Corona-Pandemie

In der Pause mit Corona angesteckt - Neu-Infektionen in Hessen steigend

  • Jutta Rippegather
    vonJutta Rippegather
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Unter den Corona-Neuninfektionen in Hessen sind viele Bauarbeiter und Rückkehrer. Die Freiluft-Partys sind nicht so riskant.

  • In Hessen gibt es wieder mehr Neu-Infektionen mit dem Corona-Virus
  • Bauarbeitende und Reisekückkehrer sind besonders betroffen
  • Der Mainz-Kinzig-Kreis ordnet Quarantäne für Rückkehrer an

In Hessen zeigt die Kurve der Neu-Infektionen wieder nach oben. 57 meldete das hessische Sozialministerium am Freitag, Stand 14 Uhr. Tags zuvor waren es sogar 76. Sowohl die Behörden in Frankfurt* als auch in Offenbach registrieren unter ihnen eine auffällig hohe Zahl an Bauarbeitern. Auch Reiserückkehrer aus dem Balkan bringen das Corona-Virus oft mit, sagt der Infektiologe im Frankfurter Gesundheitsamt, Udo Götsch. Von den Open-air-Partys an Main oder Opernplatz gehe offenkundig keine Ansteckungsgefahr aus. Und auch die Bauarbeiter hätten sich wohl eher in der Enge der Pausenräume infiziert als bei der Tätigkeit unter freiem Himmel.

Corona in Hessen: Mahnung weiter auf Maske und Abstand zu achten

Der Leiter des Offenbacher Gesundheitsamts, Bernhard Bornhofen, registriert eine wachsende Sorglosigkeit. „Man sieht ja nicht die Schwerkranken in den Kliniken.“ Drei sind es aktuell in Offenbach. Hinzu kommen 23 mit leichten Symptomen, sodass sie sich in Isolation zu Hause auskurieren können. Mit ihnen stehen ihre Familienmitglieder unter Quarantäne sowie enge Kollegen. Aktuell sind das (Stand Freitag, 14 Uhr) 201 Menschen in Offenbach. Keine geringe Zahl für eine Stadt mit 140 000 Einwohnern.

Es gibt also keinen Grund, auf Maske und Abstand zu verzichten, mahnen Götsch und Bornhofen. Das Corona-Virus ist immer noch aktiv und forderte in Hessen am Freitag wieder ein Todesopfer. In Gelnhausen im Main-Kinzig-Kreis stehen zwei Flüchtlingsunterkünfte unter Quarantäne. Zwölf Bewohner sind inzwischen positiv getestet. Der Kreis Offenbach meldete am Donnerstag acht Neu-Infektionen in einer Gemeinschaftsunterkunft in Heusenstamm.

Corona in Hessen: Heimatbesuch aus Ländern mit grasierendem Corona-Virus sind im Fokus

Diese Einrichtungen unter Kontrolle zu bekommen ist einfacher als die Situation bei den Reiserückkehrern. Im Fokus der Behörden stehen dabei weniger Urlauber, die zwei Wochen in einem türkischen Hotel unter strengen Hygieneauflagen in der Sonne braten. Es geht um jene Leute, die auf Heimatbesuch waren, sagt der Offenbacher Gesundheitsamtschef: in Serbien, Albanien, Bosnien, Mazedonien, der Türkei, Marokko oder anderen Ländern, in denen das Corona-Virus stark zirkuliert. Täglich kämen neue Regionen hinzu. Unter Umständen muss die gesamte Familie in Quarantäne, wenn sich der Corona-Test am Flughafen als positiv erweist. Es komme auch vor, dass mancher aus Unwissen nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet wieder ungetestet die Arbeit antritt.

Corona in Hessen: Main-Kinzig-Kreis geht Sonderweg - Quarantäne für Rückkehrer

Der Corona-Test sei auch keine Garantie, sagt Götsch. Er sei nur eine Momentaufnahme. „Ich kenne eine Reihe von negativ Getesteten, die fünf Tagen später krank wurden.“ Der Main-Kinzig-Kreis gehe deshalb einen Sonderweg. Er hält an der Quarantänepflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten fest. Sie beinhaltet sogar alle, die mit ihnen zusammenwohnen – sofern sie in Schulen, Kindergärten, Pflegeheime oder Krankenhäuser arbeiten, dort betreut oder unterrichtet werden.

Gelassenheit herrscht im hessischen Sozialministerium: „Ein eintägiger Anstieg der Fallzahlen lässt keine Prognose zu“, sagt die stellvertretende Sprecherin Nadine Gersdorf auf FR-Anfrage. Zurückzuführen sei er auf „verschiedene kleinere Infektionsgeschehen“. Das Land stehe in engem Kontakt mit den Gesundheitsbehörden vor Ort.

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Rubriklistenbild: © Monika Müller

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