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Hessen-Tatort: Kein Donut im Günthersburgpark

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Von: Georg Leppert

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An dem kultigen Kiosk im Günthersburgpark gibt es vieles – aber keine Donuts.
An dem kultigen Kiosk im Günthersburgpark gibt es vieles – aber keine Donuts. © Monika Müller

Der Hessen-Tatort würdigt die Grünanlagen in Frankfurt – und hat nur marginale Schwächen.

Es begab sich vor etwa einem Jahr, dass ein Journalist durch den Huthpark in Seckbach joggte. Auf der Südseite des Parks (bitte merken, die Himmelsrichtung wird noch eine Rolle spielen) stellte sich ihm eine junge Frau in den Weg. Ob er kurz warten könne, fragte sie, 200 Meter weiter werde gerade ein Tatort mit Kommissar Murot gedreht. Wie lange er denn warten müsse, fragte der Journalist, der nicht erfreut war, denn es regnete leicht und er hatte geschwitzt. Ach, so zehn bis fünfzehn Minuten, antwortete die Produktionshelferin. Da schüttelte der Journalist den Kopf und joggte an der Frau vorbei, die ihm empört nachrief, „jetzt laufen Sie gerade mitten durch die Aufnahme“.

Am gestrigen Sonntag wollte der Journalist dann wissen, ob er wirklich durch die Aufnahme gejoggt war, denn da lief der Tatort namens „Murot und das Gesetz des Karma“ in der ARD. Aber Enttäuschung. Es joggte zwar ein Mann durchs Bild, aber nicht er. Das Geld für den Statisten hätten sie sich sparen können, dachte sich der Journalist, schaute den Film missmutig zu Ende und fragte sich (ergebnislos), ob es nicht das „Gesetz des Karmas“ heißen müsse. Genitiv eben.

Jenseits solcher persönlichen Befindlichkeiten und Spitzfindigkeiten muss man mal sagen: Das Timing des Hessischen Rundfunks ist richtig gut. An dem Wochenende, an dem in Frankfurt ein neuer Park eröffnet, dreht sich der Tatort um Grünanlagen. Na gut, eigentlich dreht er sich um einen Mord, eine Erpressung und die Frage, ob Murot eine Tochter hat. Doch die Zuschauerin/der Zuschauer aus Frankfurt war natürlich fasziniert davon, dass wichtige Teile der Handlung im Günthersburgpark und eben im Huthpark spielten. Aber wir wären nicht die lokale Tatort-Kritik, wenn wir nicht zumindest ein bisschen was zu klugscheißen hätten.

Fangen wir mit dem Günthersburgpark an. Ja, man kann sich auf die Bank setzen, auf der Murot telefoniert. Aber dann wird man eben womöglich von einer Boulekugel getroffen, denn genau an dieser Bank wird häufig gespielt. Vor allem aber kann es nicht sein, dass sich Murots Tochter (wenn sie es denn ist) am Kiosk einen Donut holt. Donuts gibt es da nämlich nicht, wie eine Recherche der FR vor Ort ergab. „Donut? Ist ungesund“, sagte die Bedienung.

Noch kleinkarierter sind wir im Huthpark. Da ist davon die Rede, der durch und durch böse Überbringer des Geldes klappe auf der Ostseite des Parks zusammen. Stimmt aber nicht, im Osten liegt der Kinderspielplatz. Die Szene, die der Journalist fast gestört hätte, spielt im Süden des Huthparks. Aber das ist nun wirklich für Kenner:innen.

Und sonst? Das Hotel, in dem der Mord geschieht und Murot betäubt wird, ist das Kempinski in Gravenbruch. die dubiose Delphi GmbH residiert in einem Bürogebäude in Dreieich. Und ob die junge Frau mit dem Donut Murots Tochter ist, können wir nicht sagen. Vielleicht weil wir einfach zu konzentriert auf die Frankfurter Parklandschaften waren.

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