Pflege

Hessen: Warten auf Corona-Screening für Pflegeheime

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Der Druck auf Land wächst. Einrichtungen kämpfen auch gegen die Infektionsgefahr bei Klinik-Entlassungen.

Angekündigt hat Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) die Reihentests in Pflegeeinrichtungen vor zehn Tagen. Anders als im Saarland oder in Thüringen fehlt jedoch nach wie vor ein Konzept für das Corona-Screening. Der Sozialverband VdK drängt auf mehr Schutz für die Bewohner. Erst recht, seitdem Besuche wieder erlaubt sind. Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (BpA) weiß, woran es hapert: Knackpunkt sei die Kostenfrage, sagt Manfred Mauer, der Leiter der Landesgeschäftsstelle. Seine Antwort: „Zahlen muss das Land, denn das ist Daseinvorsorge.“ Tests minimierten das Risiko.

„Eine Momentaufnahme“

Tests seien aber nur eines von mehreren Instrumenten, sagt Martina Eggebrecht, die in Wiesbaden die Caritas-Häuser Sankt Hedwig und Lena leitet. Corona-Tests für Bewohner und Mitarbeitende seien hilfreich, wenn der Abstrich fachgerecht erfolge und regelmäßig wiederholt werde. Selbst dann böten sie keine 100-prozentige Sicherheit: „Das ist immer eine Momentaufnahme.“ Anstecken könne man sich jederzeit. Deshalb seien die anderen Instrumente ebenso wichtig: Hände desinfizieren, Schutzkleidung samt Masken tragen und streng darauf achten, dass bei den Besuchen nichts passiert.

Die Einrichtungsleiterin treibt ein weiteres Thema um, mit dem sich auch der BpA derzeit beschäftigt: Wie lässt sich vermeiden, dass ein Bewohner nach einem Krankenhausaufenthalt das Virus in die Einrichtung einschleppt? Und umgekehrt. Ein Arrangement, wie es die Wiesbadener Caritas-Häuser mit den Horst-Schmidt-Kliniken getroffen haben, ist nicht selbstverständlich: Sie testeten jeden Patienten, bevor sie ihn in eine der Einrichtungen entlassen, sagt Eggebrecht. Eine Riesenerleichterung für die Betroffenen, denn ihnen bleibt die 14-tägige Quarantäne erspart. „Sie sind oft dement, verwirrt und können das nicht verstehen.“ Auch hier stelle sich die Kostenfrage, sagt Maurer. Der BpA hat sich mit der Krankenhausgesellschaft zusammengetan, um auf Bundesebene stärker auftreten zu können.

Einen Sonderweg hat die Stadt Frankfurt vor einem Monat auf eigene Kosten eingeschlagen. Ärzte des Gesundheitsamts und das Deutsche Rote Kreuz gehen mit einem zum Corona-Testcenter umgebauten Linienbus auf Tour. Ins Leben gerufen wurde das Projekt, um allen Bewohnern von Alten- und Pflegeeinrichtungen einen Test zu ermöglichen; auch Flüchtlingsunterkünfte und Behinderteneinrichtungen mit bekannten Infektionsfällen sollten angefahren werden.

Von der Idee eines Screenings sind die Verantwortlichen inzwischen abgerückt, sagt Antoni Walczok, der stellvertretende Behördenleiter. Es habe sich gezeigt, dass Reihenuntersuchungen keine neuen Erkenntnisse über Ausbrüche liefern. Jetzt komme der Bus nur bei konkreten Anlässen. „Das ist sinnvoller.“ Zudem wünsche nicht jede Einrichtung einen Reihentest.

Aus dem Sozialministerium lag bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme vor.

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