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Der Große Frankfurter Bogen.

Hessen

„Großer Frankfurter Bogen“:  Flächenpotenzial für rund 200.000 Wohnungen

Wohnungsbauminister Tarek Al-Wazir will die Kommunen mit 75 Millionen Euro für den „Großen Frankfurter Bogen“ rund um Frankfurt gewinnen.

Die hessische Landesregierung wirbt intensiv bei Kommunen rund um Frankfurt und in der Metropole selbst, damit sie Wohnungen für den Ballungsraum schaffen. Wohnungsbauminister Tarek Al-Wazir (Grüne) will die Bürgermeister und Oberbürgermeister für das zweite Halbjahr 2019 zu einem Gespräch einladen. Das kündigte der Grünen-Politiker in einer Regierungserklärung am Montag im Hessischen Landtag an.

Er zielt dabei auf jene Kommunen, die mit der S-Bahn oder dem Regionalexpress nicht weiter als 30 Minuten vom Frankfurter Hauptbahnhof entfernt liegen. Al-Wazir nennt dieses Gebiet den „Großen Frankfurter Bogen“. Der Minister betonte, er habe das Gebiet aufgrund der Schienenstrecken definiert und überwinde damit „eine Siedlungsplanung, die sich in erster Linie an Straßen orientiert“.

Al-Wazir warnt davor, „blindlings drauflos zu planen“

In diesem Umkreis gebe es Flächenpotenziale für rund 200.000 Wohnungen, sagte Al-Wazir. Fast die Hälfte davon könne ohne Ausweisung neuer Baugebiete geschaffen werden, durch Nachverdichtung in bestehenden Baugebieten. „Man wohnt bezahlbar und hat alle Vorteile der Großstadt in bequemer Reichweite. Das ist das, was die meisten suchen“, erläuterte er.

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Die Landesregierung wolle den Kommunen in den nächsten vier Jahren insgesamt 75 Millionen Euro zur Verfügung stellen, um Bauland zu erschließen und Infrastruktur zu entwickeln. Der CDU-Abgeordnete Heiko Kasseckert unterstützte die Überlegungen zum „Großen Frankfurter Bogen“, fügte aber hinzu, man müsse auch das Wachstum der Region überprüfen.

Al-Wazir warnte davor, „blindlings drauflos zu planen“. Er nannte den von Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) ins Spiel gebrachten Stadtteil beidseits der A5 im Norden der Stadt als Beispiel. „Baugebiete, die von achtspurigen Autobahnen durchschnitten werden, sind gewiss nicht der Gipfel moderner Stadtplanung“, urteilte er.

Kritik an der Bezeichnung „Frankfurter Bogen“

Die SPD befürchtet, dass die notwendige Zusammenarbeit mit den Kommunen gerade nicht zustande kommt, wenn Al-Wazir einen solchen Ton anschlägt. Auch die Umlandgemeinden, etwa im Vordertaunus oder der Wetterau, würden kaum begeistert sein, als „Frankfurter“ Bogen bezeichnet zu werden, zeigte sich die SPD-Wohnungsbaupolitikerin Elke Barth überzeugt.

Sie kam ebenso wie der FDP-Abgeordnete Jürgen Lenders zu dem Schluss, Al-Wazir biete nicht mehr als ein neues „Schlagwort“. Beide fühlten sich an den „Frankfurter Kranz“ erinnert – auch weil der Minister bereits ein Logo für den „Bogen“ hat entwerfen lassen, das aus Sicht von Lenders eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Kuchen aufweist. Der Linke Jan Schalauske kam zu dem Schluss: „Mit immer neuen, wohlklingenden Programmen soll bloß vom eigenen Versagen abgelenkt werden.“ Er warb für massiven Zubau von Sozialwohnungen.

Die AfD lehnt hingegen das Prinzip von Sozialwohnungen ab, wie ihr Abgeordneter Dimitri Schulz sagte. Nicht der Wohnungsbau, sondern die Mieterinnen und Mieter müssten gefördert werden, etwa durch niedrigere Steuern.

Von Pitt v. Bebenburg

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