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Mit der Berufung Hans Joachim Mendigs (links) wollte der damals zuständige Minister Boris Rhein (rechts) der bis dahin kulturell ausgerichteten Filmförderung einen neo-liberalen Deckel aufsetzen.
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Mit der Berufung Hans Joachim Mendigs (links) wollte der damals zuständige Minister Boris Rhein (rechts) der bis dahin kulturell ausgerichteten Filmförderung einen neo-liberalen Deckel aufsetzen.

Hans Joachim Mendig

Hessen Film: Prozess offenbart Details über Rauswurf des Ex-Geschäftsführers

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Der ehemalige Hessen-Film-Geschäftsführer Hans Joachim Mendig steht vor Gericht seinem einstigen Arbeitgeber gegenüber. Dabei wird Interessantes über dessen Rauswurf bekannt.

Frankfurt - Hinter dem Rauswurf des ehemaligen Geschäftsführers der Hessen Film und Medien GmbH, Hans Joachim Mendig, steckt wohl noch mehr, als bislang bekannt war. Das wurde am Dienstag (27.07.2021) am Landgericht deutlich, wo sich Mendig derzeit mit seinem Ex-Arbeitgeber zivilrechtlich streitet. Es geht um einen Betrag von etwa einer Viertelmillion Euro, aber natürlich geht es auch ein bisschen um die Ehre.

Am 24. Juli 2019 hatte Mendig, damals noch in Amt und Würden, in einem Frankfurter Restaurant ein verhängnisvolles Abendessen mit dem PR-Berater Moritz Hunzinger und dem AfD-Politiker Jörg Meuthen. Noch am selben Tag postete Meuthen ein Bild des geselligen Beisammenseins und sprach von einem „angeregten und konstruktiven politischen Gedankenaustausch“. Zwei Monate lang interessierte das Foto niemanden. Dann wurde es im Journal Frankfurt veröffentlicht – und ein Sturm brach los.

Außerordentliche Kündigung für Mendig bei Hessen Film

Die Belegschaft der Hessen Film war entrüstet. Mehr als 300 kreative Köpfe aus der Filmbranche missbilligten in einer öffentlichen Erklärung Mendigs delikates Abendmahl. Einige sinnierten öffentlich darüber, die Zusammenarbeit mit der Hessen Film einzustellen. Der Aufsichtsrat unter dem Vorsitz der Hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn (Grüne), konnte kaum anders und beendete im September 2019 Mendigs Geschäftsführung – mit einer ordentlichen Kündigung.

Auch da konnte der Aufsichtsrat nicht anders. Doch mittlerweile ist, von der Öffentlichkeit unbemerkt, aus der ordentlichen eine außerordentliche Kündigung geworden, wie Ministerin Dorn im Zeugenstand mitteilte. Der Grund: Mendig soll die Urlaubsstatistik frisiert haben. Stein des Anstoßes sei laut Dorn eine anonyme E-Mail aus den Reihen der Hessen Film gewesen, die das Ministerium bereits vor Mendigs ordentlichem Rauswurf erreicht habe und in der dem damaligen Geschäftsführer etliche Vergehen nachgesagt worden seien – wobei sich lediglich die Urlaubsgeschichte habe verifizieren lassen.

Aufsichtsrat der Hessen Film fest von Mendigs Täterschaft überzeugt

Mendig soll kurz nach einem Urlaub eine Mitarbeiterin aufgefordert haben, fünf der Urlaubstage nachträglich wieder in Arbeitstage umzuwandeln, weil er an diesen so fordernden Beschäftigungen wie „E-Mail-Verkehr lesen“ nachgegangen sei. Der Mitarbeiterin kam das seltsam vor, schließlich werden Geschäftsführer ja nicht fürs Arbeiten bezahlt. Dieser Meinung sind im Übrigen auch die Gerichte, weswegen Arbeitsprozesse von Geschäftsführern auch nicht vor dem Arbeits-, sondern dem Landgericht landen, da Geschäftsführer nicht mit Arbeitnehmern – also arbeitenden Menschen – vergleichbar seien.

Jedenfalls weigerte die Frau sich, die Tage umzuwandeln. Ein paar Tage später waren sie es dann wie von Geisterhand doch – irgendwer hatte die Statistik bearbeitet. Offenbar ist der Aufsichtsrat der Hessen Film fest von Mendigs Täterschaft überzeugt. Seltsam ist nur, dass es bislang niemand für nötig erachtet hat, mit Mendig selbst über den Vorwurf zu sprechen. Das sei „nach rechtlicher Bewertung nicht notwendig“ gewesen, sagt Dorn. Die allgemeinen Regeln menschlichen Anstands erwähnt sie dabei nicht.

Mendig sorgt wieder für Kopfschütteln

Eine Entscheidung in dem Fall kann noch dauern, der nächste Prozesstag ist erst für nächstes Jahr geplant. Mendigs Anwalt hält die Vorwürfe für vorgeschoben – sein Mandant habe das gar nicht nötig gehabt, da er sich in seinem Vertrag die Freiheit habe garantieren lassen, so viel Urlaub nehmen zu dürfen, wie er lustig gewesen sei. Monetär geht es bei der Frage ordentliche oder außerordentliche Kündigung um die Auszahlung zweier Jahresgehälter. Davon ließen sich etliche Abendessen bezahlen.

Nur bei der Auswahl seiner Tischgenossen scheint Mendigs Geschmack etwas festgefahren. Zuletzt sorgte der nun als freiberuflicher Marketing- und PR-Berater tätige Ex-Geschäftsführer für Kopfschütteln, als er dem Kuratorium der Bürger für Frankfurt beitrat. Da hockt er nun mit Gestalten wie Wolfgang Hübner und Mathias Mund an einem Tisch – die beide zumindest in der lokalen Rechtspopulistenszene einen gewissen Ruf genießen. (Stefan Behr)

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