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Artemis Karaspyrou (l.) und Laura Ruskovic wollen die Prüfungen schnell hinter sich bringen.

Coronakrise

„Wir sind der Corona-Jahrgang“ - Schüler in Hessen schreiben trotz Coronavirus ihr Abitur

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Lange war unklar, ob die Abiturprüfungen in Hessen wegen des Coronavirus stattfinden können. Am Donnerstag (19.03.2020) wurden erste Prüfungen geschrieben. Die Schüler sind froh, dass das Hin und Her jetzt vorbei ist.

  • Nach langem Hin und Her hat die erste Abiturprüfung in Hessen trotz des Coronavirus stattgefunden
  • Schüler sind gespalten über die Entscheidung des Kultusministeriums, aber erleichtert, dass es eine gibt
  • Kultusministerium erntet Kritik von einer Oppositionsfraktion im Landtag

Frankfurt - Wegen der Corona-Epidemie war lange unklar, ob die Abiturprüfungen in Hessen wie geplant stattfinden können. In einer Petition haben mehr als 7000 Unterzeichner eine Verschiebung gefordert. 

Am Mittwochnachmittag (18.03.2020) gab das Kultusministerium schließlich bekannt, dass alles wie geplant durchgeführt werden solle. Und so traten die Abiturienten ihre Prüfungen im Grund- und Leistungskurs Englisch am Donnerstag an.

Coronavirus in Frankfurt: Abiturprüfungen „so schnell wie möglich hinter uns bringen“

Einer von ihnen ist Nicolas Zerbe. Als er nach der Klausur aus der Carl-Schurz-Schule in Frankfurt-Sachsenhausen kommt, wirkt er entspannt. Der 18-Jährige ist froh, dass die Prüfungen stattfinden. „Dieses ständige Hin und Her im Vorhinein hat genervt“, sagt er. 

Damit ist Nicolas nicht der Einzige. Artemis Karaspyrou und Laura Ruskovic finden es ebenfalls gut, dass das schriftliche Abi wie geplant durchgeführt wurde. „Warum soll man die Schüler warten lassen?“, fragt Artemis. „Wir sollten die Klausuren so schnell wie möglich hinter uns bringen.“

Abiturprüfungen in Frankfurt trotz Coronavirus

Dass die Schüler sich nach der Prüfung in Gruppen vor der Schule versammeln, passt allerdings nicht zu der Empfehlung, Abstand zu halten. „Das stimmt, aber daran denkt man nicht, wenn man gerade aus einer Abiprüfung kommt“, sagt Nelson von Groll. 

Nelson von Groll ist froh, dass die erste Prüfung vorbei ist.

Sein Kumpel Luka Kayser bedauert, dass die Abifeiern wohl ausfallen werden. „Aber immerhin gehen wir als Corona-Jahrgang in die Geschichtsbücher ein“, sagt er lachend.

Auch Corona-Risikopatienten in Abiturprüfungen in Frankfurt

Nicht darüber lachen kann Neala Patterson. Sie hat Asthma und ist damit Risikopatientin. Die Englisch-Prüfung hat sie alleine in einem separaten Raum geschrieben. „Ich verstehe das Kultusministerium nicht“, sagt sie verärgert. „Wir dürfen nicht mehr zu dritt im Park chillen, aber Abitur schreiben geht.“

An der Schillerschule, nur ein paar Schritte weiter, sagt Karla, während sie über den leeren Schulhof blickt: „Man kann sich auf jeden Fall coolere Situationen vorstellen.“ Unsicher habe sie sich während der Prüfung nicht gefühlt. „Sobald man schreibt, vergisst man das eh.“

Abitur trotz Coronavirus in Frankfurt: „Man konnte es nur falsch machen“

Claudia Wolff, Schulleiterin der Schillerschule, sagt: „Ich glaube, man konnte es nur falsch entscheiden. Für die Abiturienten wäre es die falsche Entscheidung gewesen, zu verschieben. Aber in Anbetracht der Pandemie weiß ich nicht, ob es richtig war, die Prüfungen stattfinden zu lassen.“ Ihre Schülerschaft habe schreiben wollen. „Denen ist jetzt ein Stein vom Herzen gefallen.“

Nach Auskunft des Kultusministeriums sind die Prüfungen ohne größere Probleme angelaufen. Lediglich vereinzelt seien Schüler, die leichte Symptome einer Erkrankung aufgewiesen hätten, zur Sicherheit nach Hause geschickt worden. Zudem gebe es einige wenige Schulen wie die Hochtaunusschule in Oberursel, die unter Quarantäne stünden und deren Schüler deshalb nicht beim Abitur dabei seien und zu den Nachschreibterminen antreten müssten.

Abitur trotz Coronavirus in Hessen: Prüfungsgruppen kleiner als neun Leute

Das Ministerium hatte am späten Mittwochnachmittag (18.03.2020) entschieden, dass die Prüfungen stattfinden können. Um Ansteckungen zu verhindern, sei auf einen ausreichenden Sicherheitsabstand zwischen den Prüflingen geachtet worden. 

Luka Kayser bezeichnet sich als Teil des „Corona-Jahrgangs“.

Die Schulen wurden angewiesen, die Prüfungsgruppen so klein wie möglich zu halten, nach Möglichkeit sollen es nicht mehr als neun Schüler sein. „Wir sind zufrieden mit dem Start“, sagte ein Sprecher von Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Die Vorgaben zur Hygiene und den Sicherheitsabständen seien umgesetzt worden.

Abitur trotz Coronavirus in Hessen: Kritik an Entscheidung des Kultusministeriums

Das schriftliche Abitur hat am Donnerstag mit Englisch begonnen und soll am 2. April mit Biologie enden. Für Donnerstag waren rund 11.500 Prüflinge gemeldet, von denen laut Kultusministerium 250 nicht antreten durften oder konnten. Insgesamt gibt es in Hessen rund 23.500 Abiturientinnen und Abiturienten.

Claudia Wolff leitet die Schillerschule in Sachsenhausen.

Elisabeth Kula, bildungspolitische Sprecherin der Linke-Fraktion im Landtag, kritisierte den Beginn der Prüfungen. Der Kultusminister lasse Abitur schreiben, obwohl rund 7000 Menschen eine Petition der Schülerschaft unterzeichnet hätte, die eine Verschiebung fordert.

Der Hessische Philologenverband respektiert dagegen die Entscheidung des Kultusministeriums. Innerhalb des Verbandes gebe es dazu allerdings keine einheitliche Position. Mitglieder hatten gefordert, den Start in die schriftlichen Prüfungen mindestens bis Anfang Mai zu verschieben.

Von Peter Hanack

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