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Jahrelang habe er auf den Stoltze-Preis hingearbeitet, sagt Hans Traxer. Jetzt hat er ihn.

Friedrich-Stoltze-Preis

Hans Traxler mit Stoltze-Preis geehrt

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Die Humoristen-Legende Hans Traxler schenkte der Welt einst den Elch. Für diese und andere Leistungen erhält der 89-Jährige den Friedrich-Stoltze-Preis. Es wurde auch Zeit.

Jeder hat so seinen Hering zu tragen. Hans Traxlers Hering ist der Elch.

Und die Last wird nicht leichter. Seit Mittwoch ist der 89 Jahre alte Maler, Cartoonist, Illustrator und Autor von Kinder- und Erwachsenenbüchern auch noch Träger des Friedrich-Stoltze-Preises. Und erinnert in seiner Dankesrede im rappelvollen Kaisersaal des Römers daran, dass „keiner die Kontrolle hat, mit welchem Werk er in das kollektive Gedächtnis eingeht“. Bismarck etwa, der eisernste aller Kanzler und Jahrhundert-Staatsmann, sei heute bloß noch wegen des eingelegten Herings in aller Munde. Und Friedrich Stoltze, der große Dichter, Demokrat, Humorist und Freiheitskämpfer, werde heute fast nur noch mit dem sattsam bekannten Spruch „Un es will merr net in mein Kopp enei: Wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!“ zitiert. Dabei wirke der Satz für sich alleine aus heutiger Sicht eher engstirnig, offenbachverachtend, ausgrenzend, ja „irgendwie rechts“.

Hans Traxler ist Frankfurter. Aber er is net von Frankfort. Wie alle weiteren Gründerväter der Neuen Frankfurter Schule kommt er von auswärts: Traxler wird 1929 im böhmischen Herrlich geboren. Seit 1951 lebt er am Main. Und leistet hier Großes: Er studiert im Städel, ab 1962 zeichnet er für das Satiremagazin „Pardon“, 1979 wird er Mitbegründer des Nachfolgemagazins „Titanic“. 1963 bringt er das Buch „Die Wahrheit über Hänsel und Gretel“ heraus, eine bis heute unerreichte Märchenforschungs-Mockumentary, die ihm ewigen Ruhm und temporäre Ermittlungen wegen Betrugs einbringt. Gemeinsam mit Pit Knorr erschafft er für die Titanic die populäre Comicfigur „Birne“, mit der er sich am „vermeintlich ewigen Kanzler“ Helmut Kohl abarbeitet wie weiland Stoltze an Bismarck.

Er illustriert Heine, Tucholsky, Twain und Konsorten. Er schenkt seiner Wahlheimat das „Ich“-Denkmal nahe der Gerbermühle. Und natürlich den Elch, der vor dem Caricatura-Museum Wache steht. Der ewige Elch. Er lässt Traxler nicht los.

Nachdem Lutz Riehl mit einem Stoltze-Lied („Un es will merr net in mein Kopp enei…“) die Preisverleihung eröffnet hat, erwähnt Kulturdezernentin Ina Hartwig, dass, wenn man an Traxler denke, einem sofort der Wahlspruch der Neuen Frankfurter Schule einfalle: „Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche.“

Das mag ja so sein, aber ausnahmsweise ist Traxler in diesem Fall völlig unschuldig: Der Spruch entstand in einer Winternacht in den 60ern, als Robert Gernhardt, F. K. Waechter und F. W. Bernstein auf einer Autofahrt von Paris nach Colmar um die Wette blödelten. „Die schärfsten Kritiker der Elche wären gerne selber welche“, dichtete Bernstein, „Die größten Kritiker der Molche waren früher ebensolche“, konterte Gernhardt. Das heute bekannte Zitat ist also eine Symbiose, an der große Geister beteiligt waren. Nur nicht Hans Traxler. Der hat dem Elch lediglich Gestalt verliehen.

Ist aber egal: Den Stoltze-Preis, der von der Frankfurter Sparkasse und den Stiftungen Giersch vergeben wird, hat Traxler mehr als verdient. Und es ist so ziemlich der einzige, der in seiner Sammlung fehlt: Die Goetheplakette, den Wilhelm-Busch-, Sondermann- und Binding-Kulturpreis hat er schon, den Göttinger Elch sowieso. „Ich habe jahrelang nichts unversucht gelassen, die Aufmerksamkeit der Juroren des Stoltze-Preises zu erwecken“, gesteht Traxler in seiner Dankesrede. Am Ende hat’s dann ja geklappt, Elch sei Dank!

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