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Hilfe für den kranken Frankfurter Stadtwald

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Von: Thomas Stillbauer

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Patient Wald.
Patient Wald. © Renate Hoyer

Der Frankfurter Waldkongress sucht Lösungen gegen die Klimakrise und verabschiedet eine Erklärung.

Den Frankfurter Stadtwald als Erholungsgebiet, als „Klimamaschine“, auch als Holzlieferanten bewahren: Das sind Ziele, auf die sich die Fachleute beim 2. Frankfurter Waldkongress am Freitag festgelegt haben. Forstexpertinnen und -experten sowie Offizielle der Stadt verabschiedeten eine „Frankfurter Erklärung“ zum Walderhalt. Darin sichern sie etwa zu, den Umbau in Mischwälder fortzuführen, entstandene Brachflächen aufzuforsten, aber auch „von der Natur zu lernen“ und auf die verbleibende Widerstandskraft der Buchen, Eichen und Kiefern zu vertrauen.

In Kooperation mit Forschungseinrichtungen sollen Testflächen entstehen, die Aufschluss über trockenresistente Arten geben. Die Holznutzung ist ausdrücklich in die Überlegungen miteinbezogen – auch als Brennholz, das erfordere „die aktuelle Weltlage“. Die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger mit Holz zum Heizen sei eine soziale Aufgabe des Stadtforsts. Zugleich soll die Biodiversität des Stadtwalds gewährleistet bleiben. Das alles kostet Geld. „Wir brauchen ein Investitionsprogramm für die dringenden Neuanpflanzungen, um den zukünftigen Generationen einen Stadtwald zu übergeben“, schließt die Erklärung.

Der Baden-Württemberger Waldforscher Christoph Hartebrodt zeigte der Versammlung im Zoogesellschaftshaus die Szene aus einem Asterix-Band, in der Miraculix, der Druide, eine Eichel auspackt. Sie lässt den Baum – „Flupp!“ – innerhalb einer Sekunde prachtvoll aus der Erde schießen. Wenn es doch so einfach wäre. Die Frankfurter Klima- und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) skizzierte das Ausmaß der Notlage: „Der Wald steckt in einer großen Krise – unser geliebter Stadtwald leidet unter diesem Hitzestress.“ Die Ursache sei bekannt: „Wir stoßen alle zusammen zu viel CO2 aus. Wir alle sind schuld.“ Um zurück auf den Weg zu einem „enkelfähigen“ Wald zu finden, solle der Kongress helfen.

Beim ersten Kongress 2019 hatte der Wald zwei Hitzesommer hinter sich, erinnerte Grünflächenamtsleiterin Heike Appel. „Die Frustration war sehr groß, aber der Waldkongress war hilfreich.“ Er habe Ansätze gezeigt – „jetzt müssen wir uns aufraffen, die nächsten Schritte zu gehen“.

Diese Schritte müssen zwingend den Klimaschutz beinhalten, da waren sich alle Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer einig. Dazu beitragen könne etwa der Bau von Holzhäusern, wie Christopher Reyer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung zeigte: Sie speicherten CO2. Dabei gelte es, den Biodiversitätsschutz zu beachten, sprich: nicht den Wald abzuholzen, um Holzhäuser zu bauen.

Auf die ganzheitliche Betrachtung des Problems setzt auch Peter Spathelf, Professor an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. An die 500 000 Hektar Waldfläche seien schon verloren gegangen, sagte er. „Der Waldumbau muss deutlich beschleunigt werden.“ Nötig sei Diversifizierung: mehr verschiedene Baumarten im Mischwald. Das sorge für weniger Konkurrenz unter den Bäumen und mehr Widerstandskraft. Im Mix sollten sowohl heimische Baumarten vertreten sein als auch neu eingeführte. Douglasie und Roteiche hätten sich bewährt, Hoffnungen lägen beispielsweise auch auf der Libanon- und der Atlas-Zeder.

Der Frankfurter Stadtwald bestehe bereits aus einer ganzen Reihe unterschiedlicher Baumarten, warf Stadträtin Heilig ein. „Aber auch dieser Mischwald stirbt.“ In der Tat, sagte Spathelf. Die Forschung stehe beim Umgang mit dem Klimawandel noch am Anfang: „Er bringt uns teilweise ans Ende unseres Lateins.“

Die Frankfurter Ökologin Monika Peukert verlangte ein Moratorium für alle Straßenbauten, die weitere Bäume kosten. Forstchefin Tina Baumann kündigte an, besorgte Frankfurterinnen und Frankfurter bei der Wiederaufforstung „mit ins Boot zu holen“. Forstwirt Ralf-Volker Nagel von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt forderte „konzertiertes Handeln jetzt“ und „größte gesellschaftliche Anstrengungen“ gegen die Klimakrise. Hessen sei eines der am meisten von Waldschäden betroffenen Bundesländer. Frankfurt sei seit 2003 in puncto Trockenstress kaum aus dem roten Bereich herausgekommen. Er verwies auf ermutigende Versuche mit neuen Baumarten, etwa Elsbeere und Orient-Buche. Empfehlungen auch für Hessen sind unter nw-fva.de nachzulesen.

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