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Diese Jugend heutzutage ... Palmengartenbesucherinnen, mobil digital zwischen Herbstblumen.

Palmengarten in Frankfurt

Zumindest im Palmengarten ist es Herbst

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Der Palmengarten im Frankfurter Westend erinnert in seiner aktuellen Ausstellung an eine längst vergessene Jahreszeit - den Herbst.

Diese Sache mit den vier Jahreszeiten … Die meisten Leute wissen ja, dass die Natur das nicht mehr so ernst nimmt. Wenn ihr mich nicht ernst nehmt, hat sie gesagt, die Natur, mache ich halt auch, was ich will, lasse es mal ein Jahr lang gar nicht regnen und strecke den Sommer von April bis Oktober. Ätschi.

Wer aber gern wieder mal erleben will, wie so ein Herbst aussah, damals, der hat jetzt im Palmengarten eine gute Gelegenheit: „Blumen des Herbstes“ heißt es dort für die nächsten 17 Tage.

Zur Eröffnung am Donnerstag sind besonders viele Gäste gekommen, mit gutem Grund: Die neue Palmengartendirektorin Katja Heubach, seit Anfang September im Amt, hält zum ersten Mal die Begrüßungsrede. Auch für sie sei es ein besonderer Moment, gesteht sie – „denn ich bin ja die Neue“. Die Leute lächeln ihr ein heiteres Willkommen entgegen.

Bisher habe sie von den Ausstellungen stets nur das Ergebnis gekannt, sagt Katja Heubach, jetzt aber besitze sie die Zugangsberechtigung zum Prozess des Entstehens. Da bleibe ihr nur zu sagen: „großen Respekt für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“. Für die Arbeit, von der Erde bis zur Pflanze, die in solch einer Schau stecke.

Die vorangegangene Erntedankausstellung sei ja „ein wahnsinniger Farbenknaller“ gewesen, blickt sie zurück. Der Herbst und seine Blumen folgten nun mit etwas mehr Dezenz. Die Schau gebe auch Anregungen für herbstliche Deko zu Hause. Und der Blick durch die gläserne Galerie nach draußen werde sich in den nächsten Wochen noch verändern, wenn die Bäume ihr Kleid verlieren; mithin verändert sich auch die Ausstellung drinnen.

Bunt ist sie in der Tat. Blau, lila, violett, orange und gelb lassen sich die Blüten blicken. „Klassiker der Herbstpflanzung“ haben Jonas Glaser und sein Galeriegestaltungsteam arrangiert, Salbei, Bergenien, Johanniskraut, Erika, Calluna, Fetthenne, Heuchera, dazu Bäumchen, hier eine Laube, da eine Pflanzeninsel – aber das Laub hätten sie schon ein wenig zusammenfegen können, Herr Glaser! Er lacht. „Ja, die Kollegen haben es draußen weggeräumt, und ich hab’s hier wieder hingeräumt.“

Es ist natürlich ein Dekorationselement, das Laub, so wie der Rindenmulch und an der Wand die Herbstkränze. Alles stimmig arrangiert – wie so ein echter Herbst draußen, nur halt drinnen. Besonders schön: dieses Gebimsel oben an den langen Grasbüscheln. Wie heißt das gleich? „Rispen“, hilft Jürgen Smentek weiter, der Ausbilder der Palmengärtner. Die bange Frage, ob der Klimawandel auch unsere Herbstblumen verändere, etwa zu Sommerblumen mache, beantwortet er auf beruhigende Art: „Es hat sich vielleicht zeitlich ein bisschen verschoben. Aber die Herbstblumen bleiben Herbstblumen.“

Eine Dame nähert sich mit einem Knuff in die Seite: „Na?“ Sie zeigt auf zarte Blümelein. „Herz-Jesu-Träne? Stiefmütterchen?“ Und geht lachend weiter. Jürgen Smentek blickt ihr hinterher. „Die Leute, die hierherkommen“, sagt er, „die haben schon das Feeling.“

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