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Filmemacher Martin Keßler interviewt Antonia Melo vom Bürgerbündnis.

Dokumentation über Xingu

Filmpremiere in Frankfurt: Hilfe für die Menschen im Amazonasgebiet

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Premiere für den sechsten Teil von Martin Keßlers Doku-Filmreihe.

Die Meldung platzte mitten in die Vorbereitungen zur Premiere von Martin Keßlers neustem Film über die politische Lage in Brasilien: „Am 22. März wurde die Menschenrechtsaktivistin Dilma Ferreira da Silva, eine führende Persönlichkeit in den Reihen der MAB, in Tucuruí im Bundesstaat Pará gemeinsam mit ihrem Ehemann und einem Freund der Familie ermordet“, teilte die katholische Nachrichtenagentur Fides mit. „Die Drei wurden geknebelt, brutal gefoltert und erstochen.“

Da Silva und die Umweltorganisation MAB hatten viele Jahre gegen umweltzerstörerische Staudammprojekte gekämpft. Die Frau war selbst, wie 30 000 weitere Familien, für den Bau eines gigantischen Wasserkraftwerks aus ihrer Heimat vertrieben worden. Der Frankfurter Filmemacher Martin Keßler hatte davon in seiner Dokumentation „Countdown am Xingu“ schon vor Jahren berichtet – und von den verbrecherischen Methoden, mit denen die Profiteure solcher Großprojekte am Amazonas sogar über Leichen gehen. Der Mord an Dilma Ferreira da Silva ist nur das vorerst letzte Ereignis in der Kette, und doch schockierte er Martin Keßler zutiefst.

Der Frankfurter Regisseur sorgte 2017 mit seinem Film „Reise in den Herbst“ zur Bundestagswahl für Aufsehen, sein Langzeitprojekt ist jedoch die Begleitung der indigenen Amazonasbewohner bei ihrem Kampf um die letzten Rückzugsgebiete in der Natur. Für den fünften Teil der „Xingu“-Reihe wurde er jüngst beim Neustrelitzer Naturfilmfestival mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Den sechsten Teil führt er am Dienstag, 9. April, im Frankfurter Haus am Dom als Premiere vor.

Darin spielt der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro eine Hauptrolle. Die ersten fünf Filmminuten zeigen ihn als Triumphator im Rolls Royce, von Reitern umgeben. „Er ist ein Mythos, der Erlöser“, jubeln seine weißen Anhänger verklärt. Danach kommen die Gegner zu Wort. Sie befüchten, dass Bolsonaro noch skrupelloser als seine Vorgänger Amazonien und den Regenwald ausbeuten lässt.

Der Film führt Keßler zu den Völkern, die seit Jahrtausenden im Wald auf kleinen Lichtungen ihr Gemüse anbauen, rührend extensive Landwirtschaft im Einklang mit der Natur. Erdölkonzerne und Energieriesen bedrohen ihre Existenz und ihr Leben. „Bolsonaro will alles herausholen, aus der Erde, was es in der Erde und im Wald gibt“, sagt der Vize-Häuptling der Arara.

Auch die Leute, die in Handarbeit Gold aus dem Fluss waschen, sind alarmiert. „Der kanadische Minenkonzern Belo Sun will sich hier alles einverleiben“, sagt Antonia Melo vom Protestbündnis Xingu Vivo. Und Alessandra, Abgesandte der Munduruku, beeindruckt mit ihrem Mut. Ihnen stehe ein Monster gegenüber, sagt sie: „Aber wir werden kämpfen.“ Der emeritierte Bischof Erwin Kräutler ruft auf: „Wir brauchen die Unterstützung aller Völker und Nationen.“ Keßlers Film soll dazu beitragen.

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