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High Noon in Höchst

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Für Erika Steinbach sieht es schlecht aus. Sie hat zwei Herausforderer gegen sich.
Für Erika Steinbach sieht es schlecht aus. Sie hat zwei Herausforderer gegen sich. © Rolf Oeser

Die Frankfurter CDU entscheidet beim Parteitag am Samstag einen Dreikampf um den Bundestag. Zwei Herausforderer in der CDU kämpfen gegen Erika Steinbach.

Von Jutta Ochs

Die Frankfurter CDU entscheidet beim Parteitag am Samstag einen Dreikampf um den Bundestag. Zwei Herausforderer in der CDU kämpfen gegen Erika Steinbach.

Um 12 Uhr mittags wird die Spannung kaum noch erträglich sein. Zuvor muss sich die Frankfurter CDU am Samstag im Bildungs- und Kulturzentrum in Höchst aber noch rund zweieinhalb Stunden durch übliche Parteitagsregularien kämpfen. Es gilt, einigen freundlichen Worten von Parteichef Uwe Becker zu lauschen, über Landeslisten zu brüten, Abgesandte für den Landesparteitag zu bestimmen. Die Gedanken werden aber gewiss schon anderswo sein.

Denn dann, wenn mittags die Glocken im Frankfurter Westen läuten, folgt das, was die insgesamt rund 340 Delegierten sowie die scharenweise erschienenen Partei-Gäste bereits seit Wochen mit Vorfreude und auch Angst erwarten. Es ist der spektakulärste Showdown, den die Frankfurter Parteifreunde jemals erlebt haben. Ein beispielloser Dreikampf wird bei der Nominierung für einen der beiden Frankfurter Bundestagswahlkreise ausgefochten: Die Amtsinhaberin Erika Steinbach (69) sowie die Stadtverordneten Ulf Homeyer (30) und Thomas Dürbeck (54) bewerben sich um das Direktmandat im Wahlkreis 183. Ein deutlicher Favorit hat sich bislang noch nicht herauskristallisiert. Und wer von den dreien die Rolle von Gary Cooper aus dem Schwarz-Weiß-Western „12 Uhr mittags“ hat, ist auch schwer zu definieren.

Demontage von Steinbach

Seitdem alle drei den Hut in den Ring geworfen haben, wird eigentlich schon erwartet, dass einer aufgibt. Dass die Parteispitze zwei Kandidaten einen heimlichen, aber unmissverständlichen Wink geben wird, weil solche spektakulären Kampfabstimmungen in der CDU sehr, sehr unerwünscht sind. Zwei im Duell sind ja schon schlimm genug, letztmals gab es Mitte der 90er eine derart aufsehenerregende Auseinandersetzung. Udo Corts und Erika Steinbach traten in der Abenddämmerung um die Parteispitze gegeneinander an.

Jetzt aber sind es gleich drei, die es mit allen Konsequenzen wissen wollen. Eine Konsequenz wäre ohne Frage die Demontage der konservativen Parteiprominenten und Vertriebenen-Präsidentin Erika Steinbach.

Die Gerüchteküche kocht bereits seit Wochen über, keiner gibt aber bisher nach. „Selbstverständlich trete ich an“, sagen Steinbach, Dürbeck, Homeyer, gleichlautend auf Anfrage.

Kampf in der konservativen Ecke

Die Parteispitze, allen voran Parteichef Becker, hält sich öffentlich sehr zurück. Das sei eben ein demokratisches Vorgehen, eher ungewöhnlich für die CDU, zugegeben, doch seien „alle drei Kandidaten geeignet“, sagt der Parteichef.

Die üblichen CDU-Muster greifen in dieser Auseinandersetzung nicht. Normalerweise streiten sich der „linke“ Flügel der Partei (CDA) mit dem „rechten“ Flügel (Mittelstandsvereinigung/MIT) um die Positionen. In diesem Fall nun kommen alle drei, Steinbach, Dürbeck, Homeyer, aus der konservativen Ecke ihrer Partei.

Traditionell „gehört“ der Bundestagswahlkreis 183 den konservativeren, der 182er den liberaleren CDU-Kräften. Für Letzteren bewirbt sich der CDA-Vorsitzende und amtierende Bundestagsabgeordnete Matthias Zimmer – ohne Gegenkandidaten. Auch er wird am Samstag nominiert, aber dafür interessiert sich gerade gar niemand.

Die Individualistin

Alle drei Kandidaten kämpfen bereits seit Wochen um die Sympathien ihrer Parteifreunde. Homeyer, auch Vorsitzender der Jungen Union, und Dürbeck, der Kulturexperte, tingelten häufig gemeinsam durch die 17 Stadtbezirksverbände im Wahlkreisgebiet, Steinbach trat lieber alleine auf. Sie sei halt „Individualistin“ und habe zudem als Amtsinhaberin ziemlich viel zu tun.

Dürbeck und Homeyer präsentierten sich mit ihren „persönlichen Stärken“. Der Banker Homeyer erklärt die Finanzkrise und die EU-Krise. Dürbeck, im Hauptberuf Anwalt, spricht von der Kultur, die immer schon auf der Nahtstelle von Tradition und Moderne geschehe.

Anhänger anderer Parteien

Manche interpretieren das so, dass Dürbeck der am wenigsten Konservative von den dreien sei. Der Wahlkreis, der vom Flughafen-Krisengebiet Süden über die Grünen-Domäne Nordend bis in den ländlicheren Nordosten reicht, ist keine sichere Bank für die CDU. Auch Anhänger anderer Parteien müssten dringend für eine erfolgreiche Direktwahl gewonnen werden. 2009 konnte sich Steinbach aber gegen die SPD-Bewerberin Ulli Nissen behaupten.

Alle drei Kandidaten für den Samstag der Entscheidung sagen nun, sie freuten sich, seien zuversichtlich, fühlten sich von Parteifreunden „bestens unterstützt“ und seien es gewohnt, mit solchen Momenten voller Spannung umzugehen.

Und vor der Abstimmung am Samstag, kurz nach 12, da wollen sie sich noch mal „in aller Freundschaft“ die Hände reichen.

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