Justiz II

Herrscher über Sarah Lombardis Konto

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Bei einem Amtsgerichtsprozess geht es gegen einen Hacker. Besonders schwer haben es ihm seine Opfer nicht gemacht.

Der Prozess gegen Dominik B. ist einer, bei dem man sich sehr schnell sehr alt fühlt. Und das nicht nur, weil er kein Ende finden will. Sondern weil man manche Verbrechen der modernen Welt nicht mehr so recht versteht.

Der 26 Jahre alte Offenbacher muss sich wegen Ausspähens und Veränderns von Daten verantworten. Er hatte zwischen November 2016 bis Juli 2017 die Facebook- beziehungsweise Instagram-Accounts von mindestens drei Usern, darunter das Pop-Sternchen Sarah Lombardi, gehackt und unter seine Kontrolle gebracht. Das war’s dann aber auch schon. B, veränderte nur wenig auf den Seiten, löschte ein bisschen was und nannte ein bisschen was um.

Warum macht einer sowas? „Mein Mandant hat sich im Internet wichtiger gefühlt als im wahren Leben“, sagt sein Anwalt. „Ich habe es genossen, die Gewalt über diese Konten zu haben“, bestätigt B., der wegen solchen Unfugs auch schon zweimal verurteilt worden war. Mittlerweile aber sei er geläutert, beteuert er, und außerdem offline. Seinen Computer habe er abgeschafft, „mit dem will ich nichts mehr zu tun haben!“

Besonders schwer haben es ihm seine Opfer nicht gemacht. Sarah Lombardi etwa schöpfte keinen Verdacht, als B. ihr eine E-Mail schrieb, in dem er sich als Mitarbeiter der Facebook-Sicherheitstruppe vorstellte, hinter seine E-Mail-Adresse aber ein „t-online.de“ hängte. Auch dass diese Mails sämtlich Festivals der Rechtschreibfehler waren, entging der Aufmerksamkeit der Sängerin. Sie verriet ihm daher – wie die anderen Opfer auch – ihr Passwort, welches für sämtliche sozialen Netzwerke identisch war.

Als Nebenkläger tritt Felix L. auf, der nach eigenen Angaben im Netz mit seinen „lustigen Pranks“ und der Wahrheit über „Emoji-Bedeutungen“ eine Legion von Followern gehabt hätte, die ihm durch die Alfanzereien B.s aber sämtlich von der Fahne gegangen seien. Jetzt hätte er gerne 9000 Euro von B., aber solch ein Ansinnen hat in einem Strafprozess selbst mit Anwalt eher geringe Aussichten. L. hat auf einen Anwalt verzichtet. Zumindest das ist leidlich lustig.

Am Ende wird Dominik B. zu einer Geldstrafe von 300 Tagessätzen à 20 Euro verurteilt. Der Staatsanwalt sagt, so ein gehackter Instagram-Account stelle gerade für eine Künstlerin wie Sarah Lombardi einen „enormen Imageverlust“ da, und wenn der Staatsanwalt sowas sagt, dann ist da womöglich was dran. Man muss ja auch nicht immer alles verstehen.

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