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"König der Tiere" scheint aus der Zeit gefallen.

"König der Tiere"

Anachronismus

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Die Ausstellung "König der Tiere" in der Schirn über den Kolonial-Maler Wilhelm Kuhnert ist einer der wenigen Fehlschläge in einer langen Reihe von Erfolgen. Der FR-Kommentar.

In ihrer 32-jährigen Geschichte hat die Kunsthalle Schirn in Frankfurt viele bemerkenswerte, künstlerisch herausragende und provokante Ausstellungen gezeigt. Der Bogen spannt sich von Wassili Kandinsky (1989) über Henri Matisse (2002) bis hin zu Daniel Richter (2015). Dabei sind auch immer wieder Künstlerinnen, die in einer männlich dominierten Kunstwelt übergangen worden waren, ins verdiente Rampenlicht gerückt worden. 

Die gegenwärtige Ausstellung über den deutschen Kolonial-Maler Wilhelm Kuhnert allerdings kann als einer der wenigen Fehlschläge in dieser langen Reihe von Erfolgen gewertet werden. Schon der Titel „König der Tiere“ verrät, dass hier etwas in Schieflage geraten ist. Mehr als 100 Jahre nach den Verbrechen des deutschen Kolonialsystems in Afrika kann die Aufarbeitung nicht geleistet werden, indem man die großformatigen Gemälde eines deutschen Malers des 19. Jahrhunderts über die Tierwelt des Kontinents in den Mittelpunkt einer Schau stellt. 

Löwen und Elefanten schauen dich an, dazwischen malerisch drapierte Eingeborene mit einer eindrucksvollen Parade von Stoßzähnen. Und dort baumelt noch ein gehängter Afrikaner. Zwangsläufig wird auf diese Weise der kolonialistische Blick reproduziert. 

Auch wenn die korrigierten Texte der Ausstellung jetzt noch mehr davon erzählen, dass Kuhnert Teil des Kolonialsystems war – der grundsätzliche Ansatz bleibt falsch. Bestenfalls hätten einige Bilder des Deutschen Teil einer Ausstellung sein können, die den kolonialistischen Blick von Künstlern kritisch aufarbeitet. 

So aber erscheint „König der Tiere“ aus der Zeit gefallen. Die Benennung der Schuld, die die Kolonialmächte auch in der Kunstwelt auf sich luden, ist längst weiter. In dieser Woche präsentiert der französische Präsident Emmanuel Macron Ergebnisse einer Kommission, die sich mit der Restitution kolonialer Raubkunst beschäftigte. 

Auch in Deutschland ist gegenwärtig eine heftige Debatte darüber im Gange, ob nicht viele Kunstwerke, die aus Afrika oder Asien stammen, zurückgegeben werden müssen. Viele Künstler und Wissenschaftler aus den Ländern dort melden sich lautstark kritisch zu Wort. Vor diesem Hintergrund wirkt „König der Tiere“ wie ein Anachronismus. 

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