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Andreas Fath von der Hochschule Furtwangen posiert am Frankfurter Schwedlersee.
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Andreas Fath von der Hochschule Furtwangen posiert am Frankfurter Schwedlersee.

Wasserschutz in Hessen

Hessen: Initiative räumt das Mainufer auf

  • George Grodensky
    VonGeorge Grodensky
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Die Initiative Rhine-Cleanup widmet sich nicht mehr nur dem Gevatter Rhein, auch seinen Nebenflüssen in Hessen. Zum ersten Mal ist der Main Teil der Aktion.

Jedes Jahr gelangen 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen Plastikmüll in die Weltmeere. Eine Lastwagen-Ladung pro Minute, hat Greenpeace ausgerechnet. Aber natürlich liefern keine Spediteure den Unrat an. 80 Prozent des Mülls kommen über die Flüsse geschwommen. Darum räumt die Initiative Rhine-Cleanup, also die Rhein-Aufräumer, seit 2018 einmal im Jahr das Ufer des Stromes auf. Jedes Jahr kommen neue Abschnitte oder ganze Nebenflüsse dazu. Dieses Jahr ist erstmals der Main Teil der Aktion.

Am Samstag, 11. September, starten die Helferinnen und Helfer von 10 bis 14 Uhr. Es sind Familien, Vereine, Einzelpersonen. In Frankfurt, Flörsheim, Seligenstadt. Handschuhe, Greifzangen, Tüten stellt die Initiative. Im vergangenen Jahr haben sich rund 40 000 Menschen an der Aktion beteiligt. Sie haben etwa 500 Tonnen Müll gesammelt. „Müll, der dann nicht mehr in die Weltmeere gelangen kann“, sagt Initiator Joachim Umbach.

Der Müll schwimmt ja nicht einfach so davon. Flüsse wirken wie eine gigantische Mühle, erklärt Andreas Fath von der Hochschule Furtwangen. Felsbrocken der Alpen zermahlt der Rhein auf der Reise zum Meer zu feinen Sandkörnern. Plastikflaschen und To-go-Verpackungen zu Mikroplastik. Das wiederum ist ein Magnet für alle möglichen Stoffe, die nichts taugen. Was halt so im Wasser unterwegs ist. Medikamentenreste, Spülmittel, Korrosionsschutz, Düngemittel. Die Stoffe docken am Plastik an, das fressen die Fische, die landen wiederum auf dem Teller der Menschen. Guten Appetit!

Der Baden-Württemberger Fath ist Chemie-Professor und Wasserexperte, außerdem Naturschützer und Sportler. Einiges Aufsehen hat er erregt, als er 2014 den Rhein durchschwommen hat, von der Quelle bis zur Mündung. Sein Team hat dabei Wasserproben entnommen.

Ein Windstoß - und er liegt im Fluss: Plastikmüll am Offenbacher Mainufer.

Die hat er nun aufgefrischt. Auch am Main hat er das Wasser untersucht. Die gute Nachricht: In Rhein und Main ist die Wasserqualität eigentlich gut. Zwei Phänomene bereiten dem Wissenschaftler aber Unbehagen: die Leitfähigkeit hat zugenommen. Reines Wasser leitet keinen Strom, aber die Stoffe, die darin gelöst sind. Chloride, Sulfate oder Carbonate. Der zweite Indikator: Der CBS-Wert hat sich im Vergleich zu 2014 verdoppelt.

CBS steht für chemischer Sauerstoffbedarf, die Menge an Sauerstoff, die zur Oxidation der im Wasser enthaltenen Stoffe verbraucht würde. Ein hoher CBS-Wert gilt als Indiz, dass das Wasser verunreinigt sein könnte.

Für Fath deutet der Wert darauf hin, dass die Kläranlagen aktuell nicht alle Einleitungen verarbeiten können. Zumal der Starkregen so viel Wasser gebracht hat, dass manche Anlage gleich ohne Klärung in die Flüsse weiterleitet. „Es ist ein Signal, dass wir etwas tun müssen.“ Das beginnt beim Aufräumen. Zwei Effekte habe so ein Cleanup. Erstens wird das Ufer sauber. Zweitens macht der Anblick der Müllberge nachdenklich. Er habe die Zahl seiner gelben Säcke, also seinen Plastikverbrauch, inzwischen halbiert, sagt Fath.

Die Stabsstelle Sauberes Frankfurt unterstützt die Aktion. Sie bewirbt die Kampagne und übernimmt in Frankfurt die Entsorgung des gesammelten Mülls. „Wir freuen uns vor allem, wenn sich jemand die Mühe macht, die kleinen Sachen zu sammeln“, sagt Stabsstellenleiterin Claudia Gabriel. Kippenstummel, Kronkorken, Glasscherben. Wer mit leichtem Schuhwerk unterwegs ist, kann sich verletzen. Spielende Kinder sowieso. Wenn die Sonne stark scheint, droht über Scherben auch Feuergefahr. Ein Zigarettenfilter enthält um die 40 giftigen Stoffe, kann bis zu 40 Liter Trinkwasser verseuchen.

Die Stabsstelle verteilt derzeit auch Aschenbecher für unterwegs. Das ist ein kleines Döschen aus recyceltem Kunststoff. Am Boden ist eine kleine Aluplatte, damit sich der Stummel ausdrücken lässt. Fünf Prozent des Kunststoffs besteht aus alten Zigarettenfiltern.

Info und Anmeldung im Netz: www.maincleanup.org

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