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Der Autokorso sammelt sich am Rebstockpark. Foto: Michael Schick
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Der Autokorso sammelt sich am Rebstockpark.

Veranstaltungsbranche verzweifelt

Hessen: Veranstaltungsbranche beklagt fehlende Perspektive

  • Clemens Dörrenberg
    VonClemens Dörrenberg
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Viele haben seit einem Jahr keine Veranstaltung durchführen können. Staatliche Unterstützung fehlt. Autokorso durch Frankfurt.

Mit lauter Rockmusik, die aus großen Boxen von der Ladefläche eines Lastwagens schallt, rollt am Sonntagmittag ein Autokorso Richtung Messeturm los. Bis nach Sachsenhausen und zurück in die Innenstadt soll es gehen. An der Ursinusstraße, die zwischen der Autobahn 648 und dem Rebstockpark entlangführt, haben sich die rund 50 Fahrzeuge hintereinander aufgereiht, um auf die prekäre Lage in der Veranstaltungsbranche nach Ausbruch der Covid-19-Pandemie sowie fehlende staatliche Unterstützung aufmerksam zu machen. Laut der veranstaltenden Initiative „Alarmstufe Rot“, die an diesem Tag weitere Demonstrationen in Mainz, Berlin und Erfurt organisiert, soll daran erinnert werden, dass der „Lockdown der Veranstaltungswirtschaft“ genau vor einem Jahr begonnen habe. Damals sei die Berliner Tourismusmesse als erste Veranstaltung aufgrund von Corona abgesagt worden.

Stephan Stroh hat die Scheibe seines Kleinwagens heruntergekurbelt und raucht eine Zigarette. Er steht fast ganz vorne in der Schlange aus Kleinbussen, Lastwagen und Autos, in denen Einzelpersonen, Pärchen und ganze Familien sitzen. Nur ein Lastwagen mit roter Plane und einem gleichfarbigen Transparent am Kühlergrill mit der Aufschrift „Veranstaltungstechnik: Stoppt die Pleitewelle!“ steht vor ihm. Der Tontechniker aus Dreieich mit den langen Haaren arbeite seit zehn Jahren als selbstständiger „Backliner“ bei Konzerten, berichtet er. Für die Rockbands „Iron Maiden“ und „Metallica“ sei er schon tätig gewesen. Stroh sagt: „Ich habe seit einem Jahr keinen einzigen Job mehr, und die Hilfen, die uns der Staat anbietet, sind gleich null.“ Seine Eltern unterstützten ihn finanziell. Was dem 32-Jährigen Hoffnung mache: „Der Zusammenhalt in der Branche ist enorm.“ Schon bei mehreren Demos, mal per Auto, mal zu Fuß, sei er dabei gewesen.

Aufgrund der derzeitigen Infektionslage setze man auf „Präsenz im Auto“, berichtet Mitveranstalter Matthias Langhammer. „Es gibt ganz viele Lücken bei den staatlichen Hilfen“, sagt der 38-Jährige. Wer etwa „20,1 statt 20 Prozent verdient“, erhalte keine Unterstützung. Einnahmen hat Natalina Sadlo mit ihrer Frankfurter Bar derzeit keine. „Ich habe die Schnauze voll“, sagt Sadlo, die mit Tochter und Sohn im Auto sitzt. Gastronomie und Veranstaltungsbranche hätten ähnliche Schwierigkeiten. Ihr vierköpfiges Personal werde zwar über Kurzarbeit weiter bezahlt. Sie habe aber keinerlei Verdienst. „Mein Gehalt ist gleich null“, sagt Sadlo. Mit einem Nebenjob in einer Kindertagesstätte sowie durch Rücklagen versuche sie sich über Wasser zu halten, berichtet die 33-Jährige.

Für Marian und Robin aus Idstein, die bei einem „kleinen Verleih für Eventtechnik“ arbeiten, steht eines fest: „Man müsste uns nur eine Chance geben“, so der 27-jährige Marian. Seit Jahrzehnten würden in der Veranstaltungsbranche Sicherheitskonzepte umgesetzt, die sich auch auf Hygienevorschriften anwenden ließen, wie etwa das „Leiten von Besucherströmen“. Sein ein Jahr jüngerer Kollege stimmt zu und berichtet, dass sie „seit einem Jahr vielleicht noch 20 Prozent“ der vorherigen Arbeitsauslastung hätten. Allen Befragten fehlt eine Perspektive, wie es für sie beruflich weitergehen soll.

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