Kinder protestieren am Dienstag gegen die verschlossenen Hoftore der IGS Süd.
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Kinder protestieren am Dienstag gegen die verschlossenen Hoftore der IGS Süd.

Plakataktion

Hier dürfen Kinder bald wieder spielen

  • vonKatja Sturm
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Der Hof der IGS Süd ist zurzeit nach Schulschluss für die Öffentlichkeit gesperrt.

Die kleinen Rechtschreibfehler möge man den Kindern verzeihen. Denn die Aussagen auf den Plakaten am Zaun des Schulhofs der IGS Süd und der Kreidezeichnungen auf dem Trottoir davor in der Textorstraße sind klar und deutlich: „Wir brauchen diesen Platz“, heißt es da. Oder: „Wo sollen wir hin?“ Und: „Der Schulhof soll offen bleiben.“

Jahrelang durften die Jungen und Mädchen aus der Umgebung den Pausenhof der Lehranstalt in Sachsenhausen für ihr Freizeitvergnügen nutzen – werktags in den Nachmittagsstunden, aber auch am Wochenende. Tischtennisplatten stehen dort zur Verfügung, einige brachten auch ihre Einräder oder Inliner mit, um abseits des Straßenverkehrs ihre Runden zu drehen.

Doch damit war vor ein paar Wochen plötzlich Schluss. Aufgrund der Corona-Krise wurde die Schule komplett geschlossen. Mittlerweile gibt es zwar wieder Unterricht, doch das Schild, das den Pausenhof als Spielstätte für Kinder bis 14 Jahre kennzeichnete, ist verschwunden. Das Tor wird abgeschlossen, sobald die letzten Schüler das Gelände verlassen haben, und an freien Tagen wird – zumindest offiziell – nicht aufgemacht.

Spielhofschild entfernt

Bei den Eltern, die die Plakataktion am Dienstag begleiteten, trifft das auf wenig Verständnis. Gerade jetzt, da alle Familien wegen der Einschränkungen im öffentlichen Leben „am Limit“ seien und es für Kinder noch weniger Möglichkeiten gebe, sich zu bewegen, sei das nicht nachzuvollziehen, betont Konstanze Schüller. Die Mutter von drei Kindern vertritt die Elterninitiative. Ihr Mann organisiert seit drei Jahren den Schließdienst, den die Mütter und Väter unter sich ausmachen, seit 2011 zum ersten Mal Beschwerden von Nachbarn für Handlungsbedarf sorgten. Die gab es jetzt erneut, was zur aktuellen Schließung führte. Anwohner klagten über Lärmbelästigung zu später Stunde, auch Vandalismus kam vor, wie Günter Murr, Sprecher des Dezernats für Bau und Immobilien, erklärt. Das Tor habe offen gestanden, die Verursacher hätten also nicht, wie von Vertretern der Elterninitiative vermutet, über den Zaun klettern müssen.

Laut Murr gibt es mehrere funktionierende Schlüsselpatenschaften wie die, die es an der IGS gab, in der Stadt. So können die schulischen Anlagen auch über den Schulbetrieb hinaus genutzt werden. Allerdings habe sich in diesem besonderen Fall nicht mehr nachvollziehen lassen, wer alles im Besitz der Schlüssel sei. Deshalb habe man die Schlösser ausgetauscht und den Hof nicht mehr für den Spielbetrieb geöffnet.

Endgültig soll das nicht sein. Auf mehrfaches Drängen von verschiedenen Seiten hin bot das Amt der Initiative schriftlich an, den Schulhof wieder zu öffnen, wenn die Patenschaft neu aufgelegt werde. Schüller bestätigt den Erhalt des Briefs. Sie freut sich über das Erreichte, hätte sich allerdings gewünscht, dass es schneller geht. Vonseiten der Schule gab es per Aushang den deutlichen Hinweis, dass man hinter der Nutzung des Hofs als Spielfeld stehe, aber bei der Entscheidung kein Mitspracherecht habe. „Als ich 2016 hierher kam, fand ich es gerade gut, dass die Stadt Türen nicht zumacht“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Silke Henningsen.

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