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Judith Rosner und und Jörg Fertsch-Röver von der Beratungsstelle in Höchst.

Frankfurt - Höchst

Hilfe für Paare in der Krise

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Evangelisches Zentrum für Beratung in Höchst vermittelt zwischen streitenden Partnern.

Wenn Paare eine Krise haben und in persönlichen Gesprächen nicht mehr auf einen Nenner kommen, kann die Hilfe von außen eine Möglichkeit sein, um die Beziehung zu stabilisieren. Genau diese Option bietet die psychologische Beratungsstelle im evangelischen Zentrum für Beratung in Höchst.

„Bei uns gibt es Beratungen in allen Lebenslagen“, verspricht die Leiterin des Zentrums Judith Rosner. Seit zehn Jahren gibt es die verschiedenen Beratungsangebote unter einem Dach in Höchst bereits. Hilfe gebe es für jeden, unabhängig von Alter, Geschlecht, Religion, Herkunft oder Beziehungsform. Rosner schätzt die Beratungen pro Jahr auf 2000.

Alte Themen wurden oft nie verarbeitet

Warum ein Paar Hilfe brauche, habe ganz unterschiedliche Gründe. Mal sei es eine Affäre, das Auseinanderentwickeln nach dem Auszug der Kinder oder die neue Situation nach der Geburt eines Kindes. „Oftmals kommen dann alte Themen wieder hoch, die nicht verarbeitet wurden“, sagt die 50-jährige Zentrumsleiterin. Bei Alltagskonflikten gehe es häufig darum, den dahinterliegenden großen Konflikt zu finden und zu verstehen. 

Brüchen trotzen: Krisen ereilen uns alle. Nicht immer eröffnen sich dadurch neue Chancen. Doch davor bangen muss niemand.  

Judith Rosner erklärt, dass die Paarberatung in der Regel zehn Sitzungen umfasst. In den je 60 bis 90 Minuten soll die Situation besser verstanden und nach Möglichkeit eine neue Sicht auf alte Probleme entwickelt werden. Manchmal gehe es darum, die eigenen Gedanken zu sortieren und neue Lösungsmöglichkeiten zu finden. Teil der Beratung sind auch Einzelgespräche mit jeder der Konfliktparteien. „Es gibt auch Fälle, wo es nicht mehr weitergeht.“ Als Ergebnis stehe in solchen Fällen dann meist die Trennung.

Aber es gibt auch Paare, bei denen die Trennung schon vor der Beratung feststeht. Diese suchen oft Hilfe, bevor es mit den Streitigkeiten vor Gericht gehe. In diesen Fällen fragen sich die Eltern, wie die Trennung gelingen und das Beste für das Kind oder die Kinder erreicht werden kann.

Das evangelische Zentrum für Beratung in Höchst ist im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in der Leverkuser Straße 7. Angeboten werden eine Familien-, Erziehungs- und Jugendberatung, Paar- und Lebensberatung, Suchtberatung sowie eine Sozialberatung für Migranten und Flüchtlinge.

Anfragen per Telefon unter 069/7 59 36 72 10 oder E-Mail an psychologischeberatung.hoechst

@frankfurt-evangelisch.de 

Einen dritten Grund, wieso Eltern die Beratungsstelle aufsuchen, gibt es, wenn Sorgerechtsstreitigkeiten bereits vor Gericht verhandelt werden. Diese Paare werden mit deren Einverständnis vom Gericht an die Beratungsstelle verwiesen. Hier erhalten sie die Möglichkeit, mit Unterstützung einer Beraterin oder eines Beraters einvernehmliche Lösungen und Absprachen bezüglich der Ausübung ihrer Elternschaft zu erarbeiten, um eine Gerichtsentscheidung überflüssig zu machen. Bei dieser sogenannten konfliktregulierenden Beratung gibt es einige Unterschiede zur üblichen Beratung. Die Maßnahme wird von beiden Evangelischen Zentren für Beratung in Höchst und am Weißen Stein , sowie von der Caritas angeboten. Der Leiter der Paar- und Lebensberatung vom Weißen Stein, Jörg Fertsch-Röver, erklärt, dass es in solchen Fällen keine Verschwiegenheit gebe. Ein Abschlussbericht wird an das Familiengericht und das Jugendamt weitergegeben. Dabei werden in der Regel auch nicht die tieferliegenden Konflikte thematisiert. „Wir versuchen in solchen Fällen das Konfliktniveau zu senken“, sagt Fertsch-Röver.

Eine Blaupause für das Lösen der Beziehungsprobleme haben die Experten nicht. „Ein Allheilmittel haben wir nicht“, sagt Rosner. Dazu sei jeder Fall zu individuell. Trotzdem gebe es klassische Konflikte mit ähnlichen Mustern und gleichen Gefühlen, die die Menschen empfinden. Finanzielle Kosten entstehen den Ratsuchenden bei keinem der Angebote. Die Maßnahmen der Paar- und Lebensberatung werden über die Kirchensteuer finanziert oder im Falle der konfliktregulierenden Beratung von Mitteln der Stadt gedeckt.

Das „Wechselmodell“ ist in vielen Fällen Belastung

Dass die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) eine Reformierung des Unterhalts- und Umgangsrechts für Väter anstrebt, sehen Rosner und Fertsch-Röver positiv. „Es ist gut die Väterrechte zu stärken“, sagt der 57-jährige Leiter der Paar- und Lebensberatung. Es gebe auch Fälle in denen der Vater mehr Erziehungskompetenz habe. Beide Experten warnen aber davor, ein bestimmtes Modell beim Umgang vorzuschreiben. „Man sollte das individuell betrachten“, sagt Fertsch-Röver. Gerade das Wechselmodell, bei dem das Kind eine Woche bei der Mutter und eine Woche beim Vater verbringt, sei in vielen Fällen eine Belastung für das Kind, da es kein klares Zuhause habe. Auch für die Eltern bedeute es eine organisatorische und finanzielle Belastung. Die FDP im Bundestag hatte das Wechselmodell als Regelfall vorgeschlagen. Familienministerin Giffey lehnt es hingegen ab.

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