Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

„Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“: Semira Samar, Natalie Raggi und Larissa Rexhaus proben auf der Bühne das Stück „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“.
+
„Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“: Semira Samar, Natalie Raggi und Larissa Rexhaus proben auf der Bühne das Stück „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“.

Frankfurt

Heißa hopsasa

  • Meike Kolodziejczyk
    VonMeike Kolodziejczyk
    schließen

Das Papageno-Musiktheater am Frankfurter Palmengarten feiert in dieser Sasion sein 25-jähriges Bestehen – mit einem Festkonzert in der Alten Oper und einer „Jubiläums-Edition“

In der ersten Reihe sitzt ein Pferdekopf. Oder steht er? Liegt er? Und für welche Szene wird dieses famose Requisit wohl gebraucht, das so allein und körperlos schon ein wenig gruselig wirkt? Umso behaglicher ist es im Foyer, wo ein Schokoladenkuchen auf der Theke vor sich hinduftet. Renate Maienschein hat ihn gebacken, „um es uns ein bisschen schön zu machen“, sagt sie, lächelt und verteilt Kuchenstücke auf Tellerchen. Das Team bereitet die anstehende Bühnenprobe vor, es werden Kostüme gerafft, genäht, drapiert. Draußen bummelt eine Schulklasse vorbei, die gerade aus dem Palmengarten kommt. Neugierig spähen die Kinder durch die Glasfront hinein. Noch sind die Türen für das Publikum geschlossen, aber nicht mehr lange. „Ich freue mich so“, sagt Renate Maienschein, „dass es endlich wieder losgeht.“

Seit fast einem Jahr hat das Papageno-Musiktheater im eigenen Haus keine Vorstellungen gegeben. Am 23. Oktober öffnet es nun wieder und startet mit einer „Italienischen Opernnacht“ in die Saison 2021/2022, die eine Jubiläumsspielzeit ist, weil sie das 25-jährige Bestehen des Theaters in Frankfurt markiert. Das soll mit einem Festkonzert in der Alten Oper am Freitag gebührend gefeiert werden. Dazu erscheint eine „Jubiläums-Edition“, bestehend aus einem Buch, einer CD und einer DVD.

„Vor zwei Jahren waren wir auf dem Gipfel, 280 Vorstellungen haben wir jährlich gespielt und das mit Maximalauslastung“, sagt Hans-Dieter Maienschein. „Dann kam Corona und hat die ganze Arbeit zerstört.“ Der Theaterleiter lehnt an der Bühne, auf der teils schon die Kulisse für das Stück „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ aufgebaut ist, mit dem am 30. Oktober das Kinderprogramm beginnt. Dazu gehört der Pferdekopf. Einige der roten Sessel im Zuschauerraum sind mit einer dicken Kordel abgesperrt, jede zweite Reihe bleibt frei. Vorerst dürfen höchstens 70 Gäste Platz nehmen statt der üblichen 200.

„Wirtschaftlich rentiert sich das nicht“, leisten könnten sie sich das nur wegen der Hilfen von Stadt und Bund, mit denen sie in der Pandemie auch bisher über die Runden gekommen seien. „Geschafft“ hätten sie es auch dank einer Spendenkampagne und all der Leute, die auf die Ticketrückerstattung verzichteten. „Ich bin ja einer, der nicht so schnell aufgibt“, sagt Maienschein, schließlich habe er schon einige Krisen erlebt mit diesem Theater. „Aber wir haben nie den Mut verloren“, betont seine Frau Renate. Und aus Krisen stets auch positive Impulse gezogen.

So auch aus der Corona-Zeit, in der die Idee entstand, die Geschichte des Theaters aufzuschreiben. Daraus wurde das Bilderbuch „Die Suche nach dem Zuhause der Phantasie“, in dem Klein-Papageno durch Frankfurt pirscht und überall Figuren aus den Stücken des Theaters trifft. Rumpelstilzchen zum Beispiel, Frau Holle oder das Urmel aus dem Eis. Prinzessin Turandot wartet am Chinesischen Pavillon im Bethmannpark, Pippi Langstrumpf hockt auf einem Bunker im Gallus, wo der Schriftzug prangt: „Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt“. Zum Buch gehört die CD „Papagenos Märchenschatz“ mit Liedern aus den Produktionen, außerdem hat die Filmemacherin Annette Schreier das DVD-Theaterporträt „Wo Träume leben“ geschaffen.

Das Jubiläum

Das Papageno-Musiktheater am Frankfurter Palmengarten, Palmengartenstraße 11, wurde 1997 gegründet, beginnt mit der Jubiläumssaison aber schon jetzt.
Das Festkonzert „25 Jahre Papageno-Musiktheater“ leitet die Jubiläumssaison 2021/22 ein und würdigt am Freitag, 15. Oktober, 19.30 Uhr, im Mozartsaal der Alten Oper Frankfurt, Opernplatz 1, die Geschichte der Bühne. Karten kosten 25,55 Euro und 30,55 Euro und können über die Tickethotline 069/13 40 400 bestellt werden.

Die „Jubiläums-Edition“ , die während des Corona-Lockdowns entstand, wird beim Festakt präsentiert. Sie besteht aus dem Buch „Papageno - Die Suche nach dem Zuhause der Phantasie“, der CD „Papagenos Märchenschatz“ und dem DVD-Theaterporträt „Wo Träume leben“. Alle Teile sind von Freitag an im Handel erhältlich.

Zum eigentlichen Geburtstag im Frühjahr 2022 wird dem Theater auf Vinyl gratuliert. Dann erscheint die Schallplatte „Congratulations“, für die die Sopranistin Anna Maria Kaufmann Songs aus dem Abendprogramm des Papageno eingesungen hat. myk

www.papageno-theater.de

Angefangen hat der Traum mit einem Tourneetheater, mit dem die Maienscheins einige Jahre durch Deutschland und Österreich tingelten. 1997 ließ sich das Paar, inzwischen Eltern geworden, in Hans-Dieter Maienscheins Geburtsstadt Frankfurt nieder und gründete „das Papageno“. Den Vogelfänger aus Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ wählte er als Namenspatron für sein kleines Kinder-Musiktheater, „weil er lustig ist, weil er einfach draufloszieht, weil er Visionen hat“. Das Ensemble trat im damaligen Volksbildungsheim auf, doch schon bald entstand der Wunsch nach einer eigenen Spielstätte.

„Der Zoo hat ein Theater, warum nicht auch der Palmengarten?“, fragte Maienschein zunächst sein Team und dann den damaligen Palmengarten-Direktor Matthias Jenny. Mit Erfolg: In dem Kinder-Singspiel „Die kleine Zauberflöte“ hatte Maienschein im Oktober 1998 sein Debüt als Papageno im Siesmayersaal des Eingangsschauhauses. Noch im selben Jahr wurde dort „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck auf die Bühne gebracht. Der Theaterleiter spielte die Hexe.

In den meisten Stücken, die er in 25 Jahren inszeniert hat, hat Maienschein selbst mitgewirkt, mehr als 130 Rollen hat er verkörpert, „heute mache ich mich aber ein bisschen rarer“. Klassische Musik hat er schon als Kind in seinem Elternhaus lieben gelernt, schon früh stand für ihn fest: „Das, was ich so schön finde, möchte ich auch anderen näherbringen.“ Mittlerweile richtet sich das Programm des Papageno längst nicht mehr nur an Kinder, gerade vor Opern scheuten sich schließlich auch viele Erwachsene. Um „diese Hemmschwelle zu senken“, hat Maienschein eigens die Form des „Opernschauspiels“ entwickelt: Der Stoff wird auf das Wesentliche fokussiert, ein Kammermusikensemble spielt dazu die schönsten Stücke aus dem Werk. Zielpublikum seien heute „Menschen aller Altersstufen“, für die regelmäßig Abendvorstellungen geboten werden.

Doch bis dahin war es Ende der 1990er noch ein weiter Weg. Der Siesmayersaal war nicht nur zu klein, er wurde auch anderweitig genutzt, ständig musste das Theater alles ab- und wieder aufbauen. „Das ging so nicht auf Dauer.“ Nach einigem Hin und Her rief unverhofft Palmengarten-Direktor Jenny an und fragte, „ob wir uns vorstellen könnten, in einem Zelt zu spielen, sie hätten da eine Fläche frei“, erzählt Maienschein. „Also musste ein Zelt her.“ Der Circus Barelli hatte just eines inseriert, „das haben wir uns angeschaut und gekauft“, einen alten Zirkus-Wohnwagen gab es noch dazu. 1999 nahm das Papageno seinen Spielbetrieb im neuen Domizil auf dem Palmengartengelände auf.

Doch das Glück war ihnen nicht lange hold, 2002 kam „die große Katastrophe“. Ein Sturm riss das Dach weg, das Zelt stürzte ein, „wir konnten nichts mehr retten“, erinnert sich Maienschein. „Alles, was wir aufgebaut hatten, war kaputt.“ Hilfe kam in Gestalt von Sportreporter Dieter Kürten, der sich an den SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp wandte. Dank seiner Stiftung konnte Maienschein schon 2003 am selben Ort ein neues Theaterhaus nach den Plänen der Berliner Architektin Felicitas Mossmann eröffnen, das sich, rundlich und grün, bis heute hübsch einfügt in das Ambiente des Palmengartens, ein bisschen wie eine riesige Raupe.

Gefragt nach den Höhepunkten mag Hans-Dieter Maienschein keine konkrete Inszenierung oder Begebenheit nennen, außer vielleicht das opulente „Liverpool Oratorio“ von Paul McCartney, das das Papageno zum 20. Geburtstag 2017 in der Alten Oper aufführte. Ansonsten sei es mehr „das große Ganze“, das treue Publikum, die Persönlichkeiten, vor allem die vielen Freund:innen und wohlgesonnen Menschen, die dem Theater von Beginn an beistanden, ob mit Geld, Equipment, Kostümen oder tatkräftiger Hilfe, allen Widrigkeiten zum Trotz. Eigentlich grenze es fast an ein Wunder, „dass wir jetzt da sind, wo wir sind“, sagt Renate Maienschein. „Und es sind viele Wunder passiert in unserem Leben.“

Einer, der nicht so schnell aufgibt: Hans-Dieter Maienschein.
Ach, dafür ist der Pferdekopf – mit Renate Maienschein als Knecht.
Wie eine riesige Raupe: Die Spielstätte am Palmengarten.
Papageno backstage: „Aschenbrödel“ Larissa Rexhaus bereitet sich in der Garderobe auf die Probe vor.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare