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Jubiläum

Heldentaten vom Teufelsbraten

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Das Caricatura-Museum feiert sein zehnjähriges Bestehen und beschenkt sich selbst – mit einem Buch und einem Fest am Sonntag, 30. September.

Vor die Freudentränen hat der liebe Gott den Mühsalsschweiß gesetzt. Achim Frenz, Leiter des Caricatura-Museums, steht seinem großen Vorbild in nichts nach. Denn bevor der knapp 200 Seiten starke Wälzer „Im Zeichen des Elchs – 10 Jahre Caricatura“ seine humoristischen Kleinodien freigibt, geschmiedet von Meistern wie Gernhardt, Bernstein, Traxler, Greser & Lenz, hat der Herausgeber Frenz drei Grußworte von OB Peter Feldmann, Kulturdezernentin Ina Hartwig und Jan Gerchow, Chef des Historischen Museums (zu dem auch die Caricatura gehört), gesetzt. Wer die gelesen hat, der weiß, wie ernst die Welt sein kann, und wird den Segen der Komischen Kunst umso mehr zu schätzen wissen.

Es sind ganz eigene Bilder und Texte, die für den Jubiläumsband entstanden sind. Hans Traxler etwa, wie er gemeinsam mit OB Petra Roth den von ihm erschaffenen Elch enthüllte, der noch heute über die Caricatura wacht. Wie es da blitzte, donnerte und stürmte, „als wollte der Gott, der gleich daneben im Dom angebetet wird, seinen allerhöchsten Groll darüber ausdrücken (...), dass sie statt eines Säulenheiligen auch noch einen Götzen, halb Mensch, halb Tier, vor dem Eingang auf ein Podest stellten“. Der Zeichner Stephan Rürup hat einen Comicstrip gezeichnet, der zum 100. Geburtstag der Caricatura spielt – einer Zeit, in der die von Frenz derzeit noch angestrebte Weltherrschaft des Humors längst Tatsache ist. Rudi Hurzlmeier huldigt Frenz gar in Versen. Sie enden mit „Zahllos sind deine Heldentaten / Ruhmreicher Frenz, du Teufelsbraten.“

Nicht alles ist neu. Man kann in dem Buch auch Robert Gernhardt beim Bummel durch die Stadt 2005 begleiten und Zeuge sein, wie Gernhardt am Ende des Spaziergangs auch noch einen idealen Standort für die damals noch im Historischen Museum eingepferchte Caricatura findet, und zwar im Literaturhaus am Mainufer. Heute weiß man: Das war einer der wenigen Momente, in denen Gernhardt irrte.

Die Caricatura aber, die sich zum zehnten Geburtstag das Buch und ein Fest im Mousonturm schenkt, brummt wie nie zuvor. Mindestens 70 000 Gäste, so rechnet Frenz hoch, werden bis Ende des Jahres das Haus besucht haben. Ein Rekord, der auch dem Otto-Motor zu verdanken ist: Die Waalkes-Ausstellung hat die Erwartungen als Publikumsmagnet erfüllt. Getrübt wird die allgemeine Festtagsstimmung höchstens durch leichte Interferenzen, die sich in jüngster Vergangenheit zwischen Frenz und Gerchow aufgestaut haben. Der Direktor des in die Flegeljahre kommenden Komikmuseums fühlt sich von seinem Vorgesetzten ein wenig unterbudgetiert und überreglementiert, dem Historischen Museumsdirektor missfällt es wohl, dass Frenz höchstens auf Zuruf sein Zimmer aufräumt und heimlich raucht beziehungsweise mit der Presse spricht.

Aber prinzipiell ist Frenz weiter guter Dinge. „Die Stadt Frankfurt hat anlässlich des Zehn-Jahre-Jubiläums dem Museum eine Altstadt gebaut“, freut sich Frenz in der Jubiläumsschrift. Damit dürfte selbst Otto in den kommenden Jahren kaum mehr vonnöten sein.

Das Buch: „Im Zeichen des Elchs / 10 Jahre Caricatura-Museum für Komische Kunst“, Redaktion Mark-Stefan Tietze, 10 Euro, erhältlich ab sofort im Museumsshop der Caricatura, Weckmarkt 17.

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