Weil Testcenter an ihre Grenzen kommen, ruft die Ärzteschaft dazu auf, gemeinsam gegen das Virus vorzugehen.
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Weil Testcenter an ihre Grenzen kommen, ruft die Ärzteschaft dazu auf, gemeinsam gegen das Virus vorzugehen.

Corona

Praxen sollen im Kampf gegen Corona mitziehen

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Ärztevertreter fordern in der Pandemie einen größeren Einsatz der niedergelassenen Kollegen. Und klären über die neue Teststrategie auf.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) hat die niedergelassenen Ärzte ermahnt, sich „im Sinne eines gemeinsamen Kampfes gegen die Pandemie zu beteiligen“. Es häuften sich Nachrichten über Praxen, die ein negatives Corona-Testergebnis forderten, heißt es in dem internen Schreiben des Vorstands, das für Unmut in der Ärzteschaft sorgte. „Patienten haben einen Behandlungsanspruch und es ist Aufgabe von Vertragsärzt:innen, diesem nachzukommen.“ Ohne das Mitwirken der Praxen könne die Pandemie nicht zurückgedrängt werden.

Nach Angaben eines KV-Sprechers kommen die 15 hessischen Testcenter „langsam an ihre Kapazitätgrenzen“. Die Schwerpunktpraxen würden ausgebaut, doch auch das reiche nicht aus. Der Appell richte sich an „Einzelfälle, die nicht mitmachen“. In dem Schreiben informiert die KV-Spitze auch über die neue Teststrategie.

Patienten mit Symptomen : Da hat sich nichts geändert. Sie werden vom niedergelassenen Arzt oder den Testcentern (Covid-Koordinierungscentern) der KV getestet. Vorher telefonieren - mit der Praxis oder 116 117.

Antigentests: Die Schnelltests haben eine geringere Spezifität und Sensitivität als die PCR-Tests. Auch sie müssen von geschultem, medizinischem Personal durchgeführt werden. Für ein positives Testergebnis ist eine vergleichsweise höhere Virusmenge notwendig. Sie eignen sich nur, wenn ein falsch negatives Ergebnis keine schwerwiegenden Konsequenzen hat. Weil es aufgrund der geringeren Spezifität zu falsch positiven Testergebnissen kommen kann, sollte bei positivem Befund ein PCR-Test erfolgen.

Gesundheitsberufe: Arztpraxen sollen sich nicht zu Hotspots entwickeln. Das Personal soll vermehrt getestet werden, empfohlen sind Antigentests. Gleiches gilt für das Personal psychologischer Psychotherapeuten und anderen Heilberufspraxen, etwa Physiotherapie oder Ergotherapie.

Kontaktpersonen: Wer Kontakt zu einem bestätigten Covid-Fall hat oder hatte, besitzt Anspruch auf einen PCR-Test. Antigentests sollten nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden – etwa wenn PCR-Tests knapp sind oder zum Überbrücken der Wartezeit. Kontaktpersonen sind Leute, die mindestens fünfzehn Minuten in engem Kontakt zur infizierten Person standen, mit ihr in einem Haushalt zusammenleben oder sich mehr als eine halbe Stunde in einer beengten Raumsituation mit ihr befunden haben (Schulklassen/Asylbewerberheime). Gleiches gilt für Pflegende und Gepflegte, wenn einer positiv getestet wurde, und bei einem roten Warnhinweis der Corona-App.

Gemeinschaftseinrichtungen : Bei Ausbrüchen in Arztpraxen, Schulen, Kitas, Asylbewerberheimen, Notunterkünften oder Justizvollzugsanstalten sollen alle getestet werden – möglichst per PCR-Tests. Umfangreiche Testungen gelten auch für Krankenhäuser, Reha-Einrichtungen, Pflegeheime, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, ambulante OP-Zentren, Dialysezentren, ambulante Pflege-Einrichtungen, Arzt- und Zahnarztpraxen. Zum Schutz vulnerabler Gruppen kommen vorrangig PCR-Tests zum Einsatz. Auch ohne bestätigten Fall kann in den Einrichtungen mehr getestet werden: in Absprache mit den Gesundheitsämtern, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz bei mehr als 50 pro 100 000 Einwohnern liegt. Möglich sind dann auch regelmäßige Reihentests, es besteht das Recht auf einen Antigentest pro Woche, der bei positivem Ergebnis mit einem PCR-Test abzusichern ist.

(Wieder-)Aufnahme: PCR-Tests sind angezeigt für Patienten, Bewohner und Betreute, bevor sie in bestimmte Einrichtungen (wieder) aufgenommen werden oder eine ambulante OP ansteht. Dazu gehören: Krankenhäuser, Reha-Einrichtungen, Pflegeheime, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, ambulante OP-Zentren, Dialysezentren, ambulante Pflege-Einrichtungen. Den Test macht die niedergelassene Arztpraxis oder das Gesundheitsamt. Für Begleiter:innen, etwa Eltern eines Kindes, gelten die identischen Regeln. Bei einer Inzidenz von mehr als 50 ist für Patienten, Bewohner und Besucher in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt ein wöchentlicher Antigentest empfohlen. Gültig ist er nur für den Besuchstag.

Einreisende/Lehrer und Erzieher: Zehn Tage nach Einreise testet die niedergelassene Praxis, sofern der Aufenthalt im Ausland nachgewiesen ist. Bei Einreisenden aus einem inländischen Risikogebiet entscheidet das Gesundheitsamts. Diese Regelung endet am 8. November. Fortgesetzt werden die Testungen von Lehrern und Erziehern in Hessen.

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