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Plamen Staikov ist der Chefarzt der Chirurgie am Adipositaszentrum in Sachsenhausen.

Frankfurt-Sachsenhausen

Hilfe bei Fettleibigkeit

Im Adipositas-Zentrum in Sachsenhausen werden übergewichtige Patienten behandelt. Die Erfolgsquote beim Magenbypass ist hoch.

Von Jöran Harders

Vor dem Schreibtisch von Doktor Plamen Staikov stehen zwei kleine Sofas. Zumindest sehen die mit grünem Stoff überzogenen Sessel auf den ersten Blick so aus. „Die ganze Einrichtung des Adipositas-Zentrums ist so ausgelegt, dass sie auch für extrem übergewichtige Menschen sicher und bequem ist“, erläutert der Chefarzt des Zentrums, das zum Krankenhaus Sachsenhausen gehört. Deshalb sind die Sessel besonders breit und auch schwerer und als gewöhnlich. Auch sonst ist in den Räumen des Adipositas-Zentrums alles etwas größer und belastbarer – von den Türen über die Toilettenschüsseln bis hin zu den Operationstischen und anderen medizinischen Geräten.

Wer zu Plamen Staikov kommt, um sich beraten zu lassen, hat oft eine jahrelange Leidensgeschichte hinter sich. „Übergewicht kommt nicht von heute auf morgen“, sagt der Arzt. Wenn es den Betroffenen aus eigener Kraft nicht gelingt, ihr Körpergewicht zu reduzieren, müsse irgendwann über eine Operation nachgedacht werden.

Üblicherweise ist das bei krankhaftem Übergewicht ein Magenbypass. Bei diesem chirurgischen Eingriff wird der größte Teil des Magens quasi stillgelegt. So können die Patienten weniger essen und die Nahrung gelangt schneller in den Darm, wodurch der Körper weniger Nährstoffe aufnehmen kann.

Ob jemand krankhaft übergewichtig ist und ob die Fettleibigkeit für die Betroffenen eine gesundheitliche Gefahr darstellt, zeigt der Body-Mass-Index (BMI). Das ist laut Staikov beispielsweise bei einer 1,65 Meter großen Frau der Fall, die 110 Kilogramm wiegt. „Eine solche Patientin hätte einen BMI von 40. Grundsätzlich empfehlen wir, ab einem BMI von 30 mit einer Behandlung zu beginnen. Ab einem BMI von 50 ist eine Operation in der Regel die einzige erfolgversprechende Therapie“, erklärt Staikov.

Häufig könnten mit einem Magenbypass sogar zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. „Viele Adipositas-Patienten leiden an Diabetes. Nach der Operation verschwindet in den meisten Fällen nicht nur das Übergewicht. Oft ist danach auch keine medikamentöse Behandlung der Diabetes mehr notwendig.“

Erfolgsquote beim Magenbypass bei 80 Prozent

Die Erfolgsquote beim Magenbypass sei mit 80 Prozent relativ hoch. „Im Vergleich dazu liegt die Erfolgsquote konservativer Therapien mit einer Kombination aus Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie im einstelligen Prozentbereich“, sagt Staikov.

Doch auch die Operation müsse mit einer Veränderung der Lebensgewohnheiten einhergehen. Denn diese seien die Ursache für die Fettleibigkeit. „Eine Adipositas entsteht immer dann, wenn Menschen zu viele Kalorien aufnehmen und sich zu wenig bewegen. Sie ist eine typische Zivilisationskrankheit“, so Staikov. Deshalb verordnet der Arzt seinen Patienten spezielle Sportprogramme.

„Es bringt nichts, den Leuten einfach zu sagen, dass sie Sport machen sollen, man muss ihnen auch zeigen, wie sie das tun sollen.“ Viele Sportarten seien nämlich für Übergewichtige nicht geeignet. Gegen das Joggen spreche zum Beispiel das Verletzungsrisiko und die starke Belastung der Gelenke. Und wer Fahrrad fahren wolle, müsse erst einmal ein passendes Rad finden, das auch stabil genug sei.

Dass trotz der guten Erfolge des Magenbypasses dieser Eingriff in Deutschland seltener als im europäischen Vergleich durchgeführt wird, liegt laut Staikov daran, dass er keine Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen ist. Die Kosten werden von den Kassen nur unter bestimmten Bedingungen übernommen. Dass Plamen Staikov und sein Team dennoch mehrere Hundert solcher Operationen pro Jahr durchführen, zeige, dass die Fettleibigkeit sich mittlerweile zu einem ernstzunehmenden Problem entwickelt hat. Vor allem die Begleiterkrankungen der Adipositas stehen im Fokus der Ärzte. Neben der Diabetes sind dies vor allem Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gicht, Arthrose und ein erhöhtes Krebsrisiko.

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