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Der Frankfurter Herbstmarkt mit vielen kunsthandwerklichen Arbeiten im Dominikanerkloster. Wie hier Glaskunst von Leo Streukins.  

Herbstmarkt

Herbstmarkt in Frankfurt: „Ich klöpple auch Engelchen“

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Im Dominikanerkloster gab es  in der Frankfurter Innenstadt skandalfreie Wurst, Stimmungseulen und selbstgemachten Zwetschgen-Ketchup zu kaufen.

Früher war Hilmar Köneke Finanzbeamter. Schon da habe das mit dem Kreativsein angefangen, erzählt der Rentner. Zum dritten Mal verkauft der 75-Jährige aus Bad Vilbel seine beleuchtenden Holzarbeiten auf dem Herbstmarkt im Frankfurter Dominikanerkloster. „Meistens mache ich Weihnachtsdekorationen, alles mit der elektronischen Säge im Keller zu Hause. „Meine Frau macht vorab die Zeichnungen“, erzählt er.

Am Samstag und Sonntag konnten die Besucherinnen und Besucher viel Kunsthandwerk, aber auch, wie es auf dem Schild steht, „garantiert skandalfreie Wurst“ aus Hausschlachtung kaufen. Der Erlös kommt dem Landesverband Hessen in der Deutschen Multiplen Sklerose Gesellschaft (DMSG) und örtlichen MS-Gruppen zugute, die den Kassendienst übernehmen. Seit 1989 gibt es den Herbstmarkt bereits.

Jo Winter ist mit seiner Frau Rita aus Bingen angereist. Der Rentner war früher Informatiker. Schon seit 30 Jahren ist er kreativ am Handwerken. Sehr gefragt seien seine Stimmungseulen. „Drehen Sie mal den Kopf“, sagt er zu einer potenziellen Kundin. Denn durch das Drehen des Eulen-Holzkopfes sieht die Eule entweder traurig, flirtend oder neugierig aus. Je nach Größe kosten die Eulen 23 bis 120 Euro. „Ach, goldig!“, sagt eine der vielen Besucherinnen an diesem Samstag, als sie einen selbst genähten Adventskalender entdeckt.

Monika Schonard aus Maintal-Wachenbuchen klöppelt derweil an einem Loop-Schal aus Seide. Seit der Premiere des Herbstmarktes ist sie dabei. „Ich klöpple auch Engelchen, Glaskugeln, Mäuse und Glückwunschkarten“, erzählt sie.

Eine Besucherin ist hier, weil sie eine Blume aus Porzellan vor vier Wochen auf dem Kunstmarkt in Ober-Erlenbach entdeckt hat und diese aber als Brosche haben wollte. „Die Dame hat das jetzt extra für mich angefertigt, und ich hole es hier gleich ab“, sagt sie.

Aus Rödermark angereist ist Anette Hille. Sie verkauft Marmeladen, Chutneys, aber auch Bio-Walnussöl. Alles komme aus dem hauseigenen Garten: Obst, Gemüse, Nüsse. Dabei ist sie auch kreativ: Sie bietet drei Sorten Ketchup an: Kürbis-, Zwetschgen- und eben Tomatenketchup. „Aber auch mein Tomatenketchup hat viel weniger Zucker als der im Handel übliche. Auf drei Kilo Ketchup kommen nur zwei Esslöffel.“ Ihre eingekochte Kürbissuppe halte ein Jahr – und das ohne Konservierungsstoffe und Zucker. „Die Leute haben verlernt, so zu kochen, dass man nichts wegwerfen muss“, sagt Hille. 

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