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16 Teams, darunter Frankfurter wie Flüchtlinge, traten beim „Welcome United Cup“ an.

Rödelheim

Kicken gegen Rassismus

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Nach mehreren Jahren Pause gab es in Rödelheim wieder ein Fußballturnier als Zeichen gegen fremdenfeindliche Proteste.

Wann sie sich zuletzt zum antirassistischen Fußballturnier in Frankfurt getroffen haben, das weiß Stefan Kussauer auch nicht mehr so genau. Neun Jahre sei das womöglich schon her, vielleicht auch nur sechs. Pläne, wieder solch ein Turnier zu organisieren, habe es aber schon länger gegeben. Die fremdenfeindlichen Proteste der vergangenen Monate, hätten dann den „letzten Kick“ gegeben, wieder „ein Zeichen zu setzen“, so Kussauer, Organisator des „Welcome United Cup“.

16 Teams haben sich zu dem antirassistischen Fußballturnier am vergangenen Samstag auf dem Sportplatz des Rödelheimer FC am Bottenhorner Weg getroffen, darunter zahlreiche Flüchtlinge. Insgesamt zehn Mannschaften waren mit nach Deutschland geflüchteten Kickern besetzt. Hinzu gab es eine kleine Ausstellung von Pro Asyl.

Zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit Rassismus im Fußball hatten die Organisatoren in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung schon für den Freitagabend eingeladen. Der Journalist Jan Tölva hatte im Bockenheimer Café Exzess dazu referiert.

Das Stadion sei trotz positiver Tendenzen in einigen Fanszenen immer noch ein Ort, an dem diskriminiert und rassistisch beleidigt werde, sagte Kussauer am Samstag beim Turnier. Die Vereine, so forderte er, müssten sich stärker dagegen aussprechen.

Inbesondere sorgt sich Kussauer aber wegen der fremdenfeindlichen Proteste auf der Straße und den Ablehnungshaltungen gegenüber Flüchtlingen. „Ich finde es schlimm und widerlich, wie in diesem Land mit Menschen umgegangen wird, die aufgrund einer miserablen Situation in ihrem Land geflüchtet sind“, sagte der Fußballer bei Turbine Biegwald, einer Rödelheimer Kickertruppe, die das Turnier zusammen mit der Gruppe „Antirassistisches Kollektiv“ organisiert hatte.

Unklar war am Samstagnachmittag nach Angaben der Veranstalter noch, ob die Kosten für das Turnier gedeckt werden können. Kostenloses Essen und Trinken für die geflüchteten Kicker sei Teil ihres Willkommens-Konzepts gewesen, berichtete Kussauer, der auf Spenden im Nachhinein hofft. So am Ende dann doch noch mehr Geld zusammenkäme, würden die Überschüsse direkt an das „Projekt Shelter“, einer Frankfurter Initiative für Flüchtlinge, weitergeleitet.

Das Shelter-Projekt stellte beim Turnier auch eine Mannschaft. Nicolas, der eigentlich nicht so heißt, aber in Anlehnung an den französischen Fußballstar Nicolas Anelka von allen so genannt werden will, spielte dort. Einst habe er in Ghana in einem professionellen Team gespielt, berichtet er. Vor mehr als fünf Jahren sei er dann nach Europa geflohen, seit einem halben Jahr lebe er in Frankfurt.

Hier in Deutschland, so meint er, fühle er sich im Vergleich zu anderen europäischen Staaten, in denen er Diskriminierung erfahren habe, durchaus willkommen. „Ich fühle mich hier wie zu Hause“, sagte der 28-Jährige lächelnd.

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