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An den Hafenbrücken in Kopenhagen kommt es auch mal zu Fahrradstaus.

Vorbild Kopenhagen

Radverkehr in Kopenhagen - Vorbild für Frankfurt?

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Der Stadtverordnete Wolfgang Siefert hat sich angeschaut, wie die dänische Großstadt ihre Verkehrsprobleme angeht. 

Der Empfang war herzlich, das Programm eng getaktet: Die Mitglieder des städtischen Verkehrsausschusses waren Anfang dieser Woche für drei Tage in Kopenhagen. Im Gespräch mit der FR zieht Ausschussvorsitzender Wolfgang Siefert (Grüne) eine Bilanz der Reise.

Herr Siefert, ist Kopenhagen in der Verkehrspolitik jetzt Frankfurts großes Vorbild?
Zumindest teilweise. Der Radverkehr wird dort ganz anders gefördert als bei uns. Es fährt einfach jeder mit dem Rad, Kleinkinder ebenso wie Senioren. Auch die Familie des Kronprinzen bringt ihre Kinder mit dem Rad in die Kita.

Was tut die Stadt konkret für Radfahrer?
Es gibt auf allen Straßen abgetrennte Radstreifen. Die sind sehr breit. Man muss also kein geübter Radfahrer sein, um dort sicher zu fahren. Die grüne Welle der Ampeln ist auf 20 Kilometer pro Stunde ausgerichtet – also auf das Tempo der Radfahrer. Sie bekommen auch angezeigt, ob sie schneller oder langsamer fahren müssen, um immer Grün zu haben. Und an Kreuzungen gibt es Fußstützen, damit Radfahrer entspannt warten können.

Gibt es auch Bereiche, in denen die Verkehrsinfrastruktur in Frankfurt weiter entwickelt ist als in Kopenhagen?
Unser Schienennetz ist deutlich besser ausgebaut. Aber Kopenhagen holt auf. Es gibt eine fahrerlose Metro, was in Frankfurt wegen der vielen oberirdischen Streckenabschnitte ja nicht möglich ist. Und ins Neubaugebiet fährt eine Hochbahn. Vor allem dauert die Umsetzung von Verkehrsprojekten in Kopenhagen nicht so lange wie bei uns. Vom Beschluss des Metro-Baus bis zur Eröffnung der Linie sind dort zehn Jahre vergangen. Und das fand man in Kopenhagen extrem lang.

Werden sich die Erfahrungen der Kopenhagen-Reise in der parlamentarischen Arbeit niederschlagen?
Sicher. Ich glaube, auch für die Verhandlungen mit der Initiative Radentscheid war diese Reise jetzt sehr wichtig.

Zur Person

Wolfgang Siefert ist verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Römer.

Interview: Georg Leppert

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