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Die AWO muss sich erneuern. 

AWO-Affäre 

Hessen: AWO-Bezirksvorstandsucht nach Ausweg aus der Krise

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Krisensitzung am Mittwoch in Frankfurt. AWO-Bundesspitze fordert „ordnungsgemäßeGeschäftsführung“, sonst gibt es kein Geld mehr aus Berlin.

Zur Krisensitzung kommt der Vorstand des Bezirks Hessen-Süd der Arbeiterwohlfahrt (AWO) am heutigen Mittwoch in Frankfurt zusammen. Es geht um die Perspektive für die 3300 Beschäftigten der Wohlfahrtsorganisation in Südhessen, die dort 80 Einrichtungen vom Altenheim über Kitas bis zum Jugendclub betreibt.

Und es geht darum, so schnell wie möglich die Führungskrise an der Spitze des Bezirks zu überwinden. Noch immer verhandelt der Bezirksvorstand mit dem bisherigen Bezirksgeschäftsführer Ansgar Dittmar darüber, wie einvernehmlich dessen Arbeitsverhältnis beendet werden könnte. Wie lange dieser Poker dauert, ist „unklar“, wie der Sprecher des AWO-Bezirks, Swen Klingelhöfer, der FR sagte.

In den Fokus rückt in dieser prekären Situation der 73-jährige Willy Jost als Vorsitzender des Vorstands des Bezirks Hessen-Süd. Der erfahrene Kommunalpolitiker aus Großen-Buseck bei Gießen stieg bis zum Direktor der Deutschen Bundesbank in Frankfurt auf.

Im Jahr 1991 verließ der langjährige Sozialdemokrat diesen Posten, um Stadtkämmerer von Gießen zu werden. Bis 2001 bekleidete er dieses Amt. Jost und der Bezirksvorstand müssen bei der Sitzung am heutigen Mittwoch schwierige Fragen beantworten.

Der AWO-Bezirk trägt zudem eine Auseinandersetzung mit der AWO-Bundesspitze in Berlin aus. Derzeit leitet der Bundesverband keine Zuschüsse mehr an den Bezirk weiter. Das bedeutet für den Bezirk eine erhebliche Einbuße. Der Vorsitzende des AWO-Bundesvorstands, Wolfgang Stadler, hatte schon 2019 auf Veränderungen und einen Reformprozess auch im Bezirk Hessen-Süd gedrungen. Denn der Sozialdemokrat Ansgar Dittmar wurde nicht nur am 1. Juni 2019 als Geschäftsführer des Bezirks Hessen-Süd berufen, sondern er war auch Vorsitzender des Präsidiums des AWO-Kreisverbands Frankfurt. Also der AWO-Formation, die jetzt im Zentrum der gesamten Affäre steht.

Jennifer Rotter, die Sprecherin des AWO-Bundesverbands, sagte am Dienstagabend, der Bundesverband habe „die Ablösung von Herrn Dittmar nie konkret gefordert“. Allerdings sei gemäß den Verträgen zur Weiterleitung von Zuwendungsmitteln die Weiterleitung „unter anderem an eine ordnungsgemäße Geschäftsführung gebunden“. Wenn der Bezirksverband Hessen-Süd darlege, „dass eine uneingeschränkt ordnungsgemäße Geschäftsführung gegeben ist“, werde der Bezirksverband „seinen Anteil an den vom Bundesverband verwalteten Zuwendungsmitteln erhalten“.

Bezirkssprecher Klingelhöfer verwies auf die drei Fachbereichsleiter des Bezirks. Sie blieben auf jeden Fall weiter im Amt, so dass die Arbeit gesichert sei.

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