+
Nach Angaben des Sozialministeriums mussten 2018 knapp 2800 Frauen abgewiesen werden, die einen Platz suchten.

Hessen

Hilfe für Frauen in Not in Hessen - doch es fehlt am Platz

  • schließen

Frauenhäuser müssen Frauen allein in Hessen zu Hunderten abweisen. Die schwarz-grüne Landesregierung will mehr Platz in den Frauenhäusern schaffen. Der Opposition geht das zu langsam.

Frankfurt – Frauen in Not, die Zuflucht vor gewalttätigen Partnern suchen, haben es schwer. Zum Jahresbeginn können nur drei der 31 hessischen Frauenhäuser freie Plätze anbieten. Alle anderen sind ausgebucht. Das geht aus der Homepage ihrer Landes-Arbeitsgemeinschaft hervor.

Nach Angaben des Sozialministeriums mussten 2018 knapp 2800 Frauen abgewiesen werden, die einen Platz suchten. Ein Grund: Frauen, die aus dem Frauenhaus ausziehen könnten, finden keine Bleibe, so dass ihr Raum belegt bleibt.

Hessen: Frauenhäuser haben Platznot

Seit Jahren mahnen Beraterinnen und Wohlfahrtsverbände Lösungen an. Jetzt hat die schwarz-grüne Landesregierung Hilfe angekündigt. Sie werde die Träger unterstützen, „Wohnraum für bereits stabilisierte Frauen zu finden“, schreibt Sozial-Staatssekretärin Anne Janz (Grüne) in ihrer Antwort auf Fragen der FDP im Landtag. Das könne auch mit Übergangswohnungen im sozialen Wohnungsbau gelingen.

Zudem müsse die „Aufnahmekapazität der Frauenhäuser“ verbessert werden, stellt die Staatssekretärin fest. Dabei werde erwogen, für bestimmte Gruppen „neue Schutzmöglichkeiten“ außerhalb von Frauenhäusern zu schaffen – etwa für Frauen, die Söhne in der Pubertät oder älter dabei haben.

Insgesamt förderte das Land die Frauenhäuser im vergangenen Jahr mit 3,4 Millionen Euro. Die Kommunen steuerten weitere Millionenbeträge bei.

Rhein-Main: Millionen für den Ausbau

Hinzu kommt jetzt ein Investitionsprogramm für den Bau und die Sanierung von Frauenhäusern und Frauenberatungsstellen. Der Bund stellt von 2020 bis 2023 bundesweit je 30 Millionen Euro zur Verfügung. Davon fließen etwa 2,3 Millionen Euro pro Jahr nach Hessen. Das Land beteiligt sich nach Angaben von Staatssekretärin Janz von 2021 an mit einer Co-Finanzierung. Dadurch solle unter anderem dafür gesorgt werden, dass mehr Familienzimmer in den Frauenhäusern zur Verfügung stünden.

Der FDP und der SPD geht das nicht schnell genug. „Der Handlungsbedarf besteht jetzt“, urteilt die FDP-Landtagsabgeordnete Marion Schardt-Sauer. „Die Frau, die da klingelt, interessiert sich nicht für die Weiterentwicklung von Plänen. Die braucht jetzt Hilfe.“

Hessen: Ausbau von Frauenhäusern dringend nötig

Ähnlich äußert sich SPD-Fraktionschefin Nancy Faeser. „Wir haben in Hessen 313 Familienzimmer in Frauenhäusern, doch wir benötigen mindestens doppelt so viele“, stellt Faeser fest. „Für Frauen und Kinder in Not ist es eine Katastrophe, von einem Frauenhaus abgewiesen zu werden, und für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine große psychische Belastung.“

Nach Angaben des hessischen Innenministeriums wurden 2018 in Hessen 6402 Frauen als Opfer von häuslicher Gewalt erfasst. Drei wurden von ihrem Ehemann, Partner oder Ex-Partner getötet. Im Oktober 2019 machte eine weitere Bluttat in Limburg Schlagzeilen. Ein Mann hatte seine Ehefrau im Frauenhaus aufgespürt und tötete sie.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare