Frankfurt: Freitagnacht am Main: ruhig.
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Freitagnacht am Main: ruhig.

Frankfurt Friedberger Platz

Reportage: Corona-Partynächte in Frankfurt - Alkohol ja, Masken nein

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Auf der Suche nach den Hotspots der Feiernden in Corona-Zeiten: Die Spur führt am Wochenende in Frankfurt schon wieder einmal ins Nordend. Die Polizei resümiert: keine Probleme.

  • Frankfurter Nachtleben unter Corona-Bedingungen
  • Geregelte Events in Frankfurter Innenstadt ermöglichen Partynächte
  • Der Friedberger Platz im Nordend ist wie gewohnt voll mit Menschen
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Frankfurt – Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da. Und wer ratzt schon gut, wenn um 23 Uhr noch dreißig Grad durchs Schlafzimmerfenster rein wollen. Also hat sich die Redaktion überlegt: Wir schicken mal den Typen, der Wochenenddienst hat, auf Reportage ins Frankfurter Nachtleben der Stadtjugend unter besonderer Berücksichtigung der Rudelbildung unter Corona-Bedingungen. Auch wenn dieser Typ seine Jugend schon ungefähr so lang hinter sich hat wie die Sesamstraße ihre beste Zeit mit Bibo, Oscar, Bob und Susan.

Dann los. Die Nacht – hier: Freitag auf Samstag – beginnt um 19 Uhr mit einem Abend der sehr schönen Reihe „Mukke im Gadde“, nämlich im „Neuen Frankfurter Garten“ am Ostbahnhof. Da stehen mit vorbildlichem Abstand voneinander bequeme Liegestühle, das Publikum trägt Mund-Nasen-Schutz, bis es sich auf seine Plätze plumpsen lässt, und auf der Bühne geben zunächst das Erfolgsduo Platzregen und dann das Trio Tongärtner, zeitweise als Quartett, ihr Bestes.

Corona-Partynächte in Frankfurt: Die Reise beginnt am Ostbahnhof

Platzregen mit seinen Protagonisten Groupel Shower (reitet singend das Schlagzeugpferd „Jolly Jumper“) und Neezel Reagan (Gitarre, Gesang) bedauert, kein echtes Nass vom Himmel im Repertoire zu haben und versprüht ersatzweise die besten Songs der Musikgeschichte in erfrischend eigenen Versionen, von Police über die Beatles und die Foo Fighters, bis die Ärzte kommen. Die Tongärtner, bekannt durch fruchtbare Auftritte unter anderem in Frankfurter Grünanlagen, bestechen danach mit deutschsprachigen Songs über Liebe, Klima, Solidarität. Die Band um die Brüder Löw (Gesang, Gitarren, Schlagwerk) und Bassist Dennis Bergmann, diesmal ergänzt um einen weiteren Gitarristen, haut auch rhythmisch gut rein und schlägt vor: „Hey, gib mal was ab von deinem Megakuchen, denn die Welt gehört nicht dir.“

Die Leute klatschen entspannt mit. So geht Party in Zeiten der Pandemie – großes Kompliment an das unermüdliche und ansteckend gutgelaunte Team im Urban-Gardening-Areal mit seinem Lernangebot auch für Umwelt- und Wildbienenschutz.

Die übliche Feier auf dem Friedberger Platz in Frankfurt am Freitagabend.

Dann auf ins Kontrastprogramm, raus aus der Oase, rein ins Getümmel der Partypeople. In der neuen Altstadt schleppt gerade ein junger Partyheld den anderen weg, der sich wie ein Koalababy an ihn klammert. Viel Alkohol, wenig Abstand. Das Motiv wird sich durch den weiteren Verlauf der Nacht ziehen, wenn auch nicht direkt in der Altstadt. Da geschieht alles weitgehend gesittet.

Vier Blondinen gehen vorm Römer einer Flasche Bier verlustig, die mit unschönem Geräusch auf dem Pflaster zerplatzt. Aus verschiedenen Gründen ist zu hoffen, dass es nicht ihre einzige gemeinsame Flasche war. Die erschütterten Reaktionen legen etwas in dieser Richtung nahe.

Frankfurt zu Corona-Zeiten: Musik kommt aus der Soundbox

Oben, vorm Historischen Museum, lässt es sich gut sitzen und Musik aus der Soundbox hören. Ein paar Schritte weiter am Mainkai zeigt ein Artist, was er kann: Regale aufeinanderstapeln, Rolle drunter, alles enorm wackelig, und dann draufklettern, Balance halten. Viel Applaus, wenig Kleingeld, keine Masken. Noch so ein Leitmotiv der Nacht.

Am Mainkai ist nicht allzu viel Fußvolk unterwegs, aber jedenfalls deutlich mehr, als würden dort Autos vorbeidonnern, wie sie es in erstaunlicher Zahl in der Innenstadt tun, Fenster offen, Musik auf zehn. Kaum vorstellbar, dass schon bald auch auf der Mainpromenade wieder die Kraftfahrt dominieren soll.

Du schwitzt. Du bist es aus deiner eigenen Jugend nicht gewohnt, dass so viele Menschen eine Frankfurter Sommernacht bevölkern. Du bist einerseits angetan von der Belebung der Stadt, andererseits beklommen, denn bei jedem Gelächter könnte noch jemand dabei sein, jemand in den Aerosolen, den man nicht sieht und den man so schnell nicht mehr los wird. Du hältst dich also vom Partyvolk möglichst fern. An der Fußgängerampel über die Berliner Straße stehen die Leute unmaskiert im Pulk. Warum? Auch weil die Grünphase mitten in der belebten Partynacht unverhältnismäßig lang für Autos dauert und zu kurz für Fußgänger.

Partynacht in Frankfurt im Zeitalter von Corona: Opernplatz friedlich

Der Burger King an der Liebfrauenstraße ist längst geschlossen. Er wird wissen, warum. McDonald’s an der Hauptwache ist geöffnet. Aber wer will da jetzt hinuntersteigen? Jedenfalls nicht das Partyvolk. Es trifft sich bei der Konkurrenz Five Guys und zieht weiter, etwa auf die Freßgass. Kulminationspunkt ist die Victory Coffee Bar. Alle Plätze besetzt, drum herum viele junge Frauen mit kurzen Röcken und viele junge Männer mit langen Stielaugen, aber mit Abstand. Auch auf dem Opernplatz ist es friedlich und distanziert vor Mitternacht. Die Sitzplätze am Brunnenrand sind allerdings voll ausgebucht. Die Polizei wirft ein Auge drauf, dass es nicht zu voll wird.

Alles läuft so weit unaufgeregt. Wenn etwas auffällt, dann vor allem E-Roller, E-Roller und noch mal E-Roller. Sie eignen sich offenbar auch sehr gut für junge Demnächst-Pärchen, um bei einer gemeinsamen elektrisierenden Ausfahrt erste unverfängliche Berührungen zu tauschen.

Frankfurt: Friedberger Platz ist gewohnt voll

Aber wo, bitte, ist die Partyszene? Da, wo wir sie für einen Freitag schon vermutet haben. Der Friedberger Platz im Nordend: voll. Der Luisenplatz: voll. Die Szene wirkt gespenstisch, weil es stockdunkel ist, abgesehen von den Lichtern der langsam vorbeifahrenden und dann wild parkenden Autos. Vorm Wasserhäuschen eine lange Schlange.

Fazit der Freitag- und auch der Samstagnacht: heiß, aber friedlich. „Es gab keinerlei Probleme, um Mitternacht das Betretungsverbot durchzusetzen“, sagt ein Polizeisprecher am Sonntag der dpa in Sachen Opernplatz. „Es waren auch weniger Menschen unterwegs - vielleicht war es einfach zu heiß.“ Das entscheidende Resümee werden das Robert-Koch-Institut und die Reproduktionszahl ziehen.

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