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Die Booster-Impfung bei den Menschen über 65 Jahren soll helfen, der Pandemie beizukommen.
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Die Booster-Impfung bei den Menschen über 65 Jahren soll helfen, der Pandemie beizukommen.

Corona

Booster-Impfungen in Hessen: Wenig Tempo, gespaltene Meinungen

  • George Grodensky
    VonGeorge Grodensky
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Die Inzidenz steigt, die Stiko empfiehlt die sogenannte Booster-Impfung. Doch ohne strenge Hygienekonzepte und PCR-Tests wird die vierte Welle nicht zu stoppen sein.

Frankfurt am Main - Unter dem überdachten Eingang der Frankfurter Kleinmarkthalle herrscht in Sachen Auffrischung der Corona-Impfung Meinungsvielfalt. Die Menschen suchen dort Schutz vor dem Regen, blicken skeptisch in den Himmel von Frankfurt, essen Mittagshäppchen und diskutieren über die sogenannte Boosterimpfung.

Herr Scholz zum Beispiel, 70 Jahre alt, hält sie für Ältere und Vorerkrankte zwar für sinnvoll, aber in der breiten Fläche für überflüssig. Ob er sich selbst ein drittes Mal impfen lasse, wisse er noch nicht: „Ich habe mich erst relativ spät für die ersten beiden Impfungen entschlossen und deswegen habe ich jetzt noch genug Zeit, mir das zu überlegen.“

Corona Booster-Impfung: Die Meinungen sind gespalten

Ganz anders sieht das die 73-jährige Adele: „Ich bin dagegen, ich bin überhaupt dagegen.“ Für sich schließt sie jegliche Impfungen gegen Corona aus, stellt aber klar: „Wer sich impfen lassen will, soll das machen, wie bei der normalen Grippeimpfung.“ Sie kritisiere vor allem den Druck aus der Politik.

Für das Ehepaar Blasius hingegen ist es klar, dass es sich ein drittes Mal impfen lassen wird. Sie ist 77 und ihr Mann 87 Jahre alt, beide sind schon bei ihrem Hausarzt für die Boosterdosis angemeldet, für Mitte Dezember. Vorher haben sie keinen Termin bekommen. Sie fühle sich mit der Impfung einfach viel sicherer, sagt die Seniorin.

Aktuell keine Corona-Fälle bei den Seniorenwohnheimen der AWO

Jörg Wilhelm klopft derweil dreimal auf Holz. Der Geschäftsführer der Johanna-Kirchner-Stiftung, die die Seniorenwohnheime der Arbeiterwohlfahrt in Frankfurt und Oberursel betreibt, hat derzeit keine Corona-Fälle zu vermelden. Weder unter den Bewohnerinnen und Bewohnern noch beim Personal. „Darüber sind wir sehr froh“, sagt Wilhelm. Das war auch schon anders. Eine Berg- und Talfahrt liege hinter ihm, mitunter mit Ausbruchsszenarien, „die sehr unschön waren“.

Die aktuell ruhige Lage führt Wilhelm auf zwei Gründe zurück: „Wir haben einen sehr hohen Anteil an geimpften Personen.“ Bei den Bewohnerinnen und Bewohnern seien mehr als 90 Prozent vollständig geimpft, bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern immerhin 60 bis 70 Prozent.

Allerdings wirke die Impfung bei allen Menschen unterschiedlich, sagt Wilhelm. Besonders bei denen mit vielen Erkrankungen schlage sie weniger an. „Der Impfschutz geht nicht von einem auf den anderen Tag verloren“, bekräftigt auch die Pressestelle des hessischen Sozialministeriums. Er bilde sich individuell sehr unterschiedlich und graduell zurück. Menschen mit nicht ausreichender oder nachlassender Immunantwort, sollen darum die Auffrischung erhalten.

Corona Booster-Impfung: Mobile Teams im Einsatz

In Hessen werde das schon seit dem 1. September in den Impfzentren und über seine mobilen Teams praktiziert. Nachdem die meisten der Impfzentren zum 30. September ihren Betrieb eingestellt haben, versorgen die Haus- und Betriebsärzt:innen ihre Patientinnen und Patienten mit dem Serum. Mittlerweile haben 149.869 Hessinnen und Hessen eine Auffrischimpfung erhalten (Stand 1. November). Rund 400.000 Menschen in Hessen sind allerdings älter als 80 Jahre.

Die Impfzentren wieder zu öffnen, lehnt das Land „zum gegenwärtigen Zeitpunkt“ ab. Jens Spahn, der Gesundheitsminister im Bund, hatte das vorgeschlagen. Hessen verfüge über „ausreichend Impfstoff und Kapazitäten“, sagt dagegen das hiesige Sozialministerium, um „zeitnah“ einen Termin für Erst-, Zweit- oder Auffrischimpfung zu erhalten.

Die Impfung bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten biete im Vergleich zum Impfzentrum Vorteile. Die regional verteilten Praxen seien oft einfacher und schneller zu erreichen, vielerorts unterstützten die Gesundheitsämter mit Impfangeboten. Zudem kennen Hausarzt und -ärztin ihre Patienten genau und wissen, bei wem eine Boosterimpfung zu empfehlen ist. „Es liegt in ihrem Ermessen, die Entscheidung über eine Auffrischimpfung auch im Falle der Patientinnen und Patienten zu treffen, die aktuell nicht unter die Stiko-Empfehlung fallen.“

Corona Booster-Impfung: FFP2-Masken vielfach Pflicht

Für Jörg Wilhelm von der Johanna-Kirchner-Stiftung ist es selbstverständlich, allen Mitarbeitenden und ihren Schützlingen eine Impfauffrischung zu ermöglichen. So sie es denn wollen. Beim Traute-und-Hans-Matthöfer-Haus in Oberursel und seinen 143 Bewohnerinnen und Bewohnern ist das mobile Impfteam des Hochtaunuskreises bereits vorstellig geworden. Bei den zwei Frankfurter Einrichtungen stehen immerhin die Termine für den Besuch. Das unterschiedliche Tempo beim Boostern will Wilhelm nicht überbewerten. „Jede Kommune handhabt das anders.“ Frankfurt habe sich mehr an der Empfehlung der Ständigen Impfkommission orientiert.

Nach wie vor hält die Stiftung in ihren Einrichtungen auch ein strenges Hygiene- und Schutzkonzept aufrecht, das ist der andere Grund für den bisher in Sachen Corona ruhigen Herbst.

Mitarbeitende sind zum Tragen einer FFP2-Maske verpflichtet. Die schütze besser als die normale medizinische Maske. Auch Bewohnerinnen und Bewohner und ihre Gäste sollen FFP2 tragen. Natürlich nur in Bereichen mit Begegnungsverkehr, auf Fluren, im Speisesaal, am Eingang. Nicht im privaten Bereich, da können sich Familien und Freunde auch ohne Maske unterhalten.

Corona: Impfung schützt vor schwerem Verlauf

Es gilt für den Zutritt zu den Häusern auch noch die 3G-Regel. Die Einrichtungen bieten sogar noch immer kostenlose Bürgertests für alle Besucher:innen an, als zusätzlichen Schutz. Die Krankenkasse übernehme die Kosten, sagt Wilhelm. „Wir halten wachsam Ausschau nach Auffälligkeiten“, sagt der Geschäftsführer zudem. Was gar nicht so einfach sei. Aus anderen Einrichtungen kennt Wilhelm das Phänomen, dass die Corona-Viren auch unter geimpften Menschen weitergegeben werden. Die Infizierten haben keine Symptome, keinerlei Beschwerden, weder Fieber, noch Husten. Die Virenlast sei auch zu niedrig, als dass der Antigenschnelltest sie erkenne, das könne nur der PCR-Test.

Wilhelm sieht das Positive: „Das zeigt, dass die Impfung wirkt.“ Sie schütze die Menschen vor einem schweren Verlauf der Corona-Erkrankung, offenbar vor überhaupt einem Verlauf. Die Kehrseite der Medaille sei, dass das Virus unentdeckt wandere. „Die Wirksamkeit der Impfung schließt nicht aus, dass andere infiziert werden“, bedauert Wilhelm.

Umso wichtiger ist es wohl, weiter zu impfen. Die Landesregierung informiere „fortlaufend zur Bedeutung der Impfung“, heißt es dazu aus dem Sozialministerium. Nun will es „speziell auch ältere Menschen noch einmal gezielt über die Auffrischimpfungen informieren“. Entsprechende Schritte „sind in Vorbereitung“. Die Pflegeeinrichtungen hätten Informationsschreiben erhalten, darin ist beschrieben, wie die Impfungen zu organisieren seien, nebst Kontaktdaten der Ansprechpartnerinnen und -partner. Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen bietet an, Ärztinnen und Ärzte für Impfungen in die Einrichtungen zu vermitteln. (Anna Laura Müller, George Grodensky)

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