“

Ahndung fällt schwer

Denn zu einer abschreckenden Wirkung gehört auch eine Ahndung und die fällt schwer, wie Matthias Heinrich, der Leiter der Stadtpolizei verdeutlichte. So seien am vergangenen Samstag zwischen Mitternacht und 1 Uhr 3000 Menschen auf dem Opernplatz gewesen, die sich um ihren Müll überwiegend nicht scherten. Als Mitarbeiter der Stadtpolizei ein Vergehen tadelten, fragte ein alkoholisierter Mann nach dem Dienstausweis und wurde pampig, Umstehende solidarisierten sich sofort mit dem Müllsünder. Kurz vor 1 Uhr gab es laut Heinrich einen Hilferuf aus dem Café Rosso. Menschen würden Stühle aus dem Café klauen, Mitarbeitern sei Gewalt angedroht worden, wenn sie keinen Alkohol mehr rausrücken würden. In einer solchen Situation mit Angetrunkenen scheint Müll ein eher nachrangiges Problem. „Ab einem bestimmten Pegel sind Kontrollen nicht mehr möglich“, sagte Heinrich, der sich in besagter Nacht als Einsatzleiter der Stadtpolizei selbst ein Bild von der Lage machte.

Auch Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) macht die Vermüllung der Stadt zu seinem Thema und hat dafür einen alten Haudegen reaktiviert. So soll der ehemalige Leiter der Stabsstelle Sauberes Frankfurt, Peter Postleb, nun als Müllberater des OB-Büros fungieren. Postleb freute sich über seine Aufgabe und bedauerte gleich mal, dass er selbst keine Bußgelder mehr verhängen dürfe, wie er es früher gerne gemacht hat. Umweltdezernentin Heilig ist mittlerweile so verzweifelt, dass sie sich über jede Hilfe freut, zumal sie mittlerweile der Meinung ist, dass Aufklärung allein nicht gegen den Müll hilft.

Nach einer erneuten Partynacht auf dem Opernplatz mit Hunderten Feiernden kam es zu einer riesigen Eskalation mit der Polizei.*

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