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Letzte Handgriffe: Vom zweiten Januar an werden Straßenkinder in den neuen Räumen von "Off Road Kids" betreut und beraten.

Obdachlos in Frankfurt

Hilfe für obdachlose Jugendliche

Die Off-Road-Kids-Stiftung möchte jungen Menschen, die in Frankfurt auf der Straße leben, Perspektiven bieten.

Vom großen Foyer im fünften Stock führen mehrere Türen in die benachbarten Räume. Die Stühle in den Zimmern sind bunt, die Wände in schlichtem Weiß gehalten. Eine bewusst gewählte Gestaltung, die eine nüchterne Büroatmosphäre vermitteln soll. „Es soll erkennbar sein, dass wir hier das Leben nicht bequemer machen, wir bieten eine Perspektive“, sagt Markus Seidel, Vorstandsprecher der Off-Road-Kids-Stiftung. Die hat erstmals in Frankfurt eine Streetwork-Station eröffnet.

Die bundesweit agierende Stiftung existiert seit 1993 und hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 5000 jungen Menschen geholfen, von einem Leben auf der Straße wegzukommen. 2017 erfasste die Hilfsorganisation auch den Bedarf im Rhein-Main-Gebiet. Das Ergebnis zeigte, dass der Beratungsbedarf überdurchschnittlich hoch sei. Besonders eine verdeckte Obdachlosigkeit durch sogenannte Sofahopper, die sich bei mehr oder weniger guten Bekannten auf der Couch durchschlagen, sei zu bemerken. „Frankfurt ist eine Stadt mit Durchreisecharakter. Meist bleiben die Jugendlichen nur eine Woche und reisen dann weiter“, berichtet Seidel. 

Um den Straßenkindern und jungen Obdachlosen zu helfen, öffnet am zweiten Januar die Streetwork-Station in der Großen Friedberger Straße 33-35 nahe der Konstablerwache. „Es war eine strategische Entscheidung, nicht ins Bahnhofsviertel zu gehen“, sagt der Vorstandsprecher. Die Jugendlichen sollten nicht mit falschen Kontakten in Berührung kommen, damit sie gar nicht erst Teil der Szene werden. Seidel macht deutlich, dass die Drogenarbeit nicht das Feld der Streetworker sei. Allerdings wolle man dafür sorgen, dass der Zulauf in die Drogenszene verringert werde, indem man den jungen Menschen helfe.

Die bestmögliche Perspektive wolle man den Jugendlichen ermöglichen. Dabei gebe es für die Streetworker keine Vorgaben, wie lange man mit den Hilfesuchenden arbeiten dürfe. „Wir helfen den Jugendlichen, egal wie lange es dauert“, versichert Seidel. 

Dabei gehe es nicht nur darum, für die jungen Menschen Wohnraum zu finden, sondern auch darum, ihnen mit Schulbesuchen und Berufsausbildung eine Perspektive zu bieten. Das alles müsse nicht zwangsweise im Rhein-Main-Gebiet sein – wenn Konflikte im Elternhaus ausgeräumt sind, wolle man auch eine Brücke zurück in die Heimat bilden.

Dvora Leguy, Leiterin der neuen Frankfurter Streetwork-Station, erklärt, dass die Angebote auf Basis der Freiwilligkeit erfolgen: „Wir zwingen niemanden und es dauert oft lange, bis wir das Vertrauen gewinnen.“ Die Streetworker werden auch jenseits der Frankfurter Stadtgrenzen arbeiten und konzentrieren sich auf Beratung, Begleitung und Unterstützung. Zudem wird es die Möglichkeit geben, einen Schulabschluss nachzuholen. 

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