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Corona erschwert auch den Schulalltag. Grüne und CDU wollen aber am Präsenzunterricht in Hessen festhalten.

Hessen: Streit um Corona-Regeln an Schulen dauert an

  • vonKilian Beck
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Die hessische SPD fordert den Wechselunterricht in Corona-Hotspots, um Infektionen vorzubeugen. Doch die Landesregierung hält an der Präsenz für alle fest.

An Hessens Schulen gibt es weit häufiger Wechselunterricht, als die Opposition nahelegt. Darauf wiesen Politiker der schwarz-grünen Koalition am Donnerstag im Landtag hin.

Dort hatte die SPD ihre Forderung erneuert, Schulen in Corona-Hotspots auf Wechselunterricht umzustellen. Das bedeutet, dass Klassen geteilt werden, damit jeweils nur ein Teil der Schülerinnen und Schüler vor Ort unterrichtet wird und der andere Teil von zu Hause aus teilnimmt.

Der Grünen-Abgeordnete Daniel May sagte, dass bereits 274 hessische Schulen solchen Unterricht angewendet hätten. Er bezog sich dabei auf eine Auskunft von Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Der Minister sah eine „bestenfalls dünne“ empirische Evidenz dafür, dass Schulen eine Quelle der Corona-Neuinfektionen seien, und sprach sich deshalb für ein Festhalten am Präsenzunterricht als Regelfall aus.

„Komplette Schulschließungen müssen verhindert werden“, sagte Christoph Degen (SPD). Es sei eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, die Schulen geöffnet zu halten. Daher müsse jetzt Klarheit für die Schulen geschaffen werden, damit diese nicht mehr mit „Kurzschlussentscheidungen“ konfrontiert würden. Einen Inzidenzwert von deutlich über 50, nannte er als Richtwert, ab dem Vorkehrungen im Schulwesen ergriffen werden sollten.

Der Sozialdemokrat verwies auf die Proteste von Schüler:innen und Lehrer:innen, die in den vergangenen Tagen für Wechselunterricht auf die Straße gegangen waren. Der Antrag seiner Fraktion sei ein Plädoyer für mehr Abstandhalten in den Schulen. Wechselunterricht ab der siebten Klasse sei ein Baustein davon. Es könne aber auch andere Möglichkeiten geben, etwa die Nutzung zusätzlicher Räume. Degen forderte die Landesregierung auf zu handeln, damit „Schule angstfrei und sicher stattfindet“.

Lorz sieht Wechselunterricht als einen „Notbehelf“, der nur eine Option sei, wenn es infektiologisch geboten sei. Geboten sei er ab dem von der Kultusministerkonferenz beschlossenen Inzidenz-Richtwert von 200. Das sei aber nur ein „Orientierungswert“, der nicht automatisch Einschränkungen begründe.

Zugleich teilte Lorz mit, dass Wechselunterricht in allen Städten und Kreisen in Hessen umgesetzt worden sei, in denen die Inzidenz von 200 überschritten gewesen sei. „Schematische Einheitslösungen helfen uns aber nicht weiter“, sagte Lorz. Horst Falk (CDU) verwies auf den Erziehungsauftrag der Schulen: „Wie soll denn Erziehung überhaupt digital stattfinden?“, fragte er in die Runde.

Moritz Promny (FDP) machte darauf aufmerksam, dass die Missstände bei der digitalen Bildung in Hessen von der Krise bloß verstärkt würden. Für Lehrer:innen forderte er eine Liste digitaler Lehrmaterialien, die sie rechtssicher in ihrem Unterricht verwenden dürften. Das digitale Schulportal des Landes kritisierte er als „unfertig“ und „nicht mehr zeitgemäß“.

Um Klarheit und Sicherheit für die Schulen zu schaffen, brauche es feste Quarantäneregeln, für Schüler:innen und Lehrer:innen, sowie Schnelltestkonzepte und FFP2-Masken. Der Grüne Daniel May reagierte auf Promnys Rede mit der Feststellung, digitale Endgeräte für Schüler:innen seien „schon bestellt“.

Zum Infektionsschutz an Schulen verwies Elisabeth Kula (Linke) auf das Robert Koch-Institut, das ganze Schulklassen als Kontaktpersonen der Kategorie 1, also als quarantänepflichtig, einstufe. Außerdem seien die Altersgruppe von 15 bis 24 Jahren momentan am stärksten von Neuinfektionen betroffen. Kula kritisierte, dass es keine verbindlichen Regeln für die Einführung des Wechselunterrichts gebe, und unterstellte der Landesregierung, sich dem zu verweigern.

SPD-Politiker Degen forderte, flexible Lösungen für die Zentralen Abschlussprüfungen im Frühjahr vorzusehen. „Nehmen Sie den Druck aus dem System“, wandte er sich an Minister Lorz.

Durch Quarantäne-Anordnungen, würden Schüler:innen unterschiedliche Unterrichtseinheiten verpassen. So seien Zentralabschlussprüfungen dieses Jahr nicht vertretbar.

„Wir sind die letzten, die Leistungs- und Unterrichtsstandards über Bord werfen“, entgegnete der Minister. Allerdings stehe das Thema Abschlussprüfungen auf der Agenda von Gesprächen mit Lehrer:innenverbänden.

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