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Bei der Brautmodenschau: Vintagekleider mit Spitze und rückenfrei sind angesagt.

Hochzeitsmesse "Trau Dich"

„Heiraten ohne Plan ist so 1986“

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Auf der zweitägigen Hochzeitsmesse „Trau dich!“ bekommt man alles, was man für den schönsten Tag im Leben braucht. Oder auch nicht.

Ich brauche noch einen Fotografen, die Torte und, ach ja, mein Brautkleid“, sagt Heike, eine 30-jährige Braut to be und seufzt. Immerhin hat sie schon den Bräutigam. Dieser darf an diesem Samstag zu Hause auf der Couch in Lorsch liegen bleiben. O-Ton: „Also das hier kann ich ihm wirklich nicht zumuten.“ Und was man sagen muss: „Trau dich!“, die zweitägige Hochzeitsmesse am Wochenende in Frankfurt ist in der Tat nur ein Ort für die Mutigen. Deswegen haben viele der zukünftigen Bräute auch nur weibliche Begleitung dabei: Schwägerin, Schwester oder beste Freundin. Manchmal auch alle zusammen. Der andere Teil ist mit dem Zukünftigen da. Einige von den Herren laufen sehr verzweifelt aussehend mit.

Das Programm ist auch straff: Denn Heiraten ohne eine sehr, sehr lange „To-do-Liste“ – dieses Wort hört man sehr oft an diesem Tag – scheint unmöglich. „Heiraten ohne Plan ist so 1986“, sagt eine Frau zu ihrer Mutter. „Man vergleicht sich auch mit den Hochzeiten seiner Freundinnen, und da will man mithalten“, sagt eine Mittzwanzigerin. Zwei Tage lang kann man sich durch Hochzeitstorten, Frozen Yoghurt, Sektchen (das ist der nette Part) probieren. Aber auch Brautmoden-schauen gilt es anzugucken, den richtigen DJ auszusuchen, die auffälligsten Ballons zu kaufen, die schönsten Ringe und ganz viel Schnickschnack zu besorgen.

Selbst eine Anti-Cellulite-Creme, die angeblich erste wirksame der Welt („Nach einer Stunde soll sie schon anfangen zu wirken“) kann man hier erwerben. Sie heißt: „Bye, Bye Cellulite“ und kostet 119 Euro. „Diese verkauft sich sehr gut“, sagt zumindest der Herr am Stand.

Ansonsten kann man sich aber auch einfach die Haare an einem Lockenstab-Stand schön machen lassen. Ein junges Mädchen träumt dabei noch vom Traummann. „Dreaming of a Super hero“, das steht so zumindest auf ihrem Sweatshirt. Ein Superheld ist so ziemlich das Einzige, was man hier nicht erwerben kann. Leider. Ansonsten fühlt man sich so ein bisschen wie auf einem Basar: Ständig bekommt man Flyer in die Hand gedrückt. Und dabei werden einem Fragen gestellt wie: „Und wissen Sie schon, wo Sie heiraten, was Sie essen, wie Sie Ihre Gäste unterhalten?“

Das ist schon überfordernd. „Aber ich will auch nichts verpassen, also nehme ich alle Flyer mit nach Hause“, sagt eine Frau. Der dazugehörige Mann trägt die vollgestopfte Tüte und brummelt nur zurück. „Ja, genau.“ „Früher hat man einfach geheiratet, aber heute muss alles bis ins Detail passen“, sagt ein künftiger Bräutigam Ende 40. Er hat eine vorbildlich gute Laune. Seine zukünftige Frau, eine gebürtige Frankfurterin, freut sich auf eine Trauung im Palmengarten mit typisch Frankfurter Gerichten. „Ich finde die Hochzeitsmesse gut, weil ich hier die Kleider in der Realität anschauen kann. Und ich kann viele regionale Anbieter ansprechen. Das ist viel besser als eine mühsame Google-Suche.“

Bei der Brautmodenschau wird schnell klar: Schlicht geschnittene Vintagekleider mit Spitze sind derzeit das Ding. Gerne rückenfrei. Ein paar crazy Kleider gibt es auch: lila und sehr kurz und überhaupt sehr nackig, weil sehr viele Cut-Outs, also seitliche Ausschnitte zwischen Achselhöhe und Hüfte. „Das geht gar nicht“, sagt eine Braut-Mutter. Und Braut Heike sagt, sie will keines dieser Meerjungfrauenkleider, die unten so eng sind, dass man weder laufen noch Torte essen kann.

Der Blumenschmuck im Haar hat den Schleier so ziemlich ersetzt. „Schön wie eine Waldfee“, so das Urteil einer Braut-Oma. „Spitze und Glitzer sind sehr angesagt. Wir haben nur wenige Prinzessinnen-Kleider mit Tüll im Laden“, sagt Silvia von „Der Brautladen“ in Frankfurt.

Sie selbst ist eine Braut-Bar. Sie trägt ein Brautkleid, steckt dabei in einem Tisch fest und schenkt Sekt aus. Die Kleider kosten zwischen 1000 und 2000 Euro. Und es gibt sie hier bis Größe 44. Ab Kleidergröße 44 bis 60 wird man etwas weiter am Stand des Bergen-Enkheimer Ladens namens „Brautschau XXL“ fündig.

„Ohne mich wäre schon so manche Hochzeit dröge geworden“, betont ein Magier. Sein HochzeitS-Special-Angebot gibt es für 580 Euro zu buchen. Dafür lässt er den Ehering verschwinden. Und wenn es gut läuft, taucht dieser wieder auf. Oder man mietet sich eine „Secco Princess“. Was das ist? Na, ein zur Bar umgebauter italienischer Dreirad-Kleintransporter. Auf der einen Seite gibt es an der rosafarbenen mobilen Bar Prosecco vom Fass und auf der anderen Seite eine schwarze Gin-Bar.

„Wir sind ein Darmstädter Start-up-Unternehmen, das es erst seit 14 Tagen gibt“, erzählt Mitarbeiterin Elke Weicker. 595 Euro kostet die Miete inklusive Anreise innerhalb von 30 Kilometern und Personal. Vor Freude knallt eine zukünftige Braut im Glitzerkleid mit einer Konfetti-Pistole. Vielleicht hatte sie aber auch einfach einen Prosecco zu viel.

Mieten kann man sich im Hashtag-Zeitalter sogar einen Hashtag-Printer für 590 Euro: Da werden die Instagram-Fotos von der Hochzeit gleich als Polaroid ausgedruckt. Crazy.

Wer mehr will als einen Ehering mit dem Namen des Liebsten, kann sich nicht nur Ringe selber machen (trauringkurse.de), sondern sogar die Fingerabdrücke seines Partners auf der Innen-oder Außenseite des Ringes verewigen lassen. Bräutigame können sich die Initialen plus Hochzeits-Datum in die Innenseite des Hochzeits-Jacketts nähen lassen. „Die Idee gefällt meist den Frauen besser als den Männern“, erzählt Achim Korth, Geschäftsführer des Herrenmaß-Ladens „Echtmass“ in Frankfurt.

Location  rechtzeitig  organisieren

Die perfekte Location gilt es sehr, sehr rechtzeitig zu organisieren, wie man hier ganz schnell lernt. „Wir haben schon das Hofgut, wo wir heiraten werden, letztes Jahr ausgesucht. Unsere Hochzeit ist im Sommer 2019“, erzählt eine 26-jährige Wiesbadenerin. Auffallend viele junge Paare sind hier.

Jennifer (23) feiert auch erst im Mai 2019 die Hochzeit mit ihrem Christian (26) und 65 Gästen im Landgasthaus Wambacher Mühle in Schlangenbad. „Es soll was Besonderes sein. Man heiratet ja nur einmal.“ So der Plan.

Und auf dem steht auch noch die DJ-Suche: „Es gibt ein absolutes Helene-Fischer-Verbot“, sagt sie und lacht. Sie meint die Musik und die Person, wie sie betont.

Ach ja, Tanzen ist natürlich auch wichtig bei Hochzeiten. Neben dem klassischen Eröffnungswalzer wollen viele Paare eine eigene Choreo zu ihrem persönlichen Liebeslied einstudieren. „Sehr angesagt sind die Lieder von Ed Sheeran. Wir bieten Tänze von Charleston bis Dirty Dancing an“, sagt Zorica Hohmann von der Wiesbadener Tanzschule Hohmann. Dabei gibt es fürs Paar nicht nur beeindruckende Moves zu lernen, sondern es wird auch gleich gefragt, wie viel Tanzfläche denn zur Verfügung steht. „Man möchte ja nicht mit dem Reifrock im Buffett am Ende landen“, sagt Hohmann und lacht.

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