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Hessen: Evangelische Kirche billigt Waffenlieferungen an Ukraine

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Von: Peter Hanack

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Wer angegriffen wird, darf sich verteidigen und Hilfe erwarten. Auch in Form von Waffen. Das jedenfalls finden die Mitglieder der evangelischen Synode.
Wer angegriffen wird, darf sich verteidigen und Hilfe erwarten. Auch in Form von Waffen. Das jedenfalls finden die Mitglieder der evangelischen Synode. © AFP

Synode der EKHN hält Selbstverteidigung für rechtens. Die Resolution der Synode in Frankfurt wurde einstimmig verabschiedet. Ärger gibt es um die russisch-orthodoxe Kirche in Russland.

Die Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) steht in weiten Teilen im Zeichen des Kriegs in der Ukraine. Zugleich wandte sich Kirchenpräsident Volker Jung gegen Forderungen, die russisch-orthodoxe Kirche aus dem Ökumenischen Rat auszuschließen oder die EKHN gegen die katholische Kirche abzugrenzen.

In einer Resolution, die am Freitag in Frankfurt einstimmig verabschiedet wurde, hat sich die Synode mit den Menschen in der Ukraine solidarisch erklärt. „Unsere Gedanken und Gebete sind besonders bei den Menschen in der Ukraine, die entsetzliche Gewalt und Krieg erfahren“, heißt es darin. Es sei ihr Recht, ihr Leben und ihr Land gegen den Angriff [Russlands] zu verteidigen.

Die Mitglieder der Synode billigten zudem Sanktionen gegen den Aggressor Russland sowie Waffenlieferungen an die Ukraine. Ziele müssten aber zugleich ein Waffenstillstand sein und Verhandlungen, die ein friedliches Zusammenleben ermöglichten.

DAs Kirchenparlament der EKHN

Die Synode , vergleichbar einem Parlament, tagt noch bis zum heutigen Samstag in Frankfurt. Sie hat 120 Mitglieder, 20 weniger als bisher.

Birgit Pfeiffer (61) , Medizinerin aus Mainz, ist die erste Frau, die zur Präses (Vorsitzenden) gewählt wurde. Der Frauenanteil in der neu konstituierten Synode stieg von 37 auf 44,5 Prozent.

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) wurde vor 75 Jahren gegründet. Sie hat rund 1,5 Millionen Mitglieder in 1103 Gemeinden. pgh

Kirchenpräsident Jung forderte angesichts des Krieges in der Ukraine die stetige Verbindung von Waffenlieferungen und diplomatischen Bemühungen. Er sprach sich am Freitag für einen „Verantwortungspazifismus“ aus. Dieser müsse Frieden zum Ziel haben, dürfe aber nicht das Selbstverteidigungsrecht eines Landes in Frage stellen.

Dabei sei es unbedingt nötig, so Jung, weitere Eskalationen zu vermeiden. Mögliche Folgewirkungen von Entscheidungen müssten sehr sorgfältig geprüft werden. Es bestehe die Gefahr, dass andere Länder in den Krieg hineingezogen würden und militärische Gewalt eskaliere. Auch in der aktuellen Situation dürfe es keine fortschreitende „Militarisierung des Politischen“ geben.

„Gotteslästerlich“

Junge wandte sich dagegen, die russisch-orthodoxe Kirche aus dem Ökumenischen Rat der Kirchen auszuschließen. Damit würde man auch die Kirchenmitglieder in der Ukraine treffen. Jung hatte den Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche, Kyrill I., mehrfach wegen dessen Rechtfertigung des russischen Überfalls auf die Ukraine kritisiert. Ein Angriffskrieg stehe in eklatantem Widerspruch zu den Evangelien, die Äußerungen Kyrills seien „unerträglich und gotteslästerlich“, sagte er.

Ebenso wandte sich Jung gegen Forderungen nach einer Abgrenzung der evangelischen von der katholischen Kirche. Die evangelisch-katholische Ökumene sei außerordentlich wichtig „für unsere Gemeinden und auch für die Wahrnehmung der Kirchen in der gesamten Gesellschaft“, so Jung. Weil die katholische Kirche in der Folge des Missbrauchsskandals in großem Umfang Mitglieder verliert, würden „immer wieder Stimmen laut, die evangelische Kirche möge sich doch stärker von der katholischen Kirche abgrenzen“, sagte Jung. Trotzdem sei „Abgrenzung nicht der richtige Weg in der Ökumene“. mit epd

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