+
In der vorigen Woche hatte der Tierschutzbund bereits an OB Peter Feldmann (SPD) appelliert, betreute Taubenschläge einzurichten – besonders für Tauben, die durch Brückenarbeiten „obdachlos“ würden.

Stadttauben

Hilfe für Taubenprojekt in Frankfurt

  • schließen

Der Tierschutzbund kritisiert Frankfurt für geringe Zuschüsse: „Die Städte stehlen sich aus der Verantwortung.“

Große Anerkennung für den Frankfurter Verein Stadttaubenprojekt: Der Deutsche Tierschutzbund unterstützt die bereits mehrfach ausgezeichnete Einrichtung mit einem Zuschuss von 30 000 Euro. Zugleich kritisiert der Verband die Stadt und wirft ihr – wie anderen Kommunen auch – Untätigkeit vor.

„Der Verein leistet Großartiges und übernimmt mit dem Taubenmanagement zudem noch eine Aufgabe, um die sich eigentlich die Stadt Frankfurt selbst kümmern müsste“, urteilt Tierschutzbund-Präsident Thomas Schröder. „Da die Kosten für die laufenden Projekte und die Futtermittel kaum noch zu schultern sind, haben wir uns als Dachverband entschlossen, dem Stadttaubenprojekt finanziell unter die Arme zu greifen – auch um die Tiere nicht im Stich zu lassen.“

Seit den 80er Jahren kümmern sich Gudrun und Karl-Heinz Stürmer um die Frankfurter Tauben, die traditionell viele Gegner und wenige Freunde in der Stadt haben, seit 2006 in Vereinsform. Sie betreiben einen Gnadenhof für die Vögel und mehrere Taubenhäuser, längst auch in Wiesbaden. Und sie plädieren dafür, noch viel mehr dieser Häuser zu bauen, in denen Tauben Futter und Unterkunft finden – und in denen vor allem die Eier gegen Gipsattrappen ausgetauscht werden; das einzig wirksame Mittel, um die Population der Tiere zu begrenzen.

Einst mit einem Etat von 9000 Euro gestartet, braucht das Projekt inzwischen knapp 200 000 Euro im Jahr für seine Arbeit. Die städtische Förderung beträgt 20 000 Euro, weitere rund 8600 Euro kamen im vergangenen Jahr aus öffentlichen Zuschüssen, den Rest müssen Spenden und die wenigen Mitgliedsbeiträge decken. „Wir freuen uns sehr über den Zuschuss des Tierschutzbunds“, sagt Gudrun Stürmer. Er lindere erst einmal die größten Sorgen. „Ein höchst willkommenes Unter-die-Arme-Greifen. Aber niemand soll denken, damit wären wir für die nächsten fünfzig Jahre saniert.“

Der Dachverband der deutschen Tierschutzvereine kritisiert, Frankfurt stehle sich wie andere Kommunen aus der Verantwortung. Das Stadttaubenprojekt erhalte keine ausreichende finanzielle Unterstützung durch die Stadt. Es dürfe aber nicht sein, dass Tierschützer mit dem Großteil der Kosten alleingelassen würden, „obwohl sie kommunale Aufgaben übernehmen, die Stadt – auch finanziell – entlasten und zudem dem menschengemachten ,Taubenproblem‘ entgegenwirken“.

In der vorigen Woche hatte der Tierschutzbund bereits an OB Peter Feldmann (SPD) appelliert, betreute Taubenschläge einzurichten – besonders für Tauben, die durch Brückenarbeiten „obdachlos“ würden. Zurzeit werden mehrere Brücken von unten verkleidet, damit Tauben dort keinen Platz mehr finden. Das Stadttaubenprojekt hatte angeboten, diese Brücken ohne Verkleidung zu betreuen. Andernfalls würden die Tauben lediglich in die nähere Umgebung verdrängt.

Pläne eines Frankfurter Architekten, das Oberräder Mainwasengelände mit Wohnungen zu bebauen, auf dem auch die Taubenschützer ihr Domizil haben, waren jüngst in der Politik weitgehend auf Ablehnung gestoßen. Im Ortsbeirat 2 (Bockenheim, Kuhwald, Westend), in dessen Gebiet mehrere Schwerpunkte des Stadttaubenprojekts liegen, gibt es Ideen für einen runden Tisch. Daran sollen die zuständigen Gremien der Stadt über Wege beraten, den Verein besser mit fortlaufenden Mitteln zu versorgen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare