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Das Team des Fördervereins vor den neuen Büroräumen.

Beratung

Frankfurt: Hilfe in Bahnhofsnähe

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Die Beratungsstelle des Fördervereins Roma ist ins Wohnprojekt „Nika“ eingezogen.

Von draußen sieht man nur ein schlichtes weißes Schild. „Sozialberatung – Förderverein Roma e. V.“ steht darauf. Durch die Fensterscheiben kann man Stühle, Zimmerpflanzen und Büromöbel erahnen. Was von außen wenig spektakulär aussieht, ist für Roma, die in Frankfurt in Not geraten sind, eine wichtige Veränderung: Die Beratungsstelle des Fördervereins, der sich schon seit Anfang der 90er Jahre für die Interessen der Roma-Minderheit in Frankfurt einsetzt, ist zurück im Bahnhofsviertel.

Anfang Juli hat die Einrichtung ein Büro, ein Wartezimmer und eine Mini-Küche im Erdgeschoss des alternativen Wohnprojekts „Nika“ in der Niddastraße bezogen. Nach zwei Jahren in Bornheim, wohin die Beratungsstelle ausweichen musste, als sie ihre über lange Jahre gemieteten Räume in der Kaiserstraße verlor, liegt die Einrichtung damit wieder in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs.

„Der große Vorteil ist die Erreichbarkeit“, sagt Joachim Brenner, Geschäftsleiter des Fördervereins. Außerdem sei die Miete hier einigermaßen bezahlbar und werde auch nicht steigen – das Wohnprojekt, das im bundesweit tätigen „Mietshäusersyndikat“ organisiert ist, hat das erklärte Ziel, günstige Mieten zu ermöglichen. „Es ist eine komfortable Situation, dass wir nicht mehr von den Launen von Investoren abhängig sind, wie das vorher der Fall war“, sagt Brenner.

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Viele der Roma, die jeden Tag zur Beratung kämen, hielten sich tagsüber sowieso im Bahnhofsviertel auf, auch weil viele hier in Wohnunterkünften untergebracht seien, ergänzt Gabi Hanka, Sozialarbeiterin beim Förderverein. Außerdem sei das „Weser 5“, die große Obdachloseneinrichtung der Diakonie, direkt um die Ecke – und das Jobcenter Mitte, das für obdachlose Menschen zuständig ist. „Das macht auch die Begleitung durch unsere Sozialarbeiter viel einfacher“, sagt Hanka.

Die Räume sind hell und riechen nach frischem Holz, für teils mehr als 20 Beratungsgespräche am Tag sind sie aber fast zu klein. Der Hauptvorteil ist die günstige Lage – und dass der Förderverein und seine Schützlinge bei den neuen Vermietern willkommen sind. Bei der Vergabe des Grundstücks durch der Stadt habe es die Auflage gegeben, im Erdgeschoss eine öffentliche Nutzung zu ermöglichen, sagt Moritz Krawinkel vom Wohnprojekt Nika. „Dann war relativ schnell klar, dass der Förderverein aus seinen Räumen im Bahnhofsviertel verdrängt wird und wir so etwas von der Vielfalt im Viertel erhalten können“, sagt Krawinkel. Neben dem „Community Space“, einem Raum neben der Beratungsstelle, der von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) oder dem Afghan Refugee Movement für Treffen genutzt wird, sei die Vermietung an den Förderverein ein Beitrag dazu, dass alle Menschen einen Platz im Viertel hätten, sagt Krawinkel.

Die Hilfe der Beratungsstelle wird gebraucht: Derzeit betreue man rund 450 Roma-Familien, viele davon aus Rumänien, so Sozialarbeiterin Gabi Hanka. Wohnungslosigkeit sei ein großes Problem, viele bräuchten zuerst einmal eine Postadresse, um überhaupt eine Arbeit finden zu können. Immer wieder gebe es auch Familien, bei denen die Eltern Arbeit und Ansprüche auf Sozialleistungen hätten, die aber trotzdem zeitweise auf der Straße lebten. „Das ist für die Leute natürlich dramatisch“, sagt Hanka. Das kleine Wartezimmer dürfte weiter voll werden.

(Hanning Voigts)

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