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Die Zentralstelle zur Bekämpfung von Internetkriminalität (ZIT), die bei der Generalstaatsanwaltschaft angesiedelt ist, hat es geschafft, beschlagnahmte Kryptowährungen, vor allem Bitcoin, aus kriminellen Geschäften zu echtem Geld zu machen.
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Die Zentralstelle zur Bekämpfung von Internetkriminalität (ZIT), die bei der Generalstaatsanwaltschaft angesiedelt ist, hat es geschafft, beschlagnahmte Kryptowährungen, vor allem Bitcoin, aus kriminellen Geschäften zu echtem Geld zu machen.

Kryptowährungen

100 Millionen für Hessen: Vermögen von Cyberkriminellen aus Darknet versilbert

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Der Verkauf von sichergestellten Kryptowährungen spült viel Geld in die hessische Landeskasse.

Frankfurt - Für das hessische Finanzministerium ist es ein unverhofftes Weihnachtsgeschenk. Die Zentralstelle zur Bekämpfung von Internetkriminalität (ZIT), die bei der Generalstaatsanwaltschaft angesiedelt ist, hat es geschafft, beschlagnahmte Kryptowährungen, vor allem Bitcoin, aus kriminellen Geschäften zu echtem Geld zu machen - konkret zu gut 100 Millionen Euro.

Das klingt erst einmal nicht unbedingt sensationell, ist es aber wohl doch. Und zwar in dem Maße, dass Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) die Arbeit der ZIT als „beispielgebend“ pries und sich so oft bei der zuständigen Oberstaatsanwältin Jana Ringwald bedankte, dass fast schon der Eindruck entstand, das käme von Herzen. Selbst der Chef der ZIT, Oberstaatsanwalt Andreas May, war vor Stolz auf seine Mitarbeiterin so aus dem Häuschen, dass er sie als Frau „Bitwald“ ansprach.

Hessen profitiert: Echte Euro aus virtuellem Geld

Die Hochgelobte durfte dann selbst vorstellen, worum es hier eigentlich ging. Nach längeren Ermittlungen hatte die ZIT im April 2019 nach langwierigen Ermittlungen die Betreiber des „Wallstreet Market“, des damals weltweit zweitgrößten Online-Marktplatzes für Drogen im Darknet, hochgenommen. Im Juli dieses Jahres waren die drei Angeklagten vom Landgericht Frankfurt zu Freiheitsstrafen von fünf bis acht Jahren verurteilt worden.

Das Strafmaß wäre wohl höher ausgefallen, hätten die drei nicht auf die Herausgabe ihrer illegalen Erlöse im Wert von damals geschätzten 40 Millionen Euro in Kryptowährungen verzichtet und den Ermittlern Zugriff auf ihre Wallets gewährt, Eine Wallet ist so eine Art virtueller Tresor, nur viel schwerer knackbar.

Dennoch sei damit für die Ermittler noch nicht viel gewonnen gewesen, so Ringwald. Neben den beschlagnahmten Bitcoin habe man noch neun andere Kryptowährungen am Hals gehabt – unter anderem eine mit dem Namen „Monero“, die offenbar ausnahmslos von Kriminellen genutzt wird und gegen die selbst der Bitcoin fast schon seriös wirkt.

Aber selbst die „seriösen“ Kryptowährungen seien in diesem Fall als Erlös aus kriminellen Geschäften „kontaminiert“ oder auch „geredflaggt“ gewesen – und damit bei Online-Händlern so beliebt wie ein falscher Fuffziger am Wasserhäuschen. Zudem habe es sich um eine so große Menge an Kryptowährung gehandelt, dass ein Verkauf en bloc den Kryptowährungsmarkt hätte erschüttern und die Kurse abstürzen lassen können. Was daran schlimm gewesen wäre, war kein Thema der Pressekonferenz.

Kryptowährungen scheinen wie eigens für die Cyberkriminellen erfunden

Um diese Aufgabe zu meistern, hatte sich die ZIT dann zu einer Zusammenarbeit mit dem Bankhaus Scheich aus Frankfurt entschlossen. Bei dem Geldinstitut handelt es sich um eine echte Frankfurter Bank, 1985 in der Mainstadt gegründet, aber auch irgendwie um eine virtuelle Bank, da sie im Gegensatz zu herkömmlichen Banken kein eigenes Hochhaus hat. Das inhabergeführte Bankhaus sieht sich nach eigenen Angaben „als Market Maker in Aktien, festverzinslichen Wertpapieren und digitalen Assets“.

Mit dieser Expertise hat Scheich die Aufgabe übernommen, die inkriminierte Kryptowährung zu versilbern, ohne die Märkte damit zu erschüttern. Laut Ringwald zu vergleichsweise fairen Konditionen: „Wir zahlen keine Provisionen.“ Das Bankhaus zahlt der ZIT stattdessen einen „marktgerechten Preis“, der sich nach den aktuellen Notierungen rechnet. Ob, und wenn ja, wie viel Reibach die Bank dann mit den Kryptowährungen macht, weiß auch die ZIT nicht, das liegt wohl im Geschick der Händler. Da die Kryptowährungen und ihre Kurse aber nicht einmal den Naturgesetzen unterworfen scheinen, muss man sich um die Scheich-Rendite wohl keine allzu großen Sorgen machen.

Die Zusammenarbeit in Hessen habe sich jedenfalls bewährt und solle auch künftig fortgesetzt werden. Denn die kriminellen Aktivitäten im Internet werden nicht weniger, und Kryptowährungen scheinen wie eigens für die Cyberkriminellen erfunden. Sie dürften auch in Zukunft in diesen Kreisen das alleingültige Zahlungsmittel bleiben. (Stefan Behr)

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