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Viele Chöre haben begonnen, wieder zu proben, allerdings nur in kleinen Gruppen.
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Viele Chöre haben begonnen, wieder zu proben, allerdings nur in kleinen Gruppen.

Corona in Hessen

Hessen: Verhaltene Freude über die Lockerung beim Chorgesang

  • Anja Laud
    VonAnja Laud
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Die Kirchen sind dabei, neue Richtlinien für Gemeinden in Hessen zu erarbeiten. Gesangsverwarten auf Auslegungshinweise des Landes.

Lange konnten Chöre und Kirchengemeinden in Hessen wegen der Corona-Pandemie nicht gemeinsam singen. Nachdem die Landesregierung weitere Lockerungen beschlossen hat, ist das Chorsingen von heute an theoretisch wieder erlaubt. Bei aller Freude über die Lockerung drückt die Kirchen und die Gesangsvereine die Verantwortung, die nun auf sie lastet, denn die Gefahr, dass Menschen sich beim Singen durch die damit verbundene stärkere Tröpfenbildung anstecken, ist auch bei niedriger Inzidenzzahl nicht gebannt.

„Natürlich begrüßen wir die Öffnung, aber für die Kirchengemeinden bedeutet dies auch eine große Herausforderung“, sagt Pfarrer Volker Rahn, Pressesprecher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), und verweist auf die Ausbreitung der Delta-Variante, die in Hessen inzwischen bei 20 Prozent aller Corona-Infektionen nachgewiesen wird. Sie gilt als besonders ansteckend. Wie mit dem Gemeindegesang umgegangen und Infektionsgefahren begegnet werde, liege in der primären Verantwortung der Kirchen und Religionsgemeinschaften, sagt Regierungssprecher Marco Kreuter.

Chöre und Corona

Die Corona-Pandemie hat sich nach einer Studie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, an der Jan Schumacher, Universitätsmusikdirektor der Goethe-Universität Frankfurt, beteiligt war, überaus negativ auf die Chormusik ausgewirkt

Danach klagten die mehr als 4300 befragten Chöre in Deutschland, Österreich und der Schweiz über rückläufige Mitgliederzahlen und finanzielle Sorgen.

Die Zahl der aktiven Sängerinnen und Sänger bei den befragten Chören sei während der Pandemie deutlich rückläufig, teilte Kathrin Schlemmer, Professorin an der Eichstätter Uni, mit, die die Studie leitete. Nur weniger als ein Drittel konnten ihre Mitgliederzahl halten. Besonders ausgeprägt sei, so Schlemmer, der Verlust bei den mehr als 580 befragten Nachwuchschören. „Von diesen existiert de facto fast jeder achte Kinder- und Jugendchor nicht mehr“, berichtet sie.

Fast 60 Prozent aller befragten Ensembles erwarten danach, dass sie auch nach der Pandemie nicht mehr in früherer Besetzungsstärke weiterarbeiten werden. 15 Prozent befürchten sogar einen deutlichen Rückgang des Interesses von Sänger:innen.

Ein ausführlicher Beitrag zu der Eichstätter Studie ist in der „Neuen Musikzeitung“ (nmz) erschienen. lad
www.nmz.de/choco

Nachdem Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Dienstag nach einer Sitzung des Corona-Kabinetts die Aufhebung des Verbots für das gemeinschaftliche Singen bekanntgab, ist der Corona-Krisenstab der EKHN nach Angaben von Volker Rahn dabei, Richtlinien zu erarbeiten, um den Gemeinden Entscheidungshilfen an die Hand zu geben, wie sie mit dem gemeinschaftlichen Singen künftig umgehen sollen. Die Richtlinien sollen mit den übrigen Landeskirchen abgestimmt werden, damit es für alle Gottesdienste möglichst einheitliche Regelungen gibt.

Gesangsvereine sollten, bevor sie wieder zum Chorsingen übergingen, die Auslegungshinweise des Landes abwarten, sagt Volker Schmidt, Sprecher des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst. Chorproben in geschlossenen Räumen bei Einhaltung von Abstands- und Hygienekonzepten seien zwar wieder erlaubt, doch das Chorsingen im Freien sollte wegen des geringeren Risikos weiterhin bevorzugt werden.

Auch Michael Graf Münster, Kantor an St. Katharinen in der Frankfurter Innenstadt, hält es wegen der Ausbreitung der Delta-Variante für zu riskant, in geschlossenen Räumen in großen Gruppen zu singen. Stattdessen könnten die Gläubigen nach dem Gottesdienst vor der Kirche zusammenkommen und gemeinsam singen. Dieses „Hofsingen“, so Münster, habe die evangelische Gemeinde bereits im vergangenen Sommer praktiziert. Die Chorarbeit hat der Kantor vor zwei Wochen wieder aufgenommen, als die niedrige Inzidenzzahl ein Singen in kleinen Gruppen erlaubte. Ensembles, zusammengesetzt aus jeweils sechs bis acht Mitgliedern des kirchlichen Konzertchors, seien dabei Stücke zu proben. Das Repertoire jedes dieser Gruppen unterscheide sich. Ziel sei es, so Münster, dass alle Ensembles am 31. Oktober um 18 Uhr aufträten.

In den Gesangsvereinen hat die Arbeit in kleinen Gruppen Ende Mai wieder begonnen, wie Josy Ehret vom Hessischen Sängerbund sagt, der die Interessen von über 2200 Chören mit rund 44 000 Sängerinnen und Sängern vertritt. Die meisten Gesangsvereine hätten schon im vergangenen Jahr Hygienekonzepte erarbeitet, um ein Singen in größerer Runde sicher zu machen. Zu den angekündigten Lockerungen der Landesregierung will Ehret noch nicht so viel sagen. „Wir warten jetzt erst einmal ab, bis wir etwas Schriftliches vom Land bekommen“, sagt sie.

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