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Konflikte sind in Familien unvermeidlich. Zetern und Schreien lässt sich durchaus eindämmen.

Hilfe für Familien

Strategien gegen Geschrei

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
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Das Zentrum Familie im Frankfurter Haus der Volksarbeit hilft Familien online durch die Corona-Krise. Kostenloses interaktives Seminar.

Es ist okay, wenn nicht alles vorbildlich läuft. Wenn sich der Abwasch in der Küche stapelt oder die Schuhe im Flur durcheinanderliegen. Natürlich geht es ordentlicher, pünktlicher, strukturierter. Es muss aber nicht. Wer mit sich selbst zu streng ist, ist auch mit anderen strenger. Womöglich entsteht daraus Druck, der dem Geschehen nicht angemessen ist. Wo doch ohnehin alles schwierig ist.

Familien im Corona-Stress. Das ist der Titel eines Online-Seminars des Zentrums für Familie im Haus der Volksarbeit am Mittwoch. Referentin Stefanie Emmert, Sozialpädagogin und Lebenstrainerin, möchte Familien unterstützen, ohne größere Konflikte durch die Corona-Krise zu kommen. Wenn sich alles häuft, Kinder und Eltern den ganzen Tag zu Hause sind, die wirtschaftliche Lage womöglich schlecht ist, kann es passieren, dass in manchen Situationen „die Urzeitprogrammierung im Kopf“ übernimmt, das Gefühl.

„Das ist menschlich“, sagt Ines Weirauch vom Zentrum Familie. Meist hätten Eltern, nachdem sie laut geworden sind, auch ein furchtbar schlechtes Gewissen. Wichtig sei aber, die Herausforderung zu erkennen, also vor dem Ausbruch Strategien zu entwickeln, was in Stress-Situationen zu tun ist. Oder sie von vornherein zu vermeiden.

Die harten Tage des Lockdowns sind zwar vorüber, das Thema aber weiter aktuell. „Das wird uns noch eine Weile begleiten“, sagt Weirauch. Vielleicht ist nicht mehr die ganze Stadt eingesperrt, aber Quarantänefälle gibt es durchaus. Und die Grippewelle naht. Zudem ist die Corona-Gefahr nichts, was man einfach wegstecken könne, auch die Kinder nicht. Für viele sei es gar nicht so erbaulich, dass Schulen und Kitas wieder geöffnet haben. Sie haben Angst, das Virus aufzuschnappen und womöglich Eltern oder Großeltern anzustecken. Manches Kind entwickelt gar einen Waschzwang, schrubbt die Haut, bis sie rot ist.

Das Seminar des Zentrums Familie wird sich individuellen Fragen widmen. Das virtuelle Tagungszimmer „Vitero“ ermöglicht Interaktion mit der Referentin. Die Eltern sollen nicht nur zuschauen, sie sollen sich austauschen. So weit sie das möchten. Die Teilnahme ist anonym möglich. Eine Videoschaltung ins eigene Zuhause ist eine sensible Angelegenheit. Im Hintergrund ist das Wohnumfeld zu sehen, das möchten nicht alle zeigen.

Zwei Tendenzen hat Weirauch in den zurückliegenden Monaten bei Familien beobachtet, die durchaus nebeneinander existieren können. Das gesteigerte Stressempfinden auf der einen Seite. Eine neu gefundene Gemeinschaft auf der anderen. Viele Familien berichten, dass die Krise sie näher zusammen gebracht habe.

Nach Streit und Zwist raufen sie sich zusammen, gehen spazieren, kochen gemeinsam. „Familien entdecken neue Ressourcen“, sagt Weirauch. Eltern bekommen mehr von den Kindern mit, Partner unterstützen sich gegenseitig besser.

„Niedrigschwellig“ soll das Angebot sein, versichert Weirauch. Darum ist das Seminar kostenlos. „Wir wollen nicht, dass die wirtschaftliche Situation dazu führt, dass so ein Seminar nicht besucht wird.“ Eine Fortsetzung ist bereits in Planung.

Familien im Corona-Stress, Mittwoch, 16. September, 20.30–21.30 Uhr, kostenfrei, Anmeldung Telefon 069 / 150 11 38; E-Mail zentrum.familie@hdv-ffm.de

www.hdv-ffm.de/zentrum-familie

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